Wenn der BMW eine Fälschung ist - Betrug mit Oldtimern boomt

Wenn der BMW eine Fälschung ist - Betrug mit Oldtimern boomt

An diesem BMW 328 war irgendetwas faul. Seit drei Tagen stand der klassische Roadster bei Norbert Schroeder in Düsseldorf in der Garage, und der Eigentümer wurde langsam ungeduldig. Einmal bereits hatte Autoexperte Schroeder den Wagen untersucht und keine Auffälligkeiten gefunden. Aber das Gefühl sagte ihm, dass etwas nicht stimmt. “Konzentriere dich, Norbert”, sagte er sich selbst.

Der 53-jährige Schroeder ist weder der Lodenmantelträger, noch ist er Pfeifenraucher. Aber in der Oldtimerwelt kommt er einem genialen Detektiv wie Sherlock Holmes am nächsten. Er arbeitet für den TÜV Rheinland als Gutachter für klassische Fahrzeuge und berät auch Restaurateure.

Sein Spezialgebiet ist die Authentifizierung, und diese Dienstleistung wird zunehmend beansprucht. Händler oder Besitzer klassischer Autos wollen die Originalität ihrer Preziosen fachmännisch bestätigt bekommen. Immer öfter allerdings wird nach einer Prüfung das Gegenteil bewiesen.

Der Beweis gewinnt an Bedeutung in einem Markt, in dem die Preise für klassische Automobile alleine 2013 um 28 Prozent angezogen haben. Das geht aus einem vom Londoner Makler Knight Frank LLP berechneten Index namens Luxury Investment Index hervor. Für die wertvollsten Modelle, etwa einen Aston Martin DB2/4 von 1955 oder gar einem Ferrari 250 Testarossa, haben sich die Auktionspreise in den letzten zehn Jahren verdreifacht oder gar vervierfacht.

Mit den Preisen stieg die Zahl der Fälschungen

“In den Neunzigern”, erinnert sich Gutachter Schroeder, “habe ich vielleicht ein falsches Auto in fünf Jahren gefunden. Im letzten Jahr alleine waren es acht”. Der Experte richtet das geschulte Fachauge zur sicheren Identifikation auf das Fahrgestell und weniger auf die Karosserie selbst, an der ein Laie das Fahrzeug in der Regel erkennt. Und bei dem fraglichen BMW-Vorkriegsroadster ging es genau darum. “Ich habe mich anschließend Millimeter für Millimeter weiter bewegt”, sagt er.

Der BMW 328 ist ein offener Zweisitzer, den die Bayerischen Motoren Werke AG zwischen 1936 und 1940 in geringer Stückzahl produziert haben. Seinerzeit wurden prominente Rennen mit dem Wagen gewonnen, darunter die 24 Stunden von Le Mans und die Mille Miglia in Italien. Von den 464 gebauten Originalen haben vermutlich um die 180 Stück überlebt. Für ein Original lassen sich 500.000 Dollar erzielen, aber 2010 war ein Siegerfahrzeug der Mille Miglia sogar zu 5,6 Mio Dollar versteigert worden.

Schroeder erkannte die Fälschung schließlich an einer eingeschweißten statt, wie beim Original, einer eingeschraubten Verbindung des Getriebes an das A-förmige Chassis. “Da stimmt was nicht”, stellte er fest, was sich später bestätigen sollte. Er hatte tatsächlich eine Fälschung vor sich.

Die Grenze zwischen restauriert und gefälscht

Restaurierte Fahrzeuge bilden schon immer einen legitimen Teil des Oldtimermarktes, aber sie verkomplizieren das Angebot wesentlich. Schroeder hat bereits Fahrzeuge begutachtet, bei denen der rechte Teil des Fahrgestells original, aber der linke reproduziert wurde.

Bis zu den Siebziger Jahren wurden auf diese Weise aus einem Rennfahrzeug nicht selten zwei gemacht. In einem solchen Fall gilt: Solange das Fahrgestell zumindest teilweise original ist, darf der Wagen als authentisch gelten. Der Gutachter sorgt für Transparenz und kann die Originalteile für potenzielle Käufer identifizieren.

“Der Betrug beginnt, wenn etwas für ein Original ausgegeben wird, das definitiv und wissentlich keines ist”, stellt Fachanwalt Martin Emmison von der Londoner Kanzlei Goodman Derrick LLP fest. Nach seiner Erfahrung beginnen viele Fälschungen ihr Leben als vollkommen legale Replika und werden erst später durch skrupellose Händler als vermeintliche Originale angeboten.

Für den Experten Schroeder schrillen die Alarmglocken insbesondere bei raren Modellen, die auf einfacheren Versionen basieren. So kann ein normaler Porsche 911 Carrera aus dem Jahre 1973 ohne größeren Aufwand zu einem vermeintlich wesentlich selteneren und entsprechend teuren 911 Carrera RS Rennwagen umgebaut werden. Unklare Fahrzeuggeschichte oder ein plötzlich aus der Versenkung aufgetauchter Rennteilnehmer sind entsprechend Kandidaten für besonders eingehende Prüfungen.

Manchmal aber braucht es geradezu enzyklopädisches Wissen um die klassischen Fahrzeuge - wie im Falle eines gefälschten Sportwagen Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer, dessen Original um eine Mio. Euro wert wäre. Schroeder erkannte diese Fälschung an einer leicht veränderten Schriftart der Fahrzeugidentifizierungsnummer.

Derzeit wird die Szene aufgemischt von einem penibel arbeitenden Autofälschersyndikat krimineller Tschetschenen, berichtet der Gutachter. Sie produzieren nahezu perfekte klassische BMW und Mercedes-Benz.

Nicht selten werden in der Szene Metalle über Jahrzehnte den Elementen für die perfekte Patina ausgesetzt, sagt er. Andere Fälscher haben sich sogar uralte Eisenbahnschienen aus den zwanziger Jahren in Indien besorgt. Sie schmolzen das Material ein und bauten damit das Chassis eines begehrten Bugatti nach. Diese Fälschung hätte somit selbst eine aufwändige metallurgische Untersuchung unerkannt überstanden.

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