Agustin "Prince" Pallikunnel – Der König der Kochbanane

Für alle, deren Urlaub heuer zu kurz, zu wenig weit oder gar ganz ausfällt: Prince Pallikunnel, Gründer und Betreiber von Österreichs größtem Exotic-Supermarkt, bringt den Duft der großen weiten Welt in die Sommerleere der Stadt.

Agustin "Prince" Pallikunnel – Der König der Kochbanane

Die Weltreise beginnt mit zwei Stufen in das Souterrain. Augenblicklich umweht einen eine Duftwolke aus Kreuzkümmel, Knoblauch und Koriander. Gelb-, Orange- und Rottöne wetteifern im kalten Neonlicht um Aufmerksamkeit. Und beim Anblick der mit Konservendosen, Saucenfläschchen und Gewürzpäckchen dichtgefüllten Regalreihen tauchen vor dem inneren Auge schlagartig die Bilder aller Bazare und Kaufstraßen dieser Welt auf. Außerhalb Europas.

Die Rede ist von Prosi, dem größten Exotik-Supermarkt Österreichs. "Groߓ ist in der Ethno-Nische des Lebensmittelhandels freilich relativ. Doch einmal eingetaucht in den Mikrokosmos, kann einen die Fülle an exotischen Lebensmitteln schon eine Weile beschäftigen. Der Geheimtipp im siebenten Wiener Bezirk, in der Wimbergergasse 5, der eigentlich schon seit Jahren keiner mehr ist, hat sich zum Treffpunkt der internationalen Gemeinschaft in und um Wien herum entwickelt. Hier liegen Afrika und Südamerika nur einen kleinen Schritt auseinander. Und nach Asien kann man bequem hinübergreifen, wobei sich die olfaktorische Wahrnehmung leicht in Richtung Patchouli verschiebt. Und wer immer glaubt, das persönliche Urlaubskonto sei emotional gesehen noch ein wenig im Minus - hier lässt es sich trefflich auffüllen, mit kurzem Gustieren und Stöbern zwischen Dutzenden Sorten tiefgekühlter Fischraritäten, über hundert verschiedenen Chillisaucen oder in einer ganzen Abteilung säuberlich sortierter Reis-Spezialitäten. Globetrotting in der Mittagspause.

Lehrer und Versicherungsvertreter

Begonnen hat alles 1999. Damals war Augustin Pallikunnel, "Prince“ wie in seine Freunde nennen, schon länger in Wien und wollte hier sein in Kerala, Südindien, abgeschlossenes Lehramtsstudium ergänzen. Doch es verschlug ihn zur Wiener Städtischen Versicherung als Außendienstmitarbeiter für Lebens- und Autohaftpflichtversicherungen. Nicht die schlechteste Schule für einen späteren Supermarktbetreiber. Jedenfalls aber eine ungewöhnliche Karrierestation für den ältesten Sohn eines kleinen südindischen Kautschuk-Farmers.

Aber dann brach doch das Unternehmer-Gen in ihm durch - Handel war sein Spezialfach auf der Uni. Und aus einem kleinen Versicherungsbeamten wurde eine Wiener Handelsinstitution. Nicht ohne Rückschläge, gesteht Pallikunnel, immer aber expansiv: "Sechs- bis siebenmal konnten wir unser Lokal bereits erweitern. Auch meine zwei Brüder und meine Schwester müssen im Geschäft mitarbeiten.“ Über 6000 Produkte aus 50 Ländern stapeln sich im Geschäft, das bereits den gesamten Keller des Häuserblocks umfasst (plus Lagerflächen in Nachbargebäuden) und dennoch bald zu eng wird. Eine zuvor im Supermarkt integrierte "Cosmetic-World“ - ein auf Haarverlängerungen spezialisiertes Kosmetikstudio - wurde in ein Kellerlokal gegenüber verlegt. Menschen aus 125 Ländern der Welt sorgen in Summe für einen Jahresumsatz von rund zweieinhalb Millionen Euro.

Die Herausforderung schlechthin in der kleinen kulinarischen Multikultiwelt ist die Lebensmittellogistik: Massenwaren, wie etwa die Süßkartoffel Yam oder die außerhalb Europas als Kartoffel-Pendant verwendeten Kochbananen (auch Gemüsebanane, Banana-da-Terra oder Platan genannt), kommen per Kühl-Lkw palettenweise von holländischen Umschlagplätzen. Spezialprodukte - gerne auch auf Kundenwunsch - werden mittels Flieger aus der ganzen Welt herangekarrt.

