Ein Leben für die Jagd

Leopold Nagy lebt Tradition. In der Familie tragen alle männlichen Nachkommen den Namen Leopold, führen das Hutgeschäft weiter und jagen waidgerecht. Außerdem ist er Chef des populären Wiener Jägerballs.

Leopold Nagy, 57, betritt das Café Engländer, nimmt den Hut ab und macht es sich bequem. Ohne Hut sieht man den Geschäftsmann selten. Das gehört im Leben des Hutmachers ebenso zur familiären Tradition wie die Tatsache, dass seit Generationen die männlichen Nachkommen den Namen Leopold tragen, das Hutgeschäft weiterführen und mit Leidenschaft waidgerecht jagen.

Ein Blick auf die Uhr, rasch die Anrufe am iPhone checken, beim Kellner einen Kaffee bestellen, und schon geht Nagy in medias res.

Warum spricht er seinen Namen deutsch und nicht ungarisch aus? "Weil das alle falsch aussprechen. Nagy wird eigentlich Nodje gesprochen und nicht Notsch, wie die Wiener sagen.“ Der Name geht auf seine Urururahnen zurück. Er selbst spricht kein Wort Ungarisch. Macht nichts. Die Hutgeschäfte Nagy kennt dafür jeder. Und die Kundschaft ist prominent: Insgesamt fünf Bundespräsidenten wurden von den Nagys behütet, von Adolf Schärf bis Heinz Fischer, und sogar der Papst hat einen Nagy-Hut überreicht bekommen.

Aus dem einstigen Milchgeschäft der Großeltern wurde 1924 das erste Hutgeschäft mit Werkstatt in der Wiener Thaliastraße 36, das noch immer die Zentrale der vier Geschäfte ist. Werkstatt gibt es heute keine mehr. Die Nachfrage ist zurückgegangen, und das Geschäft mit Hüten ist ohnedies schwierig. In Wien gibt es noch Mühlbauer-, Colin- und Frech-Hüte. Auch in den anderen Bundesländern ist der Handel dieser Kopfbedeckung bereits ein alter Hut. "Früher war der klassische Filzhut für die Dame das Muss, und in der Nachkriegszeit trug jeder Mann eine Kopfbedeckung, das war Statussymbol“, erzählt Nagy. "Heute hat jeder alles auf, bis hin zum Plastiksackerl.“ Statt Hut tragen die Jungen heute Hängemützen oder Pudelhauben mit Quasten, das verdrängt Hut und Pelzkappe.

Nagy reagiert auf diesen Trend mit Auslistung von Lieferanten, vor allem jenen, die ihre Waren auch billig in jedem Supermarkt anbieten. Er strafft das Sortiment und geht künftig mehr in Richtung Boutique-Ware. Diese Wintersaison hat er bisher mit einem blauen Auge überlebt, doch der Mann übertreibt ein wenig. Ein Blick in die Bilanz zeigt, dass Nagy noch immer schöne Gewinne schreibt. Auch wenn er von Bundespräsidenten und anderen Promis alleine nicht leben kann, die Jäger ziehen nach wie vor den Filzhut einer Pudelhaube vor.

Nagy, der selbst von Kindesbeinen an auf die Pirsch geht, legt nach wie vor bei den Entwürfen für die waidmannsgerechten Hüte Hand an.

Die Jagd ist auch sein Leben. "Das ist für mich Leidenschaft und Berufung. Ich bin schon mit sechs Jahren mit meinem Vater zur Jagd gegangen“, erinnert er sich. Der Vater war in den 70er-Jahren Landesjägermeister von Wien und hatte ein riesiges Jagdgebiet mit 1.900 Hektar im niederösterreichischen Gutenstein. Mit 16 Jahren legte Nagy beim Vater die Jagdprüfung ab, mit 18 löste er seinen ersten Jagdschein. "Damals teilte ich noch mit dem Großvater einen Jagdhut, der hängt jetzt in unserem Hutmuseum“.

Gut behütet am Hochsitz

Heute betreibt Nagy eine kleine Genossenschaftsjagd mit 300 Hektar, die er gemeinsam mit seinem Sohn bewirtschaftet. Alle Arbeiten, die anfallen, erledigt Nagy gemeinsam mit dem Filius. Sie reparieren die Hoch- und Bodensitze, bringen die Salzlecken an und freuen sich darauf, am Sonntag auf die Morgenpirsch zu gehen. Das Wildbret versorgt Nagy selbst, die Verwertung zur Salami oder zum Wild-Leberkäse überlässt er lieber dem Fleischhauer. "Ich sehe die Jagd als Freude, Berufung und Notwendigkeit. Es muss geerntet werden. Wenn ich nichts schieße, habe ich große Probleme mit Wildschäden.“ Nach wie vor versteht er nicht, dass es Menschen gibt, die mit dem Finger auf Jäger zeigen. "Wenn die Fische zu Tausenden aus dem Meer geerntet werden, regt das auch niemanden auf.“ Freilich gibt es immer wieder auch schwarze Schafe unter den Jägern, doch die gibt es in jeder anderen Branche auch, wie man den Gazetten täglich entnehmen kann.

Nagy hat derzeit alle Hände voll zu tun, denn in seiner Eigenschaft als Präsident des Vereins Grünes Kreuz legt er gerade den Endspurt für den Jägerball in der Wiener Hofburg hin. Als am 4. März 1905 Jäger um Alexander Prinz zu Solms-Braunfels im Hotel Continental einen Jägerball veranstalteten, ahnten sie nicht, welche Entwicklung sie damit einleiten würden. Aus dem Wunsch, in Not geratene Jäger und deren Familien zu helfen, organisierten sie diesen ersten Wiener Jägerball. Heute zählt der Jägerball nicht nur zu den beliebtesten Bällen, er wird vor allem auch von vielen jungen Menschen besucht. Für Nagy ist der diesjährige Jägerball ein Jubiläum. Genau vor 40 Jahren hat er hier seine Ehefrau Elisabeth kennengelernt.

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