Boom! Elektrobikes haben den Durchbruch geschafft. Ein Preisvergleich

E-Bikes sind die neuen Helden im Straßenverkehr – schnell, einfach zu bedienen und extrem umweltfreundlich. FORMAT hat zu Beginn der Radsaison den Überblick über die derzeit besten E-Bike-Modelle.

Dieses Grinsen wird man nicht mehr los. Vielleicht ist es der Überraschungseffekt, wie einfach die Bedienung ist, vielleicht auch nur die Genugtuung, von einem ehemaligen Star der Tour de France nicht gleich auf den ersten Metern hoffnungslos abgehängt worden zu sein – wenn auch nur mithilfe eines 250 Watt starken Elektromotors. Das Grinsen ist laut Ex-Radrennfahrer und Radshop-Besitzer Bernhard Kohl die übliche Reaktion von Newcomern bei der ersten E-Bike-Ausfahrt: „E-Biken macht einfach unglaublichen Spaß. Vor allem in der Stadt ist das E-Bike das perfekte Fahrzeug. Wendig, spritzig, leichtgängig – und man kommt nicht komplett verschwitzt zum Geschäftstermin angehechelt.“

Boom der Elektro-Räder

Die vielen Vorteile der Elektro-Fahrräder im Nahverkehr sorgen denn auch für einen veritablen Boom. Im Vorjahr wurden bereits 20.000 E-Bikes verkauft, für heuer rechnet Martin Blum vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) mit bis zu 40.000 Stück. „Elektrofahrräder sind für Österreich aufgrund der hügeligen Topografie ideal. Da die Spritpreise auf hohem Niveau bleiben werden, überlegen viele im Nahverkehr den Umstieg auf das E-Bike.“

Zwei Drittel der Autofahrten in Österreich sind kürzer als zehn Kilometer, jede zweite ist sogar kürzer als fünf Kilometer. Das Verlagerungspotenzial, so Blum, ist daher groß, denn ein Ladevorgang beim E-Bike kostet gerade mal sieben Cent. Das reicht je nach Betriebsart für Fahrten zwischen 30 und 90 Kilometern. Angeheizt wird der Markt auch durch die beachtlichen öffentlichen Förderungen, die es in einigen Bundesländern für E-Bikes gibt. So wird der Kauf in Wien von der Stadtregierung mit bis zu 300 Euro unterstützt. Unternehmen erhalten österreichweit vom Lebensministerium pro E-Bike-Kauf bis zu 400 Euro, wenn sie diese mit Ökostrom tanken. Und: Für Elektrofahrräder mit einer Spitzengeschwindigkeit bis zu 25 km/h ist kein Moped-Führerschein notwendig, über 25 km/h Spitze jedoch schon.

Modell-Flut . Mit dem heurigen Jahr bietet jeder namhafte Radhersteller auch Elektrofahrräder an. Die „Pedelecs“ funktionieren dabei alle nach dem gleichen Prinzip. In der Nabe des Vorderrades oder im Bereich des Tretlagers ist ein Elektromotor integriert, der durch das eigene Treten gesteuert wird. Christian Kronsteiner, E-Bike-Experte der Sporthandelskette Hervis: „Je stärker getreten werden muss, etwa bei Steigungen oder beim Anfahren, desto stärker unterstützt der Motor.“ Bergfahrten oder der Transport schwerer Gepäcksstücke sind damit kein Problem mehr. Die Lithium-Ionen-Akkus halten durchschnittlich bis zu 750 Ladevorgänge. Kronsteiner: „Das entspricht einer Gesamtfahrleistung von über 25.000 Kilometern. Die erreicht ein Durchschnittsfahrer in zehn Jahren.“

Entscheidend für die Qualität eines E-Bikes ist die Bordelektronik. Wendelin Fortner vom Spezialisten Elektrobiker in der Wiener Westbahnstraße: „Modelle unter 1.000 Euro haben meist veraltete Elektromotoren und unzureichende Sensoren. Die ruckeln daher beim Anfahren oder in dem Moment, wo sich der E-Motor zuschaltet. Moderne Sensoren schalten die E-Power nahezu unbemerkt zu.“ Dazu kommt, so Fortner, dass E-Bikes wesentlich robuster gebaut sein müssen als klassische Räder, da sie wesentlich höheren Drehmomenten ausgesetzt sind: „Die derzeit leistungsstärksten Räder in Österreich erreichen Spitzengeschwindigkeiten bis zu 55 Stundenkilometern. Das stellt natürlich hohe Ansprüche an Rahmensteifigkeit, Tretlager, Pedale und Bremsen. Wir verwenden bei unseren Eigenbaumodellen fast nur Komponenten aus dem Rennsport, die für diese Kräfte ausgelegt sind.“

Daher sind E-Bikes mit durchschnittlich 25 Kilogramm Gewicht auch deutlich schwerer als klassische Fahrräder. Wichtig, so Fortner, ist der leichte Ausbau des Akkus. „Mit zwei Ladegeräten – eines im Büro und eines zuhause – kann der Akku dann leicht mitgenommen und aufgeladen werden.“

E-Bikes haben längst alle Fahrradgattungen durchdrungen. Waren sie noch vor zwei Jahren vorwiegend im Citybike-Bereich vertreten, finden sich Motoren heute auch bei sportlichen Mountainbikes und vor allem bei Tourenrädern. Christian Pekar von der Wiener Cooperative Fahrrad: „Die Zeiten, als sportliche Radler auf die E-Biker herabgesehen haben, sind vorbei. Selbst im Mountainbike-Bereich erkennen viele die Vorteile der Motorunterstützung. Dazu kommt, dass man mit Elektrobikes einfach viel längere Touren machen kann.“ Während ein klassischer Radfahrer pro Tour um die 25 Kilometer zurücklegt, kommen E-Biker durchschnittlich auf 50 Kilometer. Wer doppelt so lange unterwegs ist, legt auch Wert auf höchstmöglichen Fahrkomfort. Pekar: „Auf Federgabeln und eine Hinterbaufederung sollte man beim E-Bike-Kauf auf alle Fälle achten.“ Ein längerer Radstand sorgt für eine bessere Straßenlage, und der bis zu sechs, sieben Kilogramm schwere Akku sollte möglichst tief in Pedalnähe oder unter dem Gepäckträger untergebracht sein.

Fahrtypen

Wie bei normalen Fahrrädern gibt es auch bei „Pedelecs“ unterschiedliche Modelle, die ganz auf die individuelle Radnutzung zugeschnitten sind. Neben klaren Ausrichtungen wie Mountainbikes oder Citybikes unterscheiden sich die Räder durch die Lage des Antriebs. Bernhard Kohl: „Radnabenmotoren in der Vorderachse eignen sich für alle, die lange, gerade Strecken fahren. In der Stadt und bei sportlichen Offroad-Fahrern sind Hinternabenmotoren empfehlenswerter, da die Räder wendig sein müssen.“

– Christian Neuhold

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