Volkswagen: Der neue Golf ist da!

Volkswagen: Der neue Golf ist da!

Konzernchef Martin Winterkorn stellte die inzwischen siebte Generation des Bestsellers aus Wolfsburg am Dienstagabend auf einer Veranstaltung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin im Beisein von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech als neuen Hoffnungsträger von Volkswagen vor.

Der neue Golf VII ist schon vor dem offiziellen Verkaufsstart zum Erfolg verdammt. Die siebente Generation des Bestsellers aus Wolfsburg soll Volkswagen weiteren Schub auf dem Weg an die Weltmarktspitze geben und die Absatzkrise auf dem Heimatmarkt in Europa vergessen machen. Konzernchef Martin Winterkorn selbst fuhr den Golf VII am Dienstagabend in Berlin auf einer Veranstaltung in der Neuen Nationalgalerie im Beisein von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech und viel Prominenz aus Politik, Film und Musik auf die Bühne.

Der neue Golf gebe die Richtung für VW und "in gewisser Weise auch für die Zukunft des Industriestandorts Europa" vor, machte Winterkorn deutlich. Der Golf sei das mit Abstand wichtigste Fahrzeug für Europas größten Autokonzern und ein starker Motor für dessen Absatz, Rendite sowie sichere Arbeitsplätze. Der offizielle Verkauf des Hoffnungsträgers startet am 10. November, das Einstiegsmodell ist ab 17.000 Euro zu haben.

Wie wichtig der Kompaktwagen, mit dem die Wolfsburger vor 38 Jahren eine eigene Fahrzeugklasse gründeten, für VW ist, zeigt schon die Tatsache, dass vom Vorgängermodell allein im vergangenen Jahr 914.000 Einheiten in den verschiedenen Versionen vom Band liefen. In Europa ist der Golf unbestritten Klassenbester. Erst mit einigem Abstand folgen der Opel Astra und der Ford Focus. Seit 1974 der erste seiner Art auf den Markt kam wurden mehr als 29 Millionen Golf gebaut.

Mindestens so wichtig wie ein gelungener Verkaufsstart ist für VW, dass sich mit dem Hoffnungsträger auch ein neues Produktionssystem bewähren muss. Nach dem A3 von Audi nutzt der Golf als meistverkauftes Volumenmodell des Konzerns den neuen Baukasten, auf dem in einigen Jahren weltweit mindestens 40 Kompakt- und Mittelklassewagen sowie kleinere Modelle der Marken VW, Audi, Skoda und Seat basieren sollen, deren Motoren quer zur Fahrtrichtung eingebaut sind. 3,5 Millionen Fahrzeuge jährlich sollen sich in Zukunft Komponenten teilen. Einen Baukasten für größere Fahrzeuge mit längseingebautem Motor gibt es bei Audi bereits. Die Kosten sollen durch das neue Baukastensystem um ein Fünftel sinken. Deshalb kann Volkswagen den Wagen trotz modernster Technik in Deutschland in der Basisversion zum gleichen Preis wie den Vorgänger anbieten. Allerdings bestellen die viele Kunden kostspielige Zusatzausstattungen und geben oft wesentlich mehr aus.

"Neuer Golf wird sich besser verkaufen als der Vorgänger"

VW-Produktionsvorstand Hubert Waltl zeigte sich am Rande der Präsentation überzeugt, dass sich der neue Golf besser verkaufen werde als sein Vorgänger. Vom Golf VI wurden seit 2008 bis einschließlich Juni diesen Jahres 2,85 Millionen Einheiten veräußert. Waltl machte deutlich, dass VW trotz der Absatzkrise in Südeuropa nicht an Kurzarbeit denke oder die Produktionsbänder langsamer laufen lasse. "Momentan produzieren wir ganz normal." Damit würde sich VW weiter von Massenherstellern wie Opel und Ford abheben, die Kurzarbeit angemeldet haben. Allerdings kann sich auch Volkswagen dem Abwärtstrend nicht ganz entziehen.

Mit dem neuen Golf orientiert sich VW auch beim Design mehr an Premiumautobauern wie BMW und Daimler. Das neue Zugpferd aus Wolfsburg verfügt über zahlreiche Zusatzausstattungen, die es sonst nur bei der höherpreisigen Konkurrenz gibt. Zudem wurden wertvollere Materialien im Innenraum verwendet, um der gehobenen Konkurrenz aus München und Stuttgart Kunden abzujagen. Beim Design wagte VW erneut keine größeren Änderungen. "Man muss etwas aufgreifen, ohne sich dabei zu wiederholen", beschrieb Designchef Walter de Silva das Kunststück, den Golf von Generation zu Generation weiterzuentwickeln, ohne dabei den Wiedererkennungswert zu verlieren. Im Vergleich zu früheren Modellen ist der Golf VII dank der neuen Architektur etwas breiter und länger, dabei leicht flacher geworden. Eine markante Seitenlinie lässt ihn sportlicher aussehen als seine Vorgänger.

Winterkorn pries den Neuen als "Schrittmacher für die gesamte Branche" und "Zeichen für umweltfreundliche Mobilität". Der Verbrauch des Benziners mit 140 PS sei um 23 Prozent auf unter fünf Liter auf hundert Kilometern gesenkt worden. Die besonders effiziente BlueMotion-Version schluckt den Angaben von VW zufolge im Schnitt nur 3,2 Liter.

Auf den Protest von Greenpeace-Aktivisten vor der Neuen Nationalgalerie ging er nicht ein. Die Umweltschutzorganisation wirft VW vor, Motoren mit niedrigem Spritverbrauch nur in bestimmten Versionen und nicht über die ganze Palette hinweg anzubieten. Ziel müsse ein Drei-Liter-Auto für alle sein, verlangte Greenpeace-Experte Wolfgang Lohbeck.

Hochnäsig?

Piech sagte am Rande der Veranstaltung, er sehe keinen ebenbürtigen Konkurrenten zum neuen Golf. VW sei auf gutem Weg, die gesteckten Ziele zu erreichen. Dabei werde der Konzern auch nicht durch die schwächelnde spanische Tochter Seat aufgehalten, die als einzige in dem Zwölf-Marken-Konzern unter der Absatzkrise in Südeuropa leidet. Piech verglich Seat mit einem schwächeren Kind. "Immerhin haben wir von zwölf Marken elf mit schwarzen oder dick schwarzen Zahlen. Da trägt man auch ein krankes Kind. Aber es ist auf gutem Weg", fügte der 75-jährige Firmenpatriarch im Beisein seiner Ehefrau Ursula hinzu. Der Familienmensch hat zwölf Kinder aus vier Beziehungen, drei davon aus der 1984 geschlossenen Ehe mit Ursula.

Gefragt, was die größte Gefahr für den aufstrebenden Volkswagen-Konzern sei, antwortete Piech: Hochnäsigkeit in den eigenen Reihen." Auf die Frage, welche Konkurrenten VW derzeit am meisten zu schaffen machten, sagte er: "Keiner."

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