"Unsere Autos müssen besser sein als das, was sich der Kunde privat leisten würde"

Zwei neue Anbieter, Zipcar und Easymotion, wollen dem Platzhirsch Car2go Anteile abnehmen.

"Unsere Autos müssen besser sein als das, was sich der Kunde privat leisten würde"

Noch beherrschen die 500 Smart-Kleinwagen des Anbieters Marke Car2go das Bild, das man sich in Wien von einem Carsharing-Fahrzeug macht. Doch ab Herbst kommen 400 Autos dazu, verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Designs. Dann nämlich wollen Zipcar und Easymotion beinahe zeitgleich Car2go, bisher Marktführer in Österreich, frontal angreifen. In das Geschäft mit Autos, die man sich mit anderen Leuten teilt und nur dann benutzt, wenn man sie gerade braucht, kommt jetzt auch hierzulande Bewegung.

Studien, wonach das Auto bei jungen Leuten als Statussymbol langsam ausgedient hat und es zunehmend weniger erstrebenswert ist, ein eigenes Fahrzeug zu besitzen, haben bei den Herstellern Alarm ausgelöst. Sie suchen nach neuen Konzepten. Car2go gehört dem Daimler-Konzern, in Deutschland mischt auch BMW am Carsharing-Markt mit. Aber auch andere Großkonzerne wollen ein Stück vom Kuchen: etwa die Deutsche Bahn oder die ÖBB. Zumindest in den Städten gilt Carsharing als Geschäftsmodell mit Zukunft.

Große Konzerne steigen ein

Die beiden Newcomer in Wien haben sehr unterschiedliche Ausgangspositionen. Zipcar ist zwar ein in Europa noch vielfach unbekannter Anbieter, weltweit bereits aber eine große Nummer. Mit rund 700.000 Kunden und 9.000 Autos wurde Zipcar innerhalb von wenigen Jahren Weltmarktführer. Und das US-Unternehmen hat große Visionen. In Österreich wurde carsharing.at übernommen, ein vergleichsweise kleiner Deal, den Zipcar-Europa-Chef Frerk-Malte Feller aber "als einen weiteren Schritt im Aufