Russland: Die Kaviar-Krise

Russland: Die Kaviar-Krise

Ein Kilogramm amerikanischen Lachskaviars ist in Moskau bereits für 700 Rubel (16 Euro) zu haben. Fischeier aus heimischer Produktion kosten hingegen 1.200 Rubel, wie Timur Murtupow von der russischen Fischereibehörde berichtet. Und das ist bereits ein deutlich niedrigerer Preis als üblich.

"Grund für den Preisunterschied ist der Rekordfang in Alaska", betont Murtupow. Dort gingen den Fischern in diesem Jahr rund 600.000 Tonnen Lachs ins Netz - zweieinhalb Mal so viel wie 2012. Den Großteil ihrer Kaviar-Ausbeute verkaufen die US-Fischer nach Russland. "In den USA gibt es kein Interesse an rotem Kaviar", meint der Moskauer Fischereiexperte Michail Glubokowski.

Doch was Feinschmecker in Russland freut, bereitet den Händlern Kopfzerbrechen. "Der Markt ist völlig übersättigt", sagt Murtupow der regierungsnahen Zeitung "Rossijskaja Gaseta". Dabei hatten zuletzt die russischen Zeitungen mit Horrorgeschichten über astronomische Kaviarpreise für Unruhe gesorgt. "Danke den Fischern von Alaska", schreibt nun das Blatt.

Zum neuen Preisverfall trägt nach Ansicht von Experten auch bei, dass Importeure ihre Ware beim Zoll weit unter Wert auszeichnen. Dem Staat entgehen dadurch Millionen Euro Steuern. Abschotten darf Russland seinen Markt nicht mehr, seit das Land Mitglied der Welthandelsorganisation WTO ist.

Bei Kaviar geht's um die russische Ehre

Für die russische Wirtschaft ist das Kaviargeschäft zwar kaum von Bedeutung. Immerhin aber bringen die rund 13.000 Tonnen Fischeier pro Jahr etwa 30 Milliarden Rubel ein. Vor allem ist Kaviar für Russland nach wie vor von großer symbolischer Bedeutung und darf auf keiner Speisekarte fehlen.

Der edle schwarze Kaviar aus den Eiern von Störfischen ist allerdings kaum zu bezahlen. Ein 50-Gramm-Döschen gibt es im Onlinehandel für (69 bis (73 Euro). Die Tiere aus dem Kaspischen Meer stehen unter strengem Artenschutz. Deshalb wird fast immer der rote Lachskaviar gehandelt, dessen Eier auch größer sind als die von Stören.

Seit Sowjetzeiten gilt Kaviar in Russland als Grundnahrungsmittel. Aufgeregte Prüflinge vertrauen auf Fischeier als Nervennahrung. Genießer streichen den Ikra - wie das russische Wort für die Eier lautet - auf ein Stück Weißbrot mit Butter, dazu gibt es Wodka oder Schampanskoje (russischer Schaumwein).

Automaten, an denen sich die Moskauer rund um die Uhr ihren Kaviar kaufen konnten, wurden zwar nach kurzer Zeit wieder abgeschafft. Dennoch liegt die Delikatesse in Massen bereit, die Kühlschränke in den Supermärkten sind voll mit den Dosen. Die Russen könnten sich schon jetzt auf ein günstiges Silvesterfest freuen, meint Experte Swerew.

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