Ein Herz für Container

Sonja Völker hat das Kinderlabel Herzilein und ein Näh-Café gegründet. In ihrer Freizeit wühlt die Kreative in Containern nach alten Baumaterialien, die sie in ihr Fuhrwerkerhaus oder in ihre Shops integriert.

Ein Herz für Container

Sie sieht aus wie die erwachsene Pippi Langstrumpf, und ihr Zuhause ähnelt der Villa Kunterbunt. Allerdings hat Sonja Völker, 42, keine Truhe voller Goldmünzen von ihrem Papa bekommen, sondern lebt ganz gut von ihrem Kinder-Modelabel Herzilein, das sie vor sieben Jahren gegründet hat.

Damals stand der Spross aus dem Neckenmarkter Weingut Wellanschitz vor der Entscheidung, ob sie nach der Karenz des zweiten Kindes ihren Job als Volksschullehrerin wieder aufnimmt oder sich in die Selbständigkeit wagen soll. Sie machte es Pippi gleich und kehrte der Schule den Rücken. "Ich wollte nicht warten, bis ich 60 bin, und dann denken, hätt ich nur. Denn ‚hätt ich nur‘ ist blöd im Leben“, sprudelt es aus der Burgenländerin heraus. "Wenn man es nicht probiert, wird man es nie wissen.“ Erst nähte sie Kleidungsstücke für ihre zweijährige Tochter, dachte, "so schwer kann das doch nicht sein“, und machte ihr Hobby zum Beruf.

Wie man Tischdecken oder Vorhänge schneidert, das hat sie in der Schule gelernt. Den Rest brachte ihr die Freundin, eine Schneidermeisterin, bei. Heute hat sich Völker auf Kinderbekleidung von null bis zehn Jahre spezialisiert, deren Handschrift liebevolle Stickereien und Motive sind. Abgerundet wird ihr Sortiment mit Accessoires und Stofftieren. Bislang besteht das Herzilein-Reich in nostalgischem Design aus drei Filialen: in der Wiener Innenstadt, der Josefstadt und in Mariahilf. "Herzilein wird von allen geschätzt, von der Billa-Verkäuferin bis zu den Tanten mit den Louis-Vuitton-Tascherln“, erzählt Völker im Pippi-Jargon. Sogar "die Swarovski-Oma“ lässt es zweimal im Jahr bei ihr im Shop krachen. Welche, das verrät sie nicht. Sonja Völker polarisiert, aber das ist ihr egal. Ihre Auslagen haben bereits Kultstatus. Zu Silvester dekorierte sie ihre Herzilein-Auslage in der Wiener City mit kotzenden Puppen, Schnapsflaschen und Zigarettenstummeln. "Bei uns feiern auch die Stofftiere“, erzählt sie lachend.

Die Nachfrage nach selbst gemachten Kleidern war so groß, dass die Autodidaktin im Shop in der Amerlingstraße 8 nun auch ein Näh-Café etablierte. Ganz nach dem Motto "Internet-Café war gestern, wer hip sein will, geht ins Näh-Café“. "Hier kann sich jeder austoben und sein ganz individuelles Outfit schneidern, vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen“, erklärt Völker. Was wie die Beschreibung eines Nachmittags in den 1960er-Jahren klingt, ist der neue Trend, auf den die "Herzilein“-Gründerin setzt. Nähen sei derzeit "in“. Es gebe einen regelrechten "Do-it-yourself-Boom“, sagt sie. Und wem es an Zeit mangelt, der kann seine Kreativität auch online ausleben ( www.herzilein-wien.at) und seine Ideen via Internet in Auftrag geben.

Je dreckiger, desto lieber

Offenbar ist Völker die Kreativität in die Wiege gelegt worden, denn auch in ihrer Freizeit ist die zweifache Mutter ständig am Basteln. Und zwar in ihrem Eigenheim, einem Fuhrwerkerhaus mitten in Wien-Meidling. Als die Autodidaktin vor zwölf Jahren das Abbruchhaus erwarb, blieb kein Stein auf dem anderen. "Ich steh auf alte Baumaterialien, und die hole ich mir aus Bauschuttcontainern. Die sind für mich wie Magnete.“ Ob Fenster, Türen, Stiegengeländer, Holzfronten oder Zinshauskacheln, Völker hat für alles Verwendung. Je "schwieriger und dreckiger“ sich die Suche gestaltet, desto lieber ist es ihr. "Und wenn ich Stöckelschuhe und ein Kleid anhabe - ich muss in den Container reinkraxeln“, beschreibt der Rotschopf seine Sucht. Ihr Master-Piece war die gesamte Einrichtung einer Apotheke aus der Jahrhundertwende. Die einzige Hürde war Völkers Mann, der sie in kaufmännischen Fragen zwar gerne unterstützt, aber auch froh wäre, wenn sie ihre Sammelleidenschaft mehr in Grenzen halten würde. Der Rotschopf weiß jedoch nur zu gut, wie sie ihren Mann um den Finger wickelt: "Günter, lass dich nicht scheiden, ich habe wieder viel Möbel gekauft“, fiel sie mit der Tür ins Haus. Letztendlich hat sie doch eine gute Entscheidung getroffen. Denn die Apotheker-Möbel haben rasch Verwendung gefunden und zieren heute das Herzilein-Geschäft in der Amerlingstraße.

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