Was Ihr Auto wirklich kostet

Was Ihr Auto wirklich kostet

Die ersten Ausfahrten mit einem neuen Wagen lösen zumeist Glücksgefühle aus. Aber nach einiger Zeit ist der Reiz des Neuen verpufft, und bereits nach durchschnittlich 55 Monaten Nutzung werden Autos auf den Gebrauchtwagenmarkt geworfen. Dabei wird unterschätzt, dass der Wertverlust eines PKW in den ersten Jahren nach Anschaffung richtig ins Geld geht.

Während Fahrer von Klein- oder Mittelklasseautos noch vergleichsweise glimpflich davonkommen, können Besitzer von Luxusschlitten mit sechsstelligen Eurobeträgen konfrontiert sein. Das ist etwa beim Porsche Panamera der Fall, bei dem nach Ablauf von fünf Jahren gegenüber dem Neupreis ein Wertverlust von 74 Prozent oder rund 116.000 Euro zu verdauen ist. Viel weniger legen Fahrer eines VW Golf Trendline ab, der mit dem 1,6-Liter-Dieselmotor ausgestattet ist. Der Wagen verliert in den ersten fünf Jahren auch fast die Hälfte an Wert. Wegen des im Vergleich zum Porsche erheblich niedrigeren Kaufpreises beläuft sich der Wertverlust nur auf rund 10.500 Euro.

Der Erfolg liegt im Einkauf

Thomas Stix, Bereichsleiter Technik des Autofahrerklubs ÖAMTC, erklärt: "Der Wertverlust ist der größte Kostenfaktor beim Autofahren. Wer einen neuen PKW zehn Jahre fährt, kann die Durchschnittskosten enorm senken.“ Zusätzlich trägt die Suche nach den besten Angeboten Früchte, sind doch bei Neuwagen, bei Fahrzeugen mit Tageszulassung oder bei Auslaufmodellen Rabatte von 15 oder 20 Prozent vom offiziellen Verkaufspreis keine Seltenheit. Dass "Sparen beim Fahren“ immer wichtiger wird, belegt die Entwicklung seit dem Jahr 2000. Seit damals zogen die PKW-Kosten um über 20 Prozent stärker an als die Ausgaben für allgemeine Lebenshaltung. Dazu kommt, dass die Nettolöhne in den vergangenen Jahren auf der Stelle treten. Das hat zur Folge, dass Autofahren das Haushaltsbudget immer mehr strapaziert. Dazu ein Beispiel: Laut Statistik Austria lag das Durchschnittseinkommen der rund vier Millionen unselbstständig beschäftigten Österreicher im Jahr 2012 bei rund 18.850 Euro netto. Laut ÖAMTC beliefen sich die Kosten für das Familienauto Škoda Octavia Kombi im gleichen Kalenderjahr auf etwa 6.400 Euro. Damit ging bereits rund ein Drittel des Nettogehalts für den Fahrspaß im Automobil drauf.

Aber selbst der Umstand, dass die Kostenschere auch wegen gesetzlicher Veränderungen bei der Normverbrauchsabgabe (NoVA) und der motorbezogenen Versicherungssteuer immer weiter aufgeht, kann die Lust der Österreicher auf den fahrbaren Untersatz nicht trüben. Seit Jahren ist sogar das Gegenteil der Fall: Ende April rollten 4,67 Millionen PKW mit heimischen Kennzeichen über die Straßen, mehr als je zuvor. Zum Vergleich: 1990 lag der PKW-Bestand noch bei unter drei Millionen Fahrzeugen, im Jahr 1937 waren in Österreich exakt 32.373 Autos zugelassen.

Das Geld liegt auf der Straße

Wer den Rotstift richtig ansetzt, kann die Ausgaben für das Auto um mehrere Tausender im Jahr drücken. Eine gute Hilfestellung liefert der große Autokostenvergleich für knapp 7.300 in Österreich erhältliche Modelle, die der ÖAMTC für FORMAT traditionellerweise analysiert. Dabei haben sich herkömmliche PKW ebenso dem Kostencheck zu unterziehen wie Cabrios und Geländewagen. Letztere stehen bei Neuwagenkäufern hoch im Kurs. ÖAMTC-Experte Stix: "Obwohl die steuerlichen Veränderungen in den ersten Monaten 2014 zu Vorziehkäufen führten, wurden zwischen Jänner und April weniger Autos abgesetzt als im Vergleichszeitraum 2013. Jedoch zeigte sich nennenswertes Wachstum im Segment der Geländewagen und Sport Utility Vehicles.“ Das ist eher dem Zeitgeist geschuldet als der Offroadtauglichkeit der unter der Kurzbezeichnung SUV bekannten Fahrzeuge. Stix: "Viele Modelle sehen aus wie Geländeautos, verfügen aber nicht einmal über einen Allradantrieb. Wegen der hohen Nachfrage wurde das Angebot an SUVs viel breiter, beim Kaufpreis liegt die Latte deutlich tiefer als vor ein paar Jahren.“

