Schlemmen am Schiff

Schlemmen am Schiff

Auch so kann eine Einkaufsliste aussehen: 11.133 Kilogramm Rinderfilet, 933 Kilo Langustenschwänze, 1.907 Kilo Königskrabbenfleisch, 523 Kilo Kaviar, 11.470 Kilogramm Zucker, 37.530 Kilo Mehl und 54.000 Kilo Fisch. Damit kommt die Küchencrew der MS Europa 2 ein paar Monate über die Runden.

Die enormen Mengen überraschen bei näherer Betrachtung kaum: sieben Restaurants, eine Bar und eine Kochschule stehen den Gästen des noblen Kreuzfahrtschiffes zur Verfügung. Der neue Luxusliner - es ist das Nachfolgemodell der MS Europa, dem Flaggschiff von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten - hat heuer im Mai die Jungfernfahrt absolviert. Ein Kreuzer der Superlative und laut "Berlitz Cruise Guide“ die derzeit "schönste Yacht der Welt“.

FORMAT konnte sich während eines Kurztrips vom kulinarischen Angebot der schwimmenden Lokalmeile überzeugen. Die Auswahl der Küchenstilistik reicht von mediterran-italienisch über klassisch französisch bis zu modern asiatisch. Mit 276 Plätzen ist das Restaurant "Weltmeere“ das größte Restaurant an Bord. Hier werden internationale und aufwendig zubereitete vegetarische Menüs serviert. Der "Yachtclub“ rangiert von der Größenordung her an zweiter Stelle und bietet immerhin noch für 266 Personen Platz, 134 davon können unter freiem Himmel dinieren.

Deutlich weniger Raumangebot bietet das Asia-Restaurant "Elements“, dafür geht es küchentechnisch wesentlich anspruchsvoller zu. Ähnliches gilt für das "Serenissima“, wo den Gästen unter Muranoleuchtern Interpretationen der ligurischen oder neapolitanischen Küche serviert werden.

Französisches Nobel-Restaurant

Das beste Lokal am Schiff aber ist das "Tarragon“ . Ein Juwel für Liebhaber der französisch-inspirierten Küche. Wer hier einen Platz bekommt, genießt Gerichte wie im Paris der Belle Epoque. Es sind zumeist Klassiker der französischen Küche, die hier in einer beachtlichen Perfektion zubereitet werden. Für eine "Bord-Küche“ mehr als erstaunlich und selbst für weit gereiste Feinschmecker ein erlesener Gaumenkitzel. Dabei hat Hapag-Lloyd in Sachen Gourmet-Küche auf hoher See bereits mit dem Vorgängermodell die Latte ausgesprochen hoch gelegt. Denn die MS Europa ist weltweit das einzige Schiff mit einem Drei-Sterne-Koch an Bord. Dieter Müller, 64, galt jahrelang in Deutschland als einer der Besten, mit Höchstwertungen im Gault Millau und drei Michelin-Sternen. 2010 verließ er sein Restaurant im Schlosshotel Lerbach in Bergisch Gladbach und kocht seither nur noch auf der MS Europa - in einem kleinen, aber exklusiven Bordrestaurant mit 26 Sitzplätzen. Der schwimmende Gourmet-Tempel heißt schlicht: "Dieter Müller.“

Lässig auf See

Hapag-Lloyd will allerdings jetzt mit dem neuen Luxusliner eine andere, neue Klientel ansprechen. Die Europa 2 soll ein Schiff für die Generation 45 plus sein, eine "lässige Schwester“, auf der es lockerer zugeht als auf der MS Europa, die zumeist von einer betuchten Klientel im gesetzten Alter bevorzugt wird. Auf der Europa 2 hingegen verzichtet man auf Krawattenzwang und Captain´s Dinner, wer will kann auch noch nach einer durchzechten Nacht am frühen Nachmittag in der "Sansibar“ ein Frühstück unter freiem Himmel genießen. Erlaubt ist, was gefällt.

Beiden Schiffen aber ist eines gemeinsam: die Anzahl der Passagiere ist im Unterschied zu den preislich wesentlich günstigeren Riesenkreuzern ausgesprochen gering. Im Falle der Europa 2 sind es maximal 516 Gäste, denen immerhin 370 Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Auf der etwas kleineren MS Europa werden gar nur 408 Passagiere mitgenommen.

Das bringt in beiden Fällen ein unüblich großes Platzangebot, jeder hat eine geräumige Kabine mit Balkon, auch in den Restaurants entsteht so gut wie nie der Eindruck einer Massenabfertigung. Das hat allerdings auch seinen Preis. Auf der Europa 2 muss der Gast mit mindestens 600 Euro pro Tag rechnen, Essen inklusive, nur der Wein muss extra bezahlt werden. Billiganbieter mit Schiffen, auf denen bis zu 4500 Passagiere mitreisen können, bieten um diesen Preis bereits ein All-Inclusive-Package für eine ganze Woche und mehr.

Dort wird man allerdings auch keinen 620 Quadratmeter großen Spa-Bereich für nur 500 Gäste antreffen oder eine Kochschule, in der Fleischexperten zeigen, wie man die teuersten Steaks der Welt fachgerecht zubereitet.

Andere Luxusliner mit guter Küche

Sea Cloud Cruises: Die Sea-Cloud-Segler verfügen nur über maximal 42 Kabinen. Kein Theater, keine Disco, aber eine gute Küche mit prominenten Gastköchen wie Lea Linster, Nelson Müller und Nils Henkel. Windjammer für Gourmets. www.seacloud.com

Crystal Cruises: Die US-Reederei geht mit einem japanischen Starkoch auf Kundenfang. Nobuyuki Matsuhisa eröffnete 1994 in New York das erste seiner Nobu-Restaurants. Inzwischen gibt es weltweit rund 20 davon. Auf der Crystal Serenity (bis zu 1.070 Gäste) und der Crystal Symphony (922 Gäste) verwöhnt sein Team die Gäste mit japanischer und peruanischer Gourmet-Küche. www.crystalcruises.com

Silversea Cruises: Im Oktober 2012 wurde die Silver Cloud aufwendig renoviert. Das Schiff ist mit 148 Außensuiten relativ klein und bietet viel Komfort. Drei Restaurants stehen zur Auswahl, das "La Terrazza“ mit italienischer Edelküche ist das beste. An Bord befindet sich auch das einzige "Weinrestaurant“ von Relais & Chateaux. www.silversea.de

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