Die schrägen Kreationen der neuen Eismacher

Die schrägen Kreationen der neuen Eismacher

Wien, Neustiftgasse 23: eine Menschentraube vor einem kleinen Eisgeschäft. Der Andrang ist enorm. Doch es ist kein herkömmliches Eisgeschäft, das hier eben eröffnet wird. "Veganista“, so heißt der Laden, ist Österreichs erster Eissalon mit ausschließlich veganem Eis.

Mit einem derartigen Ansturm haben die beiden Schwestern Cecilia Blochberger und Susanna Paller nicht gerechnet. Seit mehr als eineinhalb Jahren haben sie sich auf diesen Moment vorbereitet, haben in unzähligen Versuchen Eiskreationen ausgetüftelt, die weder mit Kuhmilch, Eiern oder chemischen Aromastoffen hergestellt werden. Jetzt haben sie 18 Sorten im Programm, die streng nach veganen Kriterien produziert werden. "Vegan“, das bedeutet den völligen Verzicht auf tierische Produkte, stattdessen werden Soja-, Reis- oder Kokosmilch verwendet. Dazu kommen Früchte, Ahornsirup und Zucker.

Geschmacksgrenzen ausloten

Im Geschäft mit gefrorenen Leckerbissen hat schon längst eine neue Ära begonnen. Immer mehr Eisgeschäfte der etwas anderen Art dominieren inzwischen den Markt. Ob "Bio-Eis“ oder Gefrorenes aus exotischen Früchten, ob Eis aus Gemüse oder Gewürzen, das Handwerk der Eismacher hat sich deutlich gewandelt. Die klassischen Eissalons nach italienischem Vorbild haben eine neue und zum Teil recht unkonventionelle Konkurrenz bekommen. "Unser Safran-Eis war schon nach wenigen Stunden ausverkauft“, jubelt Cecilia Blochberger vom neuen veganen Eistempel in der Neustiftgasse. Sie ernährt sich seit 28 Jahren vegan und hat vor rund sieben Jahren die britische Handmade-Kosmetikmarke "Lush“ nach Österreich geholt. Mit dem Geld, das sie dabei verdiente, hat sie nun den Veganista-Eissalon finanziert. Das Know how beim Eismachen stammt zum Großteil von ihrer Schwester Susanna, die in den USA sogar eine "Ice Cream University“ besuchte. Ja, auch so etwas gibt es.

Auf kuriose Kaltkreationen setzt auch Peter Kail vom Eissalon "Lepantos“ in der Ballgasse in der Wiener Innenstadt. Der ehemalige Marketingprofi hat in seinem Eisregal statt biederem Vanille- oder Schoko-Eis ungewöhnliche Kombinationen wie Caramel mit Fleur de Sel, Gurke mit Wasabi oder Ingwer mit Honig. Zu seinen "Standard-Sorten“ zählen Jasmin, Rote Rübe und Kirsch.

Kail hat seine Vorliebe für exotische Eis-Delikatessen bei seinen Reisen zu den Top-Köchen Europas entwickelt. Er experimentiert in seinem Geschäft wie in einem Food-Labor. Nichts scheint ihm ungewöhnlich genug, um nicht daraus Gefrorenes der etwas anderen Art entstehen zu lassen.

Relativ unkonventionell wirkt auch der Eissalon "Summer Samba“ am Yppenplatz, Ecke Yppengasse in Wien Ottakring. Dort wird Eis aus Zutaten verkauft, die einen weiten Weg hinter sich haben. Sie stammen vorwiegend aus Brasilien. Zum Teil sind es Früchte, die hierzulande kaum jemand kennt. Die Betreiber Waltraud und Wolfgang Marschall haben ihre exotische Dschungeleisdiele nach einem Vorbild in der Amazonasmetropole Manaus verwirklicht. Hervorragend vor allem das geschmacksintensive Mango-Eis.