Während speziell im Herbst 2012 der hohe Benzin- und Dieselpreis Autofahrern schwer zu schaffen machte, hat sich die Lage beruhigt. Zum einen sank der Spritpreis. Zum anderen ist dank der Ingenieurskunst der Autokonstrukteure und verschärfter gesetzlicher Vorgaben beim Schadstoffausstoß der Verbrauch von PKW seit Jahren rückläufig und über alle Marken hinweg seit 2000 um rund 20 Prozent geringer. Im Vorjahr lag der Flottenverbrauch von Herstellern, die verstärkt Kleinwagen in ihrem Portfolio haben, unter fünf Litern Treibstoff für 100 gefahrene Kilometer. Selbst bei Autobauern wie Porsche und Jaguar, die ihre Modelle mit starken Triebwerken bestücken, schlucken die Fahrzeuge im Schnitt weniger als zehn Liter auf 100 Kilometer.

Dennoch kann beim Verbrauch noch an einigen Schrauben gedreht werden, um die Kosten zu senken. Das gelingt laut Deutscher Energieagentur mit schonender Fahrweise, der Verwendung von Leichtlaufreifen und -öl sowie mit dem zeitweiligen Abschalten elektrischer Verbraucher. Wer diese Tipps beherzigt, kann etwa mit einem BMW 530i bei 20.000 Kilometern Fahrleistung im Jahr die Benzinkosten von rund 2.050 Euro um satte 690 Euro reduzieren. Selbst bei einem verbrauchsarmen VW Golf mit einem 1,6-Liter-Dieselmotor sind mit den gleichen Anpassungen noch rund 250 Euro Sparpotenzial zu heben.

Kampfpreise

Besonderes Augenmerk verdient die Auswahl der Autoversicherung, liegen doch die Kosten je nach Assekuranz meilenweit auseinander. Das zeigt der Musterfall eines neuen Jaguar XFR 5,9 mit V8-Motor und 375 kW. In der Bonus-Malus-Stufe 9 zahlt ein 35-jähriger Fahrer, der den Wagen zum Neupreis von 117.700 Euro zuzüglich Sonderausstattung im Wert von 15.000 Euro ersteht, bei der Kärntner Landesversicherung - zum Kampftarif der Maklervereinigung IGV - für den Vollkaskoschutz eine Jahresprämie von 7.514 Euro. Beim schlechtesten Anbot einer Assekuranz muss der gleiche Fahrer laut Auswertung des Versicherungsmaklers Winsurance 13.685 Euro Jahresprämie überweisen, rund 82 Prozent mehr.

Dass sich der Prämienvergleich auch bei Kleinwagen lohnt, zeigt das Beispiel eines neuen Fiat 500 Pop, der mit Extras im Wert von 1.500 Euro ausgestattet ist. Auch bei diesem Auto legt die Kärntner Landesversicherung im Moment das Topoffert unter den Versicherungen. So zahlt ein 35-jähriger Fahrer in der Bonus-Malus-Stufe 9 eine jährliche Prämie von 1.337 Euro. Bei der teuersten Versicherung kostet der gleiche Haftpflicht- und Kaskoschutz 2.470 Euro. Winsurance-Chef Werner Widauer: "Derzeit offeriert die Kärntner Landesversicherung sehr günstige Prämien. Ähnlich gute Konditionen bieten auch Allianz Versicherung und Wüstenrot.“

Darüber hinaus sollten Autofahrer auf den Zahlmodus achten. Denn man kommt man bei jährlicher Überweisung am besten weg. Versicherungsmakler Widauer: "Bei der Zahlung in Monatsraten fällt ein Unterjährigkeitszuschlag auf die motorbezogene Versicherungssteuer in Höhe von zehn Prozent an.“

Laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) kommen Fahrer, die unter 12.000 Kilometer jährlich unterwegs sind, und jene, die ihren Privatwagen nur fallweise nutzen, mit Carsharing günstiger und umweltschonend davon. So kosten laut VCÖ 60 Autofahrten mit 9.000 Kilometern Fahrleistung bei der Nutzung von Carsharing jährlich knapp 4.900 Euro. Die gleiche Fahrleistung schlägt sich in einem eigenen Ford Galaxy mit 6.750 Euro zu Buche. Enorme Einsparungen sind mit dem Autoverzicht und dem Umstieg auf Öffis erzielbar. Laut VCÖ-Kalkulation zahlen Pendler bei Nutzung von Bahn und Bus für die Strecken von Baden nach Wien, von Villach nach Klagenfurt oder von Wels nach Linz im Jahr rund 7.000 Euro weniger als bei der Nutzung eines Privat-PKW, der Kosten von 42 Cent je Kilometer verursacht.

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