Fußball: Reif für den Video-Beweis

Schiedsrichter, die aus der Wüste kommen. Brachliegendes technisches Know-how, vom Chipball bis zum Videobeweis. Die FIFA geriet in Zugzwang, ihren Premium-Events ein Upgrade zu verpassen. Selbst Top-Referees würden sich allzu gerne helfen lassen.

Sie waren ähnlich „over the hill“ wie die Italiener und Franzosen. Aber das hatten sich die Engländer nicht verdient, das war ja noch traumatischer als ­jedes Elferschießen: der Lattenpendler von Frank Lampard, der weit hinter der Linie aufsprang, als Nicht-Tor gewertet. Statt 2 : 2 und „zweiter Luft“ im Klassiker gegen Deutschland der nagende Frust – und ein Dacapo letztklassiger Defensivarbeit. 1: 4, Englands höchste WM-Niederlage der Geschichte.

Goal-Kipper

Mit dem No-Goal-Wonder von Bloemfontein schoss Jorge Larrionda, Schiedsrichter und Papageienzüchter aus Uruguay, bei der WM den ­Vogel ab. Doch auch andere skurrile Entscheidungen hätten mithilfe der Technik verhindert werden können. In den Misston-Charts von Südafrika funkeln noch massenhaft Diamanten: das Abseitstor des Argentiniers Tevez gegen Mexiko, das ein weiteres Achtelfinale kippen ließ. Den USA wurde das korrekte 3 : 2 gegen Slowenien von Koman Coulibaly (Mali) und ein Tor gegen Algerien von Frank de Bleeckere (Belgien) ­gestohlen – trotzdem Last-Minute-Happy-End mit Gruppensieg.

Die Hand Gottes

Bei Brasilien – Elfenbeinküste durfte sich Luis Fabiano zweimal den Ball mit der Hand ­mitnehmen und ungestört finishen – der Franzose ­Stephane Lannoy hatte nichts gesehen, genauso wie bei zwei ausschlussreifen Brutalo-Fouls der Afrikaner. Khalil Al Ghamdi (Saudi-Arabien) zeigte dem Schweizer Behrami gegen Chile Rot statt Gelb, wor­auf sogar Trainer-Sir Ottmar Hitzfeld flehte, doch nicht Spielleiter einzusetzen, „die irgendwo am ­Strand pfeifen“. Der Engländer Howard Webb hätte die ­Sensation von WM-Debütant Slowakei durchkreuzen können, wenn er ein Tor des Italieners Quagliarella nicht annulliert hätte.

Torkamera wünschenswert

Massimo Busacca war bei Uruguay – Südafrika auch nicht immer auf der Höhe. Der Schweizer Starreferee, offen für Veränderung, in einer E-Mail an FORMAT: „Ich bin kein Freund des Videobeweises, fände aber eine Torkamera in Ordnung.“ Wäre die von der FIFA schon zugelassen gewesen, hätte der bekennende Fußballfan Rod Stewart bei seinem Wien-Konzert nicht kürzlich Millionen ­Anhängern aus der Seele sprechen müssen: „I’m pissed.“

Andreas Jaros

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