"Österreichische" Bio-Shrimps aus Thailand

Shrimps sind durch miese Qualität und ökologischen Raubbau zu einem umstrittenen Massenlebensmittel degeneriert. Ein Österreicher in Thailand zeigt, wie eine Aquakultur nachhaltig und erfolgreich betrieben wird.

Chanthaburi in Thailand, südlich von Bangkok. Etwas außerhalb der Stadt befindet sich eine Shrimpsfarm, 224 Hektar groß. Zu sehen gibt es wenig Spektakuläres, in unzähligen Becken plätschern kleine Wasserräder und führen so den Tieren Sauerstoff zu; Shrimps sieht man keine, die sind unter Wasser. Eine friedliche Welt aus Teichanlagen und ein paar Gebäuden – mehr, so scheint es, ist da nicht.

Und dennoch ist diese Farm etwas Besonderes. Es ist eine der wenigen Bio-Shrimps-Anlagen. Betriebe wie diese gibt es erst seit kurzem im Land. Es sind Aquakulturen, in denen Shrimps nach umweltfreundlichen Methoden und ohne Einsatz von Antibiotika gezüchtet werden. Ein Musterbetrieb mit Heile-Welt-Charakter.

Der Österreicher Robert Herman bezieht aus solchen Anlagen in Thailand seine Shrimps, die er dann hierzulande im Handel unter der Vertriebsmarke „Yuu’n Mee“ verkauft. Mittlerweile gibt es einige Bio-Shrimps-Marken, „Yuu’n Mee“ aber war das erste Unternehmen, das in Österreich derartige Produkte lancierte. Der ehemalige McDonald’s-Manager Herman hat damit einen guten Riecher bewiesen. Die Nachfrage nach den Krustentieren ist steigend, nicht nur in den einschlägigen Bio-Märkten, sondern mittlerweile auch im ganz normalen Lebensmittelhandel.

Die Hauptgründe dafür: Den Produkten wird zunächst ein deutlich besserer Geschmack nachgesagt. Selbst Spitzenköche wie der Asia-Küchenchef Wini Brugger sind inzwischen auf Bio-Shrimps umgestiegen. „Der Geschmack ist unvergleichlich besser“, ist er überzeugt. Die Bio-Shrimps-Kennzeichnung signalisiert dem Käufer aber auch, dass er eine Ware erworben hat, die aus einer ökologisch nachhaltigen Produktion stammt.

Problemerkennung

Shrimps sind nämlich längst zu einem der weltweit umstrittensten Massenlebensmittel geworden. Zunächst galten die Meerestiere in allen ihren zahllosen Varianten, von den winzigen Nordseeshrimps bis zu den großen Tiger Prawns, als rare Delikatesse für Feinschmecker. Doch irgendwann hatte dann jeder Supermarkt in den reichen Industrienationen Shrimps im Programm. Selbst die Fastfood-Industrie entdeckte plötzlich den Garnelen-Snack. Die Nachfrage stieg explosionsartig an, aus den einstigen Luxustierchen wurde schnell ein billiges Trend-Food-Produkt. Mit zunächst unabsehbaren Folgen.

Doch schon bald warnten Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace oder der WWF vor den verheerenden Auswirkungen der weltweiten Shrimpsproduktion. Da sich vor allem die Mangrovenwälder entlang der subtropischen und tropischen Küsten besonders gut zur Errichtung von Zuchtbecken eignen, entstanden dort riesige Farmen. Die natürlichen Bestände reichten längst nicht mehr aus, und so wurden die Larven in Laboratorien hergestellt (und zum Teil gentechnisch verändert), vor allem in Ländern wie Thailand schossen Jahr für Jahr Shrimpsfarmen wie Pilze aus dem Boden.

Das Problem dabei: Die Becken können nur temporär genutzt werden. Nach zehn bis zwölf Jahren sind sie so verbraucht, dass sie stillgelegt werden müssen. Da es für die Besitzer der Farmen günstiger ist, neue Produktionsanlagen zu bauen, als die alten aufzubereiten, suchen sie sich neue Standorte. Zurück bleiben ausgelaugte und verseuchte Böden. Denn um die Tiere vor Krankheiten zu schützen, müssen Tonnen an Antibiotika verwendet werden. Und die nimmt jeder Verbraucher ungewollt in sich auf.

Aber auch die Länder, in denen die Shrimpshersteller wüten, sind von den Folgen massiv betroffen. „Mangrovenwälder“, schreibt Greenpeace in einer seiner Publikationen, „sind nicht nur ein wichtiger Küstenschutz gegen Stürme und Flutwellen, sondern auch Fortpflanzungsgebiet und Kinderstube für viele Fischarten, Schalentiere und andere wild lebende Tiere. Die Shrimps-Industrie vernichtet diese Artenvielfalt und verwandelt fruchtbare Küsten in vergiftete Wüstenlandschaften.“ „Wer Shrimps aus herkömmlicher Produktion kauft“, sagt auch Yuu’n-Mee-Chef Herman, „der sollte wissen, unter welch problematischen Bedingungen dieses Produkt oft hergestellt wird.“

Lösungsansatz

Bio-Shrimps-Farmen sollen nun Abhilfe schaffen. Herman: „In Thailand hat man Gott sei Dank erkannt, dass die Bio-Produktion eine gute Alternative zur herkömmlichen ist. Damit kann auch das inzwischen völlig ramponierte Image der Shrimpsindustrie korrigiert werden.“ Die thailändische Regierung fördert deshalb nicht nur Shrimpsfarmer wie jenen in der Nähe von Chanthaburi, sie hat auch ein Gütesiegel entwickeln lassen, mit einem Qualitätsprogramm, das erst im Dezember 2010 um neue Vorschriften erweitert wurde. Dazu zählen unter anderem: keine Aquakulturen mehr im Mangrovengebiet – zum Schutz der Wälder – und als wichtigster Punkt: keine Verwendung von verbotenen Arzneimitteln und Chemikalien.

Von der neuen Gangart bei der Shrimpszucht ist inzwischen auch der WWF Österreich beeindruckt, der mit Yuu’n Mee im Oktober des Vorjahres eine Kooperation eingegangen ist. „Mit dem Kauf von Bio-Garnelen unterstützt jeder Kunde aktiv das WWF-Projekt für nachhaltigen Fischfang im Korallendreieck des Indo-Pazifischen Ozeans – der artenreichsten Meeresregion der Welt“, meint WWF-Geschäftsführerin Hildegard Aichberger.

Worin besteht aber nun der eigentliche Unterschied zwischen Bio-Shrimps und den in Verruf geratenen herkömmlich erzeugten? Wodurch unterscheidet sich gute von schlechter Ware? Unter anderem etwa durch den aufgeschlitzten Rücken. Um den Darm zu entfernen, schneiden Billigproduzenten den Tieren den Rücken auf, dadurch verliert das Fleisch jedoch Saft. Aufwendiger in der Produktion, aber für den Geschmack vorteilhafter ist das Entdarmen mittels einer Nadel – das Fleisch bleibt knackig, die Textur saftig.

Der Rest sind Kleinigkeiten, den wichtigsten Unterschied aber sieht man erst gar nicht. Durch den Wegfall von Antibiotika ist der Geschmack bei Bio-Shrimps feiner und unverfälschter. Das Problem dabei laut Shrimps-Profi Herman: „Bei Vergleichsverkostungen hat sich herausgestellt, dass viele den leichten Antibiotika-Geschmack für eine für Shrimps typische Geschmacksnote halten. „Da müssen die Gaumen noch umlernen.“

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