Ali Mahlodji - der Whatchado Gründer als Überflieger

Ali Mahlodji - der Whatchado Gründer als Überflieger
Ali Mahlodji - der Whatchado Gründer als Überflieger

Whatchado-Gründer Ali Mahlodji beim Tandem-Sprung.

Auf Ali Mahlodjis Videoplattform Whatchado erzählen Menschen ihre Erfolgsgeschichte. Seine eigene gehört zu den spannendsten: Vom Flüchtlingskind zum Unternehmer, von der Flugangst zum Tandemsprung, vom Hochfrequenzjob zur Schweigewoche.

Er ist ein Flüchtlingskind aus dem Iran. Sein erstes Zuhause war Traiskirchen, aufgewachsen ist er in Simmering. Sein Spielplatz war der Autoschrottplatz, seine Leidenschaft Basketball. Mit 17 schmiss er die Schule, probierte Dutzende Jobs aus. Die Berufswahl fiel Ali Mahlodji schwer. Damals wünschte er sich ein Handbuch mit Lebensgeschichten. Eine Art Leitfaden und Orientierung für Jugendliche auf dem Weg in das Berufsleben. Was es nicht gibt, muss man wohl selbst erfinden. Und das tat er.

Heute gibt es dieses Handbuch der Lebensgeschichten auf Alis Videoplattform Whatchado. Ein Ausdruck aus dem US-amerikanischen Slang, der so viel bedeutet wie "Was machst du?“. Zu Wort kommt jeder, vom Lastwagenfahrer bis zum Bundespräsidenten. In kurzen Video-Interviews erklären Menschen ihren beruflichen Werdegang, indem jeder dieselben sieben Fragen beantwortet. "Aus fünf Minuten Reden erfährst du mehr als in jedem Hochglanzfolder“, ist Mahlodji, 34, Co-Founder und Mehrheitseigentümer des österreichischen Start-ups, überzeugt. Mittlerweile gibt es mehr als 4.500 Interviews aus über 200 Unternehmen, 100 Nationalitäten und fünf Kontinenten. Starthilfe bekamen Ali und sein Team 2011 von Business Angel Johann Hansmann, eine Million Euro Startkapital von den Investoren Brigitte Ederer, Claus Raidl und Peter Püspök.

Vom Wikipedia der Lebenläufe ist Ali noch ein Stück weit entfernt. Doch seine Karriereplattform wächst stetig und räumte Preise ab, etwa den World Summit Award und den Deutschen Preis für Onlinekommunikation. Die EU ernannte ihn zum Jugendbotschafter auf Lebenszeit. In Schulen begeistern seine coolen Vorträge, die gänzlich im Kontrast zur herkömmlichen Berufsberatung ablaufen. Seine Story vom Schulabbrecher zum erfolgreichen Start-up fasziniert. Dabei lässt Ali nicht unerwähnt, dass er die HTL und den FH-Abschluss in Software Engineering im zweiten Bildungsweg nachholte. "Du kannst alles tun, woran Du glaubst. Aber nimm die Hände aus dem Hosensack und tu es“, spornt er die Youngsters an.

Er selbst hat alles für seine Karriere gegeben, bis er "ein gscheites Burnout hingelegt hat“. Hinzu gesellte sich Flugangst mit all ihren körperlichen Begleiterscheinungen. Das war vor acht Jahren - und Zeit, den Hebel umzulegen. Heute ist er gescheiter, weiß, dass eine ausgeglichene Work-Life-Balance unerlässlich ist. Das gilt auch für seine Mitarbeiter. Wenn sein Team über Gebühr arbeitet, sagt er ihnen: "Wir sind keine Herzchirurgen. Bei uns stirbt niemand, wenn unser Server einen halben Tag steht.“

Sturzflug und Redepause

Er selber hat gelernt, loszulassen. "Die Flugangst hat mir ein Pilot genommen. In Theorie und Praxis erfuhr ich die Mechanismen der Aviatik.“ Heute springt der Entrepreneur mit einem Salto aus 4.000 Metern ab und findet das supercool. "Du erlebst das Gefühl des freien Falls und rast eine Minute lang mit 200 Sachen der Erde entgegen. Das ist total surreal“, schildert Ali Mahlodji den Kick. "Danach hast du plötzlich eine andere Sicht der Dinge, bist einfach entspannt.“

Freilich hält dieser Zustand nur kurzfristig an. Kaum ist Ali wieder im Arbeitsmodus mit Zwölf-Stunden-Tagen, steigt auch der Adrenalinspiegel an. Aber auch dagegen hat der Geschichtenerzähler ein probates Mittel gefunden: die Schweigemeditation. Seine buddhistischen Lehrmeister fand Ali im Meditationszentrum Sankt Michael in Kärnten. "Es geht darum, sich in der Stille ganz auf sich selbst zu konzentrieren, dabei auf den eigenen Atem zu achten und innerlich zur Ruhe zu kommen“, beschreibt er die Vipassana-Technik, die ihn wieder ins Lot bringt. Sich ständig weiterzuentwickeln, ist dem umtriebigen Unternehmer wichtig. Im Juli setzte er seinen Co-Founder Jubin Honarfar als neuen CEO der GmbH ein, um sich für neue Projekte freizuspielen. "Wir planen den globalen Roll-out, denn Whatchado macht nur Sinn, wenn alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem sozialen Status ihre Geschichten erzählen.“

Seine eigene Geschichte darf Ali Mahlodji Ende Oktober auf der TEDx-Konferenz in San Francisco erzählen. "Dort dürfen nur Menschen auftreten, deren Ideen es wert sind, verbreitet zu werden“, freut sich der Storyteller auf eine Zuhörerschaft von Tausenden Interessierten.

Artikel aus FORMAT Ausgabe 42/2015
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