Vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger? Alfa Romeo soll Fiat retten

Vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger? Alfa Romeo soll Fiat retten

Doch dass er die Fiat-Tochter bald in sein Autoimperium übernehmen kann, ist unwahrscheinlich. Denn Fiat-Chef Sergio Marchionne weigert sich hartnäckig Alfa preiszugeben. Für ihn ist die Tochter nicht allein eine Prestigeangelegenheit, sondern soll zum Zugpferd werden, das dem gesamten Konzern aus der Krise hilft.

Der selbstbewusste Marchionne will aus Alfa einen Premiumhersteller schmieden, der - wie die deutschen Konkurrenten Mercedes, Audi, BMW und Porsche - vom Markenhunger in den großen Märkten USA und China profitieren soll.

Sein Vorbild könnte ausgerechnet die Erfolgsgeschichte von Audi sein. Der Erzrivale VW hatte seine Ingolstädter Tochter vom angestaubten "Opa-mit-Hut-Auto" zur sportlichen Premiummarke aufpoliert und sich damit ein starkes Standbein neben dem Massengeschäft geschaffen. Neue Käufer locken soll Alfa insbesondere auf dem US-Markt, wo der Autohersteller mit fünf neuen Modellen punkten will. Darunter befindet sich vor allem der am Dienstag auf dem Genfer Autosalon präsentierte 4C, der 60.000 Euro kosten soll.

Marchionne lädt sehr hohe Erwartungen auf Alfa Romeo. Die Tochter soll vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger aufsteigen. Bis 2016 soll die Alfa-Reihe 300.000 Autos im Jahr verkaufen. 2012 waren es nur 92.000, der schlechteste Absatz seit mehr als 40 Jahren und meilenweit entfernt vom Rekordwert 200.000 Wagen im Jahr 2000.

Risiko: "Finanzielle Katastrophe"

Experten haben allerdings erhebliche Zweifel an Marchionnes Plänen. "Das ist nicht das erste Mal, dass wir von ambitionierten Zielen für Alfa hören", geben die Analysten von Barclays Capital zu bedenken. Die amerikanischen Marktforscher IHS Automotive und LMC Automotive gehen zwar davon aus, dass Alfa mächtig zulegen kann, aber bis 2016 doch nur auf Verkäufe von etwa 230.000 Fahrzeugen kommt.

Alfas Erfolg in Nordamerika ist nicht vorprogrammiert und wird seinen Preis kosten. "Das wird massive Anstrengungen erfordern", warnte Stefan Reindl, stellvertretender Direktor des

Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) in Geislingen. "Das Problem ist die geringe Bekanntheit in Nordamerika sowie das bislang fehlende Premiumimage der Marke." Bei Audi habe der Wandel lange gedauert. "Man kann nicht einfach den Schalter auf Premium umlegen", sagte Reindl.

Aus Sicht von Bernstein-Analyst Max Warburton ist es zwar zu früh, um Marchionnes ehrgeiziges Vorhaben bereits abzuschreiben. Aber es berge ein gewaltiges Risiko. "Wenn man es falsch angeht oder die Kunden nicht interessiert sind, dann wird das eine finanzielle Katastrophe", sagte Warburton.

Das wäre der Punkt, an dem Fiat sich dann doch zu einem Verkauf gezwungen sehen könnte. Dann könnte VW wieder auf den Plan treten. Aufsichtsratschef Piech unterstrich wiederholt sein Interesse und demonstrierte Geduld. Im September machte der 75-Jährige klar, er habe keine Eile, sein Ziel zu erreichen. "Noch" gehe es Fiat "zu gut".

VW-Markenvorstand Herbert Diess stellt die Organisation des Herstellers neu auf die Beine.

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