Football-WM in Österreic

American Football ist in Österreich ein Randsport. Die bevorstehende Heim-WM könnte das ändern und das körperbetonte Spiel in die Endzone der öffentlichen Wahrnehmung katapultieren. Eine Bestandsaufnahme.

Will man diplomatisch bleiben, muss wohl das Wörtchen „ambivalent“ herangezogen werden, um das Verhältnis von österreichischen Nationalteams zu ihren Ballsportarten zu umreißen. Allerdings kann ein Blick in Nischen durchaus Balsam für geschundene Seelen sein.

Als Lichtblick bietet sich zurzeit American Football an. Gerade weil in den letzten Jahren durchaus passable internationale Erfolge in dieser Sportart erzielt werden konnten. Die Raiders Tirol konnten vor wenigen Wochen gegen die Berlin Adler die Eurobowl zum dritten Mal in ihrer Vereinsgeschichte holen. Zudem stellt Österreich mit den Vienna Vikings den Eurobowl-Rekordsieger, und im Vorjahr wurde die heimische Nationalauswahl bei der EM in Deutschland gar Dritter.

Play-off fürs „Eierlaberl“

Keine schlechte Bilanz dafür, dass es bis vor fünf Jahren noch nicht einmal ein Football-Nationalteam gegeben hat. Das bringt eingefleischte Fans und aktive Sportler vor der bevorstehenden Football-Weltmeisterschaft in Österreich ein wenig ins Träumen. „Den dritten Platz wollen wir auch bei der Heim-WM anstreben, das ist durchaus realistisch“, legt Peter Kramberger Optimismus an den Tag. Der 38-jährige Kicker von den Vienna Vikings ist zehnfacher österreichischer Meister. Das sicherte dem „King of Kicks“ einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde, als erfolgreichster Football-Spieler. Seine Leidenschaft für den körperbetonten Teamsport entdeckte der kaufmännische Leiter (Palais Coburg Residenz) vor gut 20 Jahren während seiner Studienzeit.

„Ich hatte das Glück, mit dem österreichischen NFL-Star Toni Fritsch regelmäßig trainieren zu können“, erzählt der Vienna-Vikings-Star. Keine schlechten Voraussetzungen für einen sportlichen Karriere-Kick-off. Zur Erinnerung: Der Rapidler Toni Fritsch ging in die heimischen Fußballannalen ein, als er 1965 am heiligen Rasen von Wembley gegen England zwei Tore zu einem legendären 3:2-Sieg beisteuerte. Anfang der 70er-Jahre wechselte er dann Land und Ballform, ging nach Texas und gewann mit den Dallas Cowboys den Superbowl.

Wirklich populär machte Fritsch diesen Sport in Österreich zwar nicht, dafür war die Zeit wohl noch nicht reif genug, aber das Interesse steigt. „Dafür, dass es den Sport in Österreich bereits seit 30 Jahren gibt, wird ihm erst seit ein paar Jahren mehr Beachtung geschenkt“, weiß Norbert Jobstmann, längjähriger Kenner der heimischen Football-Szene, der sich bei den Vienna Vikings um Nachwuchsspieler kümmert. „Football ist medial präsenter und wird besser durch den American Football Bund Österreich (AFBÖ) vermarktet. Nicht von ungefähr kamen heuer rund 10.000 Fans zum Austrian Bowl, dem Finalspiel um die österreichische Meisterschaft, ins Happel-Stadion“, zeigt sich Jobstmann beeindruckt. Zudem hofft er, dass die Heim-WM den Ami-Sport zu weiterer Popularität pusht.

Ab in die Offensive

Und es schaut nicht schlecht aus, glaubt man der Prognose von Fouad Lilabadi, Generalsekretär vom AFBÖ: „Unser Partner Ö-Ticket findet den Vorverkauf sogar ‚sensationell‘. Für den Finaltag erwarten wir ca. 25.000 Zuseher. Bislang sind etwa 25 Prozent aller verkauften Tickets aus dem Ausland geordert worden.“ Das WM-Spektakel wird von namhaften Sponsoren wie Ben & Jerry’s, Chevrolet, Snickers sowie Raiffeisen unterstützt. Allein der AFBÖ investiert rund 250.000 Euro nur in die Bewerbung der WM. Darüber hinaus muss sich der Verband als Veranstalter um Transport und Wohlergehen der Nationalteams und des Betreuerstabs kümmern. „In Summe erwarten wir rund 20.000 Besucher aus dem Ausland“, so Lilabadi. Auch an der Stadioninfrastruktur – Markierungen, Tore und Garderoben – musste das AFBÖ- Team intensiv arbeiten. „Im American Football ist einfach alles größer – nicht nur die Essensration für die Spieler“, nimmt er die aufwendige Organisation des Großevents mit Humor.

Austro-Footballer Peter Kramberger ist jedenfalls schon Feuer und Flamme vor seiner ersten WM-Teilnahme und erinnert sich an seine Anfangszeit zurück, als er vor 150 Zusehern auf der Wiener Schmelz kickte. „Die WM wird mit Sicherheit eine tolle Show, schließlich ist Football, trotz aller Härte, ein familienfreundlicher Sport, der Action auf und neben dem Feld bietet“, versucht der Spieler vorab Vorurteile und Berührungsängste abzubauen.

Wird doch als Hindernis für Neueinsteiger im Fansektor immer wieder das komplizierte Regelwerk verantwortlich gemacht. So undurchschaubar ist es aber dann auch wieder nicht. „Im Prinzip geht es darum, mit einem Ball, entweder tragend oder werfend, Raum zu gewinnen. Es ist ein simples Spiel, elf Mann gegen elf Mann“, vereinfacht der Profi das Reglement.

Letztlich haben alle Regeln ihren Sinn, jeder Spieler muss genau über seine Position und Spielzüge Bescheid wissen, sonst gäbe es am Feld ein wildes Tohuwabohu mit Knochenbrüchen ohne Ende. „American Football ist ein Teamsport: Wenn nicht die ganze Mannschaft diszipliniert die Spielzüge exekutiert, wird man gnadenlos überrannt“, erklärt Kramberger, der seine aktive Karriere im Football nach der WM beenden wird. Er wird dem „Eierlaberl“ treu bleiben. Hoffentlich in Österreich, damit wenigstens ein Nationalteam in einer Ballsportart ein Leiberl hat.

– Dina Elmani, Manfred Gram

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