Champagner - die Krönung des Genusses

Champagner - die Krönung des Genusses

Bei Roederer wird seit 240 Jahren Champagner gemacht. Michel Jeanneau, Vizepräsident des Traditionshauses, im Gespräch über Kunst, Trends und Bioweine.

Die Zeiten haben sich geändert. Selbst in einer so traditionellen Region wie der Champagne. Viele der bekannten Häuser sind längst im Besitz internationaler Konzerne. Das Geschäft mit dem edlen Sprudel ist lukrativ.

Louis Roederer ist eines der letzten großen Champagnerhäuser in Familienbesitz. Es hat eine lange und bewegte Geschichte seit seiner Gründung im Jahr 1776. Der Betrieb wird heute von Frédéric Rouzaud geführt, einem direkten Nachfahren des Gründers, Louis Roederer. Mit einer Produktion von drei Millionen Flaschen pro Jahr werden über 80 Länder versorgt. Zudem wurde das traditionelle Champagnerhaus Deutz aufgekauft und unter derselben Marke weiter geführt. Aber auch einige namhafte Weingüter im Bordeaux, im Rhonetal und der Provence sowie in Portugal und Südafrika sind in seinem Besitz. In Kalifornien hat man sogar eine Zweitniederlassung, Roederer Estate. Geschätzter Gesamtumsatz: 180 Millionen Euro.

Doch Frédéric Rouzaud legt nach wie vor Wert auf Familientradition und exklusives Image. So passt es gut, dass Roederer heuer der neue Sponsoring Partner der Salzburger Festspiele ist. FORMAT hat den Vizepräsidenten von Roederer, Michel Jeanneau, zum Gespräch getroffen.

FORMAT: Monsieur Jaenneau, die meisten großen Champagnerhäuser sponsern Sportveranstaltungen wie Autorennen oder andere spektakuläre Events, Roederer fördert die Kunst - warum?

Michel Jeanneau: Als Familienunternehmen wollen wir uns bewusst von der Champagnerindustrie abheben. Kultur liegt uns am Herzen. Daher freuen wir uns, neuer Exklusivpartner der Salzburger Festspiele zu sein.

Hat Kunstförderung Tradition in ihrem Haus?

Jeanneau: Ja, durchaus. Camille Olry-Roederer war in den 1930er-Jahren eine große Kunstmäzenin. Ihre Literatursalons waren legendär. Heute sind wir Partner einiger bedeutender Kulturveranstaltungen in Frankreich, und die Roederer-Stiftung sponsert zudem Ausstellungen zeitgenössischer Künstler in Paris.

Sehen sie Weinmachen auch als künstlerischen Akt?

Jeanneau: Das ist ein schmeichelnder Vergleich, aber in einer gewissen Weise stimmt das natürlich. Wein zu machen, erfordert nicht nur Wissen und Erfahrung, sondern auch Talent und Intuition. Weinmacher brauchen genau wie Künstler Gespür für Balance. Champagner zu machen, hat sicher noch eine Dimension mehr. Letztlich fügt man wie ein Komponist einzelne Teile ineinander: Aus einer Unzahl von verschiedenen Weinen schafft man ein harmonisches Ganzes.

Champagner symbolisiert ja auch wie kein anderes Getränk Lebenslust.

Jeanneau: Natürlich, sonst wäre das Leben unerträglich! Genuss ist die Essenz des Lebens, Champagner ihre Krönung.

Ein Genuss, der nur Reichen und Privilegierten vorbehalten ist?

Jeanneau: (schüttelt energisch den Kopf) Nein, das hat sich geändert! Champagner ist nicht mehr nur Luxusprodukt, sondern vor allem auch qualitativ hochwertiger Wein, der maßvoll genossen wird. Das ist keine Frage des Geldes.

In Zeiten von Wirtschaftskrisen sinkt aber auch der Absatz von Champagner. Inwieweit ist das Haus Roederer davon betroffen?

Jeanneau: Die Wirtschaftskrise haben wir weniger gespürt als die ganz großen Champagnerhäuser. Als Familienunternehmen ist man flexibler. Außerdem kommen 80 Prozent unserer Trauben aus eigenen Weingärten. Industriell geführte Betriebe sind von vielen Produzenten und großen Märkten abhängig.

Roederer hat in den letzten Jahren gewaltig expandiert. Ist das überhaupt noch ein überschaubarer Familienbetrieb?

Jeanneau: Durchaus. Wir sehen uns immer noch als Weinbauern mit soliden Wurzeln. Die Arbeit im Weingarten ist die Essenz unseres Betriebes. Wir kennen unsere Lagen ganz genau und betreuen sie selbst. Das ist bei industrialisierten Champagnerhäusern weitgehend verlorengegangen.

Sie bewirtschaften ihre Weinberge neuerdings auch nach biodynamischen Richtlinien. Springen sie da auf einen Trend auf?

Jeanneau: Wir experimentieren schon seit 2000 mit biologischem Weinbau. Allerdings verfolgen wir damit keine Ideologie, sondern haben einen wissenschaftlichen Zugang: Auf einem kleinen Teil unserer Anbauflächen werden weder chemische Dünger noch Pestizide verwendet. Gleichzeitig wird ein Teil derselben Lage konventionell bewirtschaftet. Wir können somit vergleichen, welche Methode zu höherer Qualität führt.

Mit welchem Ergebnis?

Jeanneau: Biodynamischer Weinbau ermöglicht sicher prägnantere Weine, die das jeweilige Terroir besser widerspiegeln. Möglicherweise sind sie auch lagerfähiger, vermutet unser Kellermeister, Jean Baptiste Lecaillon. Aber, wie gesagt, das ist ein Projekt, das nur einen gewissen Teil unserer Rebflächen betrifft. Wir erachten es aber nichtsdestoweniger als absolut notwendig, unsere natürlichen Ressourcen zu schützen. Im Übrigen kümmern wir uns nicht um Trends.

Es ist aber sehr wohl zu beobachten, dass die Dosage, also die Zuckerzugabe am Ende des Champagnerverfahrens, geringer wurde. Das entspricht doch einem derzeitigen Trend?

Jeanneau: Natürlich bleiben wir nicht stehen, sondern entwickeln uns weiter. Aufgrund der Klimaerwärmung können reifere Trauben geerntet werden. Die Grundweine sind so ausdruckstärker und müssen nicht nachgebessert werden.

Bedeutet die Klimaerwärmung langfristig auch das Ende der eleganten Stilistik, die so typisch für das kühle Anbaugebiet Champagne ist?

Jeanneau: Nein. Auch wenn die Trauben eine höhere Zuckergradation aufweisen, bedeutet das nicht zwangsläufig weniger Eleganz. Wie gesagt: Durch geringere Dosage bleibt der Champagner feingliedrig und zeigt noch deutlicher seine Herkunft. Auch wenn wir uns der Tradition verpflichtet fühlen, ist Roederer ein Betrieb am Puls der Zeit.

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