Vollbremsung: ADAC will transparenter werden

Vollbremsung: ADAC will transparenter werden

Nach Fälschungen beim "Gelben Engel" hat der ADAC rund 290.000 Mitglieder verloren. Nun soll alles transparenter werden, unter anderem mit einem Whistle-Blower-System.

Mit umfassenden Reformen will der ADAC seine tiefe Krise überwinden und Kraft für einen Neustart sammeln. Dabei setzt der deutsche Autoclub vor allem auf eine striktere Trennung zwischen dem Verein und seinen Unternehmen und mehr Kontrolle von außen. Einen personellen Neuanfang haben die Delegierten des ADAC auf der Hauptversammlung am Samstag in Saarbrücken aber vertagt.

Interimspräsident August Markl soll den Reformprozess zu Ende führen. Ihm liegt die Rückbesinnung auf den Vereinscharakter am Herzen. Dieser Status müsse erhalten werden. Dafür brauche es eine Abgrenzung zu den wirtschaftlichen Aktivitäten, ohne diese aber aufzugeben. Unter dem Motto "Reform für Vertrauen" sollen bis zum Spätherbst in mehreren Arbeitsgruppen konkrete Maßnahmen für den Umbau des fast 19 Millionen Mitglieder zählenden Vereins erarbeitet werden. Voraussichtlich am 6. Dezember soll eine außerordentliche Hauptversammlung in München über das umfassende Reformpaket entscheiden, das das Gesicht des Clubs grundlegend verändern könnte.

So sollen etwa Aufsichtsräte wie bei der Versicherungstochter des ADAC künftig mit Fachleuten von außen und nicht mit ehrenamtlichen Funktionären besetzt werden. Firmen und ihre Angebote werde der ADAC auch in Zukunft brauchen, um die "Qualität der Mitgliederleistungen aufrecht zu erhalten". Allerdings würden die wirtschaftlichen Ziele auf ein "sinnvolles Maß" zurückgeführt. "Mitgliederorientierung kommt beim ADAC klar vor wirtschaftlicher Orientierung", sagte Markl.

Weniger Lobbying

Zugleich bat er um Geduld. "Wir werden den ADAC nicht über Nacht reformieren können." Auch die Lobby-Arbeit will der Funktionär zurückfahren. In politische Debatten wolle sich der ADAC nicht mehr direkt einmischen.

Transparenter will der Club auch bei seinen Zahlen werden. Zur Bilanz-Pressekonferenz am 30. Juni werde der ADAC auch die Struktur seiner Firmenbeteiligungen offenlegen. Laut Geschäftsführerin Marion Ebentheuer hat der Verein ein Vermögen von rund einer Milliarde Euro, alle ADAC-Vereine zusammen eine Bilanzsumme von 3,5 Milliarden Euro.

Einen Beitrag erhofft sich der Club von einem Whistle-Blower-System. Über ein via Internet benutzbares Portal kann Jedermann auch anonym Hinweise auf Unregelmäßigkeiten oder Verstöße geben. Die Meldungen werden nicht vom Autofahrerclub selbst verarbeitet, sondern gehen an eine externe Anwaltskanzlei, um die Unabhängigkeit der Überwachung zu gewährleisten.

Der ADAC war nach dem Bekanntwerden von Fälschungen beim Autopreis "Gelber Engel" im Jänner in eine tiefe Vertrauenskrise geraten. In der Folge musste sich der Autofahrerclub immer neuen Vorwürfen stellen. Rund 290.000 Mitglieder kehrten dem Verein seither den Rücken.

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