Lokalkritik: "Tantris" in München

Lokalkritik: "Tantris" in München

Das Tantris in München-Schwabing. Mehr als 40 Jahre alt. Ein Architekturjuwel, entworfen vom Zürcher Architekten Justus Dahinden. Kreiert für den Münchner Bauunternehmer Fritz Eichbauer. "Nur so zum Vergnügen“, wie der Mann damals, 1971, beiläufig meinte.

Das "Vergnügen“ ist bis heute geblieben. Kaum ein Restaurant ist so unverwechselbar wie das Tantris. Nur einmal wurde es in den mehr als 40 Jahren renoviert. Dabei wurde es nicht neu entworfen, sondern so belassen, wie es war. Auch das ist einzigartig. Denn fast alle Gastronomen beugen sich irgendwann einmal dem Zeitgeist und erneuern ihre Gaststätten von Grund auf. Eichbauer hat das, Gott sei Dank, unterlassen.

Wozu auch? Das Tantris war von der ersten Minute an so modern, dass es auch noch heute der Zeit weit voraus ist. Auch in gastronomischer Hinsicht war es immer wegweisend. Zunächst Eckart Witzigmann, danach folgte Heinz Winkler, 1991 kam Hans Haas, der bis heute eine Küche abliefert, die ebenso unverwechselbar ist wie die 1970er-Lampen und die orangen Teppiche an den Wänden. Haas ist keiner, der sich in all den Jahren selbst verwirklichen wollte. Vom Naturell her ist er eher bescheiden und zurückhaltend. Keiner, der laut auf sich aufmerksam macht. Muss er auch nicht bei dem Können.

Wohl auch deshalb ist seine Küche weitgehend modenfrei und huldigt eher den Produkten. Das zeigt sich bei sautierten Langustinen mit Chicorée genauso wie bei der konfierten Seezunge mit Sepianudeln. Großartig. Wirklich sensationell aber ist der Steinbutt mit Eigelb gefüllt und etwas Blattspinat. Wirkt einfach, ist aber so grandios, dass man es ewig in Erinnerung behält. Beeindruckend auch, was der aus Chicago stammende Sommelier Justin Leone zu all dem als flüssige Begleitung serviert. Eine Mischung aus großen, aber auch völlig unbekannten Weinen mit viel Charakter. Und zwischendurch überrascht der Nachfolger der legendären Paula Bosch zu einer gebratenen Gänseleber mit einem schottischen Bier. Chapeau!

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