Seitenweise Rezepte: Die besten
Kochbücher der Saison im Überblick

Kochbücher und immer wieder neue Kochbücher. Und kein Ende in Sicht. Trotz des Überangebots ist kulinarische Lektüre immer noch gefragt. FORMAT präsentiert die besten Exemplare des Jahres.

Geht es um Kochbücher, werden immer die gleichen Fragen gestellt: Ist der Markt nicht schon längst gesättigt? Kauft überhaupt noch jemand Kochbücher? Aber keine Sorge. „Kochbücher sind nach wie vor ein wichtiges Thema“, sagt Johannes Sachslehner von der Verlagsgruppe Styria. „Die Anforderungen an die Autoren haben sich sicherlich geändert. Mit Spezialthemen und leicht nachkochbaren Rezepten können aber noch immer hohe Verkaufszahlen erzielt werden.“ Und so werden laufend neue Wälzer produziert. Die Auswahl war noch nie so groß, und auch der Aufwand – vor allem bei internationalen Produktionen – hat noch nie da gewesene Dimensionen erreicht.

Bestes Beispiel: das neu erschienene und in fünf Einzelbände unterteilte Mega-Kochbuch „Modernist Cuisine“. Ein Monstrum in jeder Hinsicht. 2.440 Seiten dick, fast 20 Kilo schwer, mehr als 1.500 Rezepturen. Mit Produktionskosten von geschätzten fünf Millionen Dollar hat der Wälzer alle Grenzen des Vorstellbaren gesprengt. Möglich gemacht hat das der amerikanische Multimilliardär Nathan Myhrvold, ehemaliger Spitzenmanager bei Microsoft. Geld spielte bei der Verwirklichung seines Traumes, das ultimative Kochbuch auf den Markt zu bringen, wohl keine Rolle. Fast vier Jahre lang tüftelten 20 Mitarbeiter in einem riesigen Labor an der Herstellung dieses Monsterbandes. Dabei sind Fotos entstanden, so aufwendig und ungewöhnlich, so spektakulär und beeindruckend wie nie zuvor.

Weit weniger aufwendig, aber immerhin 1.464 Seiten dick ist die neu bearbeitete Bibel der italienischen Küche „Il cucchiaio d’argento“. Unter dem Titel „Silberlöffel“ wirkt der erstmals 1950 in Italien erschienene Kochbuchklassiker alles andere als altmodisch. 400 neue Foodfotografien und viele von renommierten italienischen Topköchen modernisierte Rezepte machen das Buch aktueller denn je.

Kochbuchautoren sind durch die Vielzahl der Neuerscheinungen immer auf der Suche nach besonderen Zugängen. So hat etwa Roland Trettl, Küchenchef des Ikarus in Salzburg, zusammen mit der Schweizer Ernährungswissenschaftlerin Marianne Botta ein Buch über „Brain Food“, „Mood Food“ und „Beauty Food“ auf den Markt gebracht. Allein die Fotos sind Meisterwerke und machen schon beim Durchblättern glücklich. Auch der Molekularpapst Ferran Adrià – vom legendären und inzwischen geschlossenen „El Bully“ in Spanien – überraschte heuer mit einem Kochbuch, das wohl niemand von ihm erwartet hätte. Unter dem Titel „Familienessen“ schuf Adrià ein Kochbuch mit Beispielen des täglichen Personalessens. Man erfährt dabei, was die Großmeister der Molekularküche privat essen, wenn sie einfach Hunger haben. Etwa Spaghetti bolognese, Nudelsuppe mit Muscheln, Teriyaki-Schweinebauch oder Thai-Curry-Rind.

Die heimische Küche

In Österreich sind es ebenfalls bodenständigere Themen, die hohe Verkaufszahlen erwarten lassen. Etwa das „Große Mehlspeisen Kochbuch“ von Ingrid Pernkopf und Renate Wagner-Wittula. Oder die „Wiener Küche“, die Wagner-Wittula mit dem genialen Adi Bittermann aus Göttlesbrunn geschrieben hat. Beides profunde Kochbücher mit einer hohen Benutzerfreundlichkeit, was die Rezepturen betrifft. Der „Wiener Küche“ widmete sich auch der große Christian Petz vom Badeschiff in Form eines schräg gestalteten Kochbuchs. Sarah Wiener hat mit „Herdhelden“ plötzlich ihre Liebe zur österreichischen Küche entdeckt.

Den Bereich „Autorenkochbuch“ hat die Asiatin Sohyi Kim mit einem optisch perfekt gestalteten Prachtband abgedeckt, während sich Toni Mörwald des Trendthemas „Gemüse“ angenommen hat. Zwei Bücher seien hier noch erwähnt, die jeweils mit einem originellen Zugang aufwarten können: „Vegan Guerilla“, aus dem gleichnamigen Foodblog entstanden, der unter Veganern Kultcharakter besitzt. Und Wagner-Wittula hat mit der „Schnellen Küche für Berufstätige“ ein nützliches Rezeptbüchlein für Bürogestresste in die Welt gesetzt. Und unter Stress Leidende gibt es bekanntlich viele.

– Herbert Hacker

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