Pizza oder Doro Wot

Prosi ist natürlich nicht die einzige, aber die wahrscheinlich beste Adresse für alle Daheimgebliebenen, die das kribbelige Feeling beim Anblick fremder Speisekarten vermissen, das so unbarmherzig innerste Wesenszüge offenlegt: Ist man Zocker, der das Risiko liebt und unbekannterweise einfach Doro Wot (äthiopisches Huhn) oder Fajitas (mexikanisches Rindfleisch) bestellt? Oder geht man auf Nummer sicher mit Pizza und Pasta?

Nachfragen geht im Prosi jedenfalls immer - und das ist auch ganz gut so, denn "bombay duck“ ist eben keine Ente, sondern ein schlanker Seewels aus dem arabischen Meer. Und das südindische Fischcurry "meen mulagittathu“ wird einmal mit einer dünnen Soße aus Chili und Tamarinde serviert und das andere Mal als "meen vattichathu“ in einer dicken Kokosnuss-Soße. Man kann aber auch ganz einfach nur die Gewürze für die asiatische Schwarzteemischung "chai“ einsacken: Zimt, Kardamon und Ingwer. Aber eben in der Hardcore-Variante, originalverpackt, buntbedruckt und preisgünstig, notabene - und nicht in der teuren, soft-designten Bobo-Version aus dem Bioladen.

Es ist die spezielle Mischung aus Heim- und Fernweh der Prosi-Kunden, die die Atmosphäre hier ausmacht. Die einen kommen, weil sie ein Stück Heimatgefühl genießen wollen, von UNO-Beamten angefangen bis hin zu Asylwerbern. Und die Einheimischen kommen, weil sie der Wiener-Schnitzel-Kultur zeitweise Sushi oder Salsa entgegenhalten wollen. "Der Anteil der österreichischen Kundschaft macht mittlerweile rund 35 Prozent aus“, ist Pallikunnel stolz auf die Integration mit umgekehrten Vorzeichen. Nicht nur Zugereiste nehmen hiesige Gewohnheiten an, so wie er Schweinsbraten mit Semmelknödel zur Lieblingsspeise erkoren hat, sondern auch Österreicher die fremden.

Dazu beigetragen hat wohl auch die umfassende Marken-Erweiterung, die Pallikunnel im Laufe der Zeit durchgezogen hat; "line-extensions“ würden Unternehmensberater sagen. Eine Mischung aus Marketing und Mission, sagt der Firmengründer: "Prosi ist nämlich nicht nur ein künstlicher Name für einen Supermarkt. Es setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Wörter Politeness, Respect, Obedience, Service und Intimacy zusammen (Anm: Höflichkeit, Respekt, Gehorsam, Service, Vertrauen) und diese bezeichnen unsere Unternehmensphilosophie.“

Unter diesen Aspekten will er dann auch seine kulturellen Events verstanden wissen, wie etwa das Straßenfest "Exotic Festival“ im Sommer oder seit zwei Jahren auch den "Exotic Ball“ im Winter. Oder die Einrichtung einer indischen Fastfood-Ecke namens "Food Magic“ im hintersten Winkel des Supermarktes, die schon das ein oder andere überraschte Lob heimischer Gastrokritiker eingeheimst hat. Aber auch die weniger öffentlichkeitswirksamen Hilfsprojekte, die er in Entwicklungsländern finanziert, sind für Pallikunnel Teil der Firmenstrategie.

Und gehen seine weiteren Pläne auf, wird sich sein Aktionsradius noch signifikant vergrößern: Demnächst will er das eigene Prosi-Kochstudio durch ein TV-gerechtes Ambiente upgraden. Schwebt ihm doch die Ausstrahlung einer eigenen Koch-Fernsehshow vor. Dann könnten sich Aficionados zumindest einen Hauch von exotischem Urlaubsfeeling direkt in die heimische Küche holen, ganz ohne einen Fuß vor die Türe setzen zu müssen. Als Notlösung, falls das Fernweh allzu groß wird.

Ethnofood - bunte Mischung

• Rana Stores in Wien www.indopak.at
• Lili Markt, Rechte Wienzeile 29, 1040 Wien
• Mischka, Hernalser Hauptstr. 19, 1170 Wien
• Casa Mexiko, Siebensterng. 16a, 1070 Wien
• Bal Gurpreet Kaur, Wienerstr. 226, 4030 Linz
• Farmah’s Indian Supermarkt, Annenstraße 41, 8020 Graz
• Aoy Asia China Shop, Ghegag. 29, 8020 Graz
• Asia Food Market, Südtirolerpl. 3, 6020 Innsbruck

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