Flotte Falter

Immer mehr Radfahrer entdecken das Faltrad für sich und strampeln damit durch den Großstadtdschungel.

Es war Liebe auf den ersten Tritt. Seit zwei Jahren ist ein Faltrad ständiger Begleiter von Christoph Chorherr: in der U-Bahn, unterwegs zum Kaffeehaus und sogar auf dem Weg ins Theater. Der grüne Landtagsabgeordnete kann sich Mobilität in Wien ohne sein Brompton-Rad gar nicht mehr vorstellen. "Ich radle damit zu allen Terminen. Beginnt es zu regnen oder ist mir der Weg an den Rand von Wien zu weit, klappe ich es zusammen und kann es jederzeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen“, schwärmt Chorherr. Aufgrund des Packmaßes, das das eines kleinen Trolleys nicht übersteigt, darf es nämlich mit Bim, Bus und Bahn transportiert werden - ohne Zusatzfahrschein.

In London, Amsterdam oder New York gehören Falträder schon lange zum Stadtbild. Nun erobern sie auch Österreich. Offizielle Zahlen gibt es nicht, doch Michael Kosta, Eigentümer und Chef des Wiener Geschäfts Das Faltrad, registriert ein steigendes Interesse: "Als ich mein Geschäft 2010 eröffnet habe, verkaufte ich 50 Räder, heuer werden es viermal so viele sein.“ Bei der Cooperative Fahrrad in Wien sind es pro Jahr gar über 300. Und zwar vor allem jene der englischen Kultmarke Brompton.

Londoner Tüftler

Mit den schwer zu fahrenden Klapprädern von einst haben die Räder allerdings nichts mehr gemein. "Diese kamen in der Energiekrise in Mode, weil man sie einfach ins Auto schmeißen konnte. Sie waren lieblos gefertigt und wackelig“, erklärt Fahrradsammler Michael Embacher. Er nennt rund 200 Retroräder sein Eigen, darunter viele Falträder, deren Geschichte er seit Anfang an verfolgt. Die schlechte Qualität der Räder motivierte nämlich den jungen Techniker Andrew Ritchie bereits 1976, selbst einen ersten Faltrad-Prototyp zu entwickeln.

Von seinem Schlafzimmer aus konnte er auf die Londoner Brompton Oratory sehen und benannte sein Rad kurzerhand nach dieser bedeutenden Kirche. In Serienfertigung ging es allerdings erst 1982. Bis heute wird es zur Gänze in London produziert und ist weiterhin fest in Andrew Ritchies Hand. Der Techniker kann sich als Vater des Faltrad-Booms bezeichnen, auch wenn es mittlerweile eine ganze Reihe anderer Hersteller wie das deutsche Unternehmen Riese und Müller oder den amerikanischen Weltmarktführer Dahon gibt. Doch das Brompton-Fahrrad ist Kult, was zum Teil natürlich an der hohen Praktikabilität im Alltag liegt. Denn kein anderes Faltrad lässt sich schneller und kleiner zusammenlegen als das Brompton. In weniger als 20 Sekunden ist es zusammengeklappt und unter dem Büroschreibtisch verstaut. Und wer auf dem Heimweg noch schnell im Supermarkt vorbeischauen muss, verwandelt es mit einem Handgriff in ein nachziehbares Einkaufswagerl.

Aber auch das ausgeklügelte Marketing trägt zum Erfolg bei. So veranstaltet das Unternehmen seit 2008 jährlich die Brompton World Championship in London, bei der heuer 750 passionierte Brompton-Fahrer um den Titel ritterten. Mittlerweile hat die Meisterschaft auch internationale Ableger und fand im Juni erstmals mit 75 Teilnehmern in Wien statt. Den Statuten entsprechend, waren sie in Business-Kleidung unterwegs: Sakko, Hemd und Krawatte sind Pflicht, darunter dürfen es auch kurze Hosen sein. Wem der gute Anzug dafür zu schade ist, für den gibt’s neuerdings das wasser- und winddichte Brompton Oratory Jacket um schlappe 318 Euro. Dem konnte auch Christoph Chorherr nicht widerstehen.

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