Cool

Erfrischend anders ist auch der "Eis-Greissler“. Die Betreiber Anita und Georg Blochberger sind eigentlich Bio-Milchbauern aus Krumbach in der Buckligen Welt. Ihre Idee: Eine Eismanufaktur in der Gefrorenes aus biologisch gewonnener Milch produziert wird. Damit sind die 35 Kühe der "Eis-Greissler“ ihre wertvollsten Mitarbeiter. In der kleinen Eisdiele in Wien verkaufen die niederösterreichischen Biobauern 18 Eissorten, darunter so ausgefallenen Kreationen wie Eis aus Spargel, Ziegenkäse oder Holunderblüte. Insgesamt haben sie bisher fast 90 verschiedene Sorten kreiert, alle ohne künstliche Aromastoffe und ohne Eigelb und Eiweiß.

Neben Eismachern haben auch jene zur Zeit Hochsaison, die sich auf die Produktion von "Frozen Yogurt“ spezialisiert haben. So hat sich der Salon "MALU - Froyo ’n Shakes“ ( malu-bar.at ) in der Rotenturmstraße zu einem echten Kultladen entwickelt. An heißen Tagen stehen dort die Menschen in Viererreihen vor dem Eingang. Ein ähnliches Bild bei Kurt Frozen Yogurt, der in Wien mittlerweile zwei Depandancen hat und in Innsbruck kürzlich eine eröffnete.

Klassiker und schräge Salons

Veganista: Susanna Paller und Cecilia Blochberger (r.) eröffneten Dienstag dieser Woche ihren veganen Eissalon. Keine Zusatzstoffe, keine tierischen Produkte wie Kuhmilch oder Eier. Highlight: das Safran-Eis. 1070 Wien, Neustiftgasse 23/3, tägl. 11-19 Uhr. www.veganista.at

Lepantos: Der schrägste Eissalon der Stadt. Inhaber Peter Kail verarbeitet in seinem kühlen "Labor“ so gut wie alles zu Eis. Top-Sorten: Rote Rübe, Jasmin, Gurke mit Wasabi. 1010 Wien, Ballgasse 4, Mi., Do., Fr.: 14-19,30, Sa. 12-19,30, So. 14-18 Uhr. www.lepantos.at

Eis-Greissler: Eismanufaktur mit Eisspezialitäten aus Biomilch. Keine künstlichen Aromen und Farbstoffe oder Konservierungsmittel. Alles Natur. 18 verschiedene Sorten stehen zur Auswahl. 1010 Wien, Rotenturmstraße 14, tägl. 11-23 Uhr. www.eis-greissler.at

Gelateria Hoher Markt: Gewinner vieler Vergleichstests. 30 Sorten. 1010 Wien, Hoher Markt 4.

Eissalon Tuchlauben: Für viele das beste klassische Eis Wiens. Top-Sorten: Walderdbeereis, Blaubeereneis. 1010 Wien, Tuchlauben 15.

Summer Samba: Fruchteis aus exotischen Amazonasfrüchten wie Açai, Caju oder Graviola. Ziemlich schräg aber gut. 1160 Wien, Yppengasse 1.

Tichy: Institution und uralter Klassiker sowie Sitz des "Königs der Eismarillenknödel“. 1100 Wien, Reumannplatz 13.

Eis-Café Steiner: Gewinner eines Preises für das beste Schoko-Eis Europas. 1210 Wien, Pius-Parsch-Platz 11.

Eissalon am Schwedenplatz: Traditionell stark besuchter Eissalon. 1010 Wien, Franz-Josefs-Kai 17.

Betsy´s Eissalon: Eis aus Biomilch. Schräge Sorten wie "Weißer Trüffel“ oder "Prosecco“. 8010 Graz, Reitschulg. 9.

Eis-Greissler: Gleiches Konzept wie in Wien mit Eis aus Bio-Milch. 8010 Graz, Sporgasse 10.

Eissalon Dolce Vita: Klassisch, italienisch. Der Salon gilt als die beste Eisadresse im Land Salzburg. 5760 Saalfelden, Almerstrasse 15.

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