Frisch angerichtet: Die neuesten Kochbücher im FORMAT-Check

Trotz Überangebotes ist die Nachfrage nach Kochbüchern noch immer groß. Doch was taugen sie wirklich? FORMAT ließ erstmals die jüngsten Neuerscheinungen testen: von Profi- und Hobbyköchen.

Man mag es kaum glauben. Aber Kochbücher sind noch immer ein Seller. Kaum ein Verlag verzichtet auf Rezeptbücher von professionellen Köchen, notorischen Garern oder selbst ernannten Herdakrobaten. Dabei gibt es Kochbücher bereits wie Salz im Meer. Doch was können die vielen Schlemmer-Schmöker? Sind die Rezepte tatsächlich nachkochbar oder nur farbenprächtige Selbstdarstellungsorgien selbstverliebter Kochkünstler?

Um diese Frage zu beantworten, bat FORMAT drei Profiköche und einen Hobbykoch um deren Urteil. Zehn aktuelle Neuerscheinungen wurden dazu ausgesucht und im Wiener Kochbuchladen „Babette’s“ ( www.babettes.at ) der Jury vorgelegt. Als Juroren haben sich Sohyi Kim von kim kocht, Joachim Gradwohl, der ehemalige Küchenchef von Meinl am Graben und künftig im Shangri-La, sowie der Wirt Thomas Edlinger vom Pan e Wien und der Wiener Hobbykoch Camillo Schmidt bereit erklärt.

Die Testkriterien

Um herauszufinden, wie österreichische Kochbücher im internationalen Vergleich abschneiden, beinhaltete die Auswahl an getesteten Kochbüchern nicht nur die Werke heimischer Verlage. Die vier Juroren bewerteten die Kriterien „Optik“, „Verständlichkeit“ und „Rezepttauglichkeit“ nach dem Schulnotensystem von eins bis fünf. Je geringer also die Gesamtpunkteanzahl, desto besser das Buch (siehe „Die Reihung der besten Neuerscheinungen“ ). Das Ergebnis gleich vorweg: Als Sieger ging das neue Kochbuch „Jahreszeiten“ der australischen Autorin Donna Hay hervor. Sie gilt weltweit als eine der erfolgreichsten Kochbuchautorinnen überhaupt und hat von ihren bisher 19 Kochbüchern mehr als 2,5 Millionen Exemplare verkauft. Einhellige Meinung der Profis: „Perfekter Lifestyle, macht Lust aufs Kochen und ist absolut informativ.“ Hobbykoch Camillo Schmidt: „Dieses Buch ist wirklich modern und animierend.“

Auf den Plätzen

Obwohl internationale Kochbücher nicht selten mit großem Aufwand und einer oft üppigen optischen Ausstattung produziert werden, landete auf Platz zwei doch ein Buch aus Österreich: „Das Hütten-Kochbuch“ der beiden Tiroler Brüder Christian und Markus Winkler. Die beiden Küchenchefs des Restaurants „Schindlhaus“ in Söll präsentieren in ihrem etwas rustikal anmutenden Werk die besten Ski- und Wanderhütten in der Schweiz, in Österreich und Bayern – samt zahlreichen Rezepten aus dem Reich der Hausmannskost. Küchenchef Thomas Edlinger: „Man merkt sofort, dass die beiden Autoren Profis sind, ihre Rezepte sind leicht nachkochbar und nicht, wie so oft, zu selbstverliebt.“ Kritischer Einwand der zierlichen Asia-Köchin Sohyi Kim: „Das Buch ist sehr männlich und fleischig, aber das ist wahrscheinlich so gewollt.“ Nachsatz: „Mir ist auch nicht klar, warum eine Ente eine Stunde lang im Eiswasser liegen muss.“

Auf Platz drei wiederum ein Star der internationalen Kochzunft: Gordon Ramsay mit einem opulenten Wälzer im Großformat. Der britische Starkoch überzeugte die Jury mit klaren Rezepturen und einer weltmännischen optischen Präsentation. Dass der teure Kochschmöker um fast 50 Euro ein Seller wird, darf bei dem Preis allerdings bezweifelt werden.

Weit weniger abgehoben und ungleich preisgünstiger ist das Buch „So schmecken Wildpflanzen“ des Wiener Küchenchefs und Altmeisters Meinrad Neunkirchner. Er landete damit auf Platz vier und überzeugte die Jury mit einer „informativen Beschreibung der Wildkräuter“ (Sohyi Kim) und einer „guten Idee als Gesamtkonzept“ (Gradwohl).

Nicht allen gefielen hingegen die beiden Asia-Bildbände „Japan“ und „Thai Street Food“. Edlinger: „Das sind Bilderbücher mit zu wenig Rezepten.“ Asia-Spezialistin Sohyi Kim hingegen lobte beim Japan-Buch die „gut erklärten Fachausdrücke“ und beim Thai-Buch das grafische Konzept: „Wie ein Urlaub in Thailand.“

Die Überraschung im Gesamtergebnis: Das Buch „Austro Pasta“ der bekannten Köche Toni Mörwald und Jörg Wörther sowie des verstorbenen Gourmetpapstes Christoph Wagner landete nur auf Platz neun. Das in grellem Orange gehaltene Teigwaren-OEuvre ist das Nachfolgeprodukt des erfolgreichen Kochbuchs „Austro Tapas“. Den Testern schien das egal zu sein. Thomas Edlinger: „Etwas lieblos und fad.“ Lediglich Sohyi Kim empfand die Rezepte als „leicht, freundlich und weiblich“.

Knödel und Antinori

Aus der Gesamtwertung geht auch hervor, dass offenbar das durchaus schön gemachte Buch „Cantinetta Antinori“ wenig Anklang fand. Auch die „Knödelküche“ wurde als nicht sonderlich aufregend empfunden. Was mitunter auch am Thema liegen könnte. Hobbykoch Camillo Schmidt erklärt: „Sicher ein gutes Buch. Aber nur wenn man Knödel mag. Und ich mag eben keine Knödel.“

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