Varta will mit Wunder-Akku ins E-Car-Geschäft einsteigen

Mit einer neu entwickelten Mikrozelle will der Batterienhersteller Varta gemeinsam mit VW groß ins Elektroauto-Geschäft einsteigen. Investor Michael Tojner träumt davon, ab 2016 an die 200.000 E-Car-Batterien pro Jahr zu produzieren.

Varta will mit Wunder-Akku ins E-Car-Geschäft einsteigen

Das Ding ist in schlichtes, neutrales Grau gefasst. Es ist 14 Zentimeter lang, 8,5 Zentimeter breit und 2,5 Zentimeter tief. Es wiegt gerade mal ein Kilogramm. Und es heißt „NMC 265 148 91“. Schenkt man dem österreichischen Investor und Haupteigentümer des Batterienherstellers Varta, Michael Tojner, Glauben, könnte dieses unscheinbare Teil einer der wichtigsten Bausteine auf dem Weg in die Zukunft der Elektromobilität sein.

Diese Kleinbatterie ist das jüngste Produkt eines 2009 ins Leben gerufenen Joint Ventures zwischen Volkswagen, dem zweitgrößten Autohersteller der Welt, und der Varta Microbattery AG, die das Herzstück von Tojners Beteiligungs-Konglomerat Montana Tech Components (MTC) bildet. Rund 50 Millionen Euro haben die beiden Fifty-fifty-Partner in die Entwicklung dieser Lithium-Ionen-Batterie gesteckt. Mit dem Ziel, in wenigen Jahren eine neue Ära der Elektromobilität einzuläuten. Tojner: „Rechtzeitig zum 125-Jahre-Jubiläum von Varta haben wir den Prototyp fertiggestellt. Nun bereiten wir uns auf die industrielle Massenfertigung für VW vor.“

Da die noch junge E-Car-Technologie nach wie vor an jeder Menge Kinderkrankheiten – zu geringe Reichweiten, zu lange Ladezeiten, zu teure Energiezellen – laboriert, scheinen die Zukunftspläne des ehemals als Finanzheuschrecke verschrienen, in jüngster Zeit indes zum glühenden Industriellen mutierten Investors Tojner mehr als ambitioniert. Sein Varta-Plan sieht zusammengefasst so aus: In den Jahren 2013 bis 2015 soll die serielle Produktion dieser kleinen Autobatterien, von denen je 30 Stück zu einer Auto-Antriebseinheit zusammengefasst werden, am Varta-Hauptsitz im deutschen Ellwangen beginnen. Allein diese Phase würde rund 100 Millionen Euro an Investitionen erfordern, die je zur Hälfte von VW und MTC aufgebracht werden sollen. In diesen drei Jahren sollen durch weitere Forschung, die zu einem Gutteil in Graz in Zusammenarbeit mit der dortigen Technischen Universität erfolgt, die Kosten pro kompletter Autobatterie von derzeit über 20.000 Euro auf maximal 4.000 Euro gedrückt werden, was vor allem durch neue Materialien gelingen könnte. Gleichzeitig soll die derzeitige Batterienkapazität von rund 3.000 Be- und Entladezyklen, was in etwa einer Lebensdauer von acht Jahren entspricht, verdoppelt werden.

Gelingt all dies, will die derzeit zirka 2.000 Mitarbeiter starke Varta ab etwa 2016 mit der industriellen Produktion dieser E-Car-Batterien für etwa 100.000 bis 200.000 VW-Kleinwagen in der Dimension des „E-Up“ (siehe Bild) beginnen. „Das würde ein Investitionsvolumen von rund 500 Millionen Euro bedeuten, das je zur Hälfte von VW und uns kommen soll“, sagt Tojner. „Für dieses Vorhaben wäre wahrscheinlich ein Gang an die deutsche Börse notwendig.“

Das erstaunliche Varta-Comeback

Angesichts solcher Visionen gerät der Erbe der früheren Eigentümerfamilie, Sven Quandt, regelrecht in Entzücken: „Tojner will wirklich wieder eine richtig große Varta auferstehen lassen“ (siehe Interview ). Quandt, der auch im Verwaltungsrat der in der Schweiz domizilierten MTC (Umsatz 2012: rund 500 Millionen Euro; etwa 36.000 Mitarbeiter) sitzt, glaubt nicht nur wegen des E-Car-Projekts, sondern auch aufgrund der vielversprechenden Entwicklungen der zwei weiteren Geschäftsfelder von Varta an eine Renaissance des bis in die 80er-Jahre stolzen Vorzeigeunternehmens der deutschen Industrielandschaft.

Denn zum einen zeige das Kerngeschäft, die Herstellung von derzeit etwa 600 Millionen Mikrobatterien für Hörgeräte oder Herzschrittmacher, ein stetig wachsendes Marktpotenzial, sodass auch Tojner ein 400-Millionen-Euro-Umsatzvolumen für realistisch hält. Zum anderen setzen beide stark auf den relativ neuen Geschäftsbereich Varta Storage, der auf private Haushalte mit Photovoltaikanlagen abzielt und diesen mit günstigen Energiespeichersystemen fast völlige Energieautarkie verspricht.

Tojner: „Wir holen mit Varta jetzt das auf, was Europa in der Batterienentwicklung bis 2010 verschlafen hat.“

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