Volvo will in China Gas geben

Volvo will in China Gas geben

Bereits seit drei Jahren gehört die schwedische Automarke Volvo zum Imperium des chinesischen Industrietycoons Li Shufu. Im boomenden Markt für europäische Luxusfahrzeuge im Lande hat die Marke bislang nicht gegen die starke deutsche Konkurrenz von Audi und BMW gepunktet. Das könnte sich mit der Eröffnung eines ersten eigenen Werks in China aber bald ändern.

Die Tochter Volvo Cars der Zhejiang Geely Holding Group von Li hat in dieser Woche Produktionstests im ersten eigenen Werk in China aufgenommen und will bereits zum Ende des kommenden Jahres eine zweite Produktionsstätte eröffnen. Das sagte jetzt Lars Danielson, der Senior Vice President von Volvo Cars China, vor Journalisten. Bislang waren die hier verkauften Fahrzeuge bis auf Ausnahmen aus Europa importiert worden und sie fielen damit unter die geltende Einfuhrsteuer von 25 Prozent. Einige Volvo-Exemplare wurden in einem Werk der früheren Markeninhaberin Ford Motor in der Stadt Chongqing auftragsgefertigt.

Die langen drei Jahre für das erste eigene Volvo-Werk zeigen vor allem, dass der Industrielle Li seinen Heimvorteil bei den Behörden überschätzt hat. Die räumten der schwedischen Automarke in chinesischem Besitz keinerlei Sonderrechte zu den geltenden Regeln für alle ausländischen Hersteller in China ein.

Mit dem neuen Werk aber soll die Stückzahl nun wesentlich steigen. Volvo will den Absatz bis zum Ende dieses Jahrzehnts auf 800.000 Stück verdoppeln. Es sollen in der südchinesischen Stadt Chengdu 125.000 Fahrzeuge pro Jahr vom Band laufen, zunächst eine verlängerte Version des S60, ein Wagen im Format des Audi A4. Das zweite Werk ist geplant in Daqing im Nordosten des Landes.

China wird zum wichtigsten Markt für Premium-Pkw

China ist auf dem Weg zum wichtigsten Markt für Premium-Pkw zu werden und spielt für Volvo daher eine entscheidende Rolle. “Klappt es in China nicht, dann sehe ich keinen Markt, in dem sie das Volumen steigern könnten”, sagt Analyst und Autoexperte Lin Huaibin von IHS Automotive in Schanghai. Funktioniere der Markt hingegen, so könne die Marke stark wachsen.

Volvo hat das vergangene Jahr mit einem Verlust beendet und der Absatz schrumpfte um 6,1 Prozent auf 421.951 Fahrzeuge. Im schwedischen Heimatmarkt war der Absatzrückgang am höchsten. In China brach der Absatz von Volvo um elf Prozent ein, während die Konkurrenten BMW und Audi zwischen 30 und 40 Prozent mehr Fahrzeuge an chinesische Kunden verkauften.

Entsprechend sank der Marktanteil am chinesischen Luxusautomarkt für Volvo von 5,3 Prozent im letzten vollen Jahr als Ford-Tochter 2009 auf nur noch 3,4 Prozent im abgelaufenen Jahr, wie IHS schätzt. Audi kommt demnach auf 33 Prozent und BMW auf 24 Prozent Markanteil.

Ein Grund für den unterdurchschnittlichen Volvo-Absatz in China ist der Preis. Der SUV XC60 wird in China ab 389.900 Yuan (rund 75.000 Euro) angeboten, was etwa neun Prozent über dem Preis für einen in China gebauten Audi Q5 liegt, wie aus Daten der Internetseite Autohome.com.cn hervor geht. In den USA wird der Volvo hingegen im Grundpreis um 4,3 Prozent günstiger angeboten als der Audi.

Starke Konkurrenz

Volvo muss bei chinesischen Premiumkäufern überdies mit Newcomern auf dem Markt wie Cadillac von General Motors, der Nissan Edelmarke Infiniti und mit Acura von Honda konkurrieren. Alle diese Marken planen ebenfalls eine Produktion in China.

Potenzielle Käufer sehen aber über den Preisnachteil hinaus weitere Probleme. Denny Shen, ein Jungunternehmer aus Schanghai, nennt den Mangel an Besonderheiten als Makel. Das Fahrzeug steche mit keiner besonderen Identität aus dem Angebot hervor. Auch verkomme der in Europa durchaus wohlklingende Name in Mandarin zu einem für Chinesen unbeholfen wirkenden “wo’erwo”. Der 28-jährige besitzt einen BMW M3 und einen Jaguar XF. “Volvo”, sagt er, “ist beim Design sehr durchschnittlich. Das wirkt auf junge Käufer nicht”.

Der Ruf von Volvo als besonders sicheres Fahrzeug, das skandinavische Design und die Fahrzeugleistungen sowie der Umweltschutz werden eine wachsende Zahl chinesischer Kunden auf der Suche nach einer “etwas dezenteren Form” von Luxus zu der Marke führen, sagt Volvo-Sprecher Per-Ake Froberg. “Volvo als Marke ist in China eher ein Newcomer”, sagt er. Es sei daher entscheidend, die richtigen Segmente der chinesischen Kundschaft anzusprechen.

Das wenig ausgeprägte Markenimage von Volvo könne im China von heute durchaus ein Vorteil sein, sagt John Zeng von LMC Automotive in Schanghai. “Ein besonders teures Luxusauto zu fahren, gilt im Moment als politisch inkorrekt”, erläutert er. Da könne ein Fahrzeug wie ein Volvo für viele Leute die bessere Option sein.

In diesem April hat Volvo in China 30 Prozent mehr Autos verkauft, womit der Absatz in den USA erstmals überschritten wurde. In den ersten vier Monaten war der China-Absatz stärker gestiegen als in jedem anderen Markt.

Trotzdem bleibt Analyst Max Warburton von Sanford C. Bernstein in Singapur zurückhaltend im Hinblick auf die Aussichten von Volvo in China. “Volvo-Produkte müssen beim chinesischen Verbraucher erst noch ankommen”, sagt er, “und in den letzten Jahren ist das eher schwieriger geworden. Diese Autos entsprechen eigentlich nicht dem chinesischen Geschmack”.

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