Eva Burtscher – Die Frau ist auf Draht

Eva Burtscher – Die Frau ist auf Draht

Eva Burtschers Firma Securo errichtet Zäune auf Autobahnen und Flughäfen. Die private Passion der Professorin für russische Literatur und bildende Kunst ist das Fördern junger Talente.

Eva Burtscher gibt mit 24 Jahren alles in ihrer Heimat Nitra in der Slowakei auf und kommt wegen ihres Mannes Manfred nach Österreich. Die promovierte Kunsthistorikerin und Dolmetscherin gründet mit ihm gemeinsam die Elbu-Sprachschule, gibt privaten Kunstunterricht und macht Ausstellungen. Ihr Mann betreibt als Unternehmer die Firma Securo Zaunbau im steirischen Friedberg, die Spezialzäune für Autobahnen, Flughäfen oder Auto-Rennstrecken produziert und montiert. Die Welt ist für das Ehepaar in bester Ordnung - bis der Ehemann bei einem Skiunfall tödlich verunglückt. Das war vor elf Jahren. Sohn Alexander war zehn Monate, Tochter Isabella vier Jahre alt. Die damalige Situation beschreibt die heute 42-jährige Eva Burtscher so: "Ich war jung, blond und Ausländerin! Die Banken stellten alle Kredite fällig, von der Unternehmensführung hatte ich keine Ahnung, ich hatte zwei Kinder zu versorgen und war verzweifelt.“

Doch Burtscher gab nicht klein bei. Sie übernahm die Firma, eine reine Männerdomäne, besuchte das Management College am Wifi und erhielt vor drei Jahren das Diplom für General Management. Im selben Jahr erwarb sie den Gewerbeschein für Schlosserei, kreierte die Marke Securo Design und gründete die Burtscher Holding, zu der heute ein Fachmarkt, die Zaunbaufirma und die künstlerische Linie "Lace Fence“ gehören. Lace Fence steht für geklöppelten Stacheldraht, quasi "gestrickten“ Stahl, aus dem kunstvolle Möbel und Objekte hergestellt werden.

Werkstatt für junge Künstler

Burtscher hat sich nicht nur die Anerkennung ihrer Mitarbeiter im Familienbetrieb erarbeitet, sie wurde mit dem WOMAN- und mit dem Mia-Award, jeweils in der Kategorie Wirtschaft, ausgezeichnet. Und jetzt, nach jahrelanger Aufbauarbeit der kleinen, feinen Manufaktur und der Kindererziehung ist Eva Burtscher verstärkt zu ihren künstlerischen Wurzeln zurückgekehrt. "Ich beschäftige mich gerne mit Jugendlichen, bringe ihnen Kreativität bei und unterrichte sie in Kunstgeschichte“, beschreibt sie ihre Passion. Die Professorin für russische Literatur und bildende Kunst gründete die Künstlerwerkstatt "Bottega“ am Ökopark in Hartberg, wo Kinder vom 8. bis zum 18. Lebensjahr unterrichtet werden. Bottega ist ein Begriff aus der Renaissancezeit und bedeutet so viel wie Werkstatt. "Er symbolisiert das organisatorische Zentrum für Maler und Bildhauer wie Michelangelo und Leonardo da Vinci, wo Gemälde, Tafelbilder, Skulpturen, aber auch Möbel und Textilien produziert wurden“, so Burtscher. Und nach diesem Prinzip der "Brotkästen“ für Künstler hat sie das Projekt "Bottega“ ins Leben gerufen, wo junge Talente mit Bleistift, Papier und Ruhe ihre Kreativität ausleben können. Einmal im Jahr gibt es dann eine große Vernissage der Schüler.

Ihre künstlerische Ader lebt Burtscher aber auch im Job mit der Linie "Lace Fence“ aus. Seit einem Jahr arbeitet die kreative Lady mit Designer Joep Verhoeven zusammen und kreiert bereits ihre eigenen Spitzen-Designs aus Stacheldraht. Ihrer Ideenschmiede entstammt etwa ein Garderobenschrank oder ein schmuckes Highboard, beide mit geklöppelten Stahlverdrahtungen verziert (siehe Bilder oben). In Dechantskirchen errichtet Burtscher eine Galerie mit angeschlossenem Kunstpark, wo sie zum Verweilen, aber auch zum kulturellen Austausch lädt. Auch wenn es Burtscher in der 800-Seelen-Gemeinde oft zu eng wird, schätzt sie doch die "malerische, kitschige Natur“, die sie vor allem für ihre beiden Kinder so wertvoll findet. "So eine Rosamunde-Pilcher-Umgebung fördert auch die Kreativität“, ist die Unternehmerin überzeugt. Tochter Isabella tanzt, spielt Flöte und besucht die Modeschule in Graz. Der hochbegabte Sohn Alexander durfte sogar eine Klasse überspringen und übt sich im Geigespielen. Burtscher hat bewiesen, dass es nach einer Talfahrt auch wieder bergauf gehen kann. Viel Kraft und Disziplin zog die frühere Handballerin aus dem Sport. Sie hat sich sogar dazu überwunden, nach dem Tod ihres Mannes das Skifahren für ihre Kinder zu lernen, den Sport, der ihren Mann das Leben kostete.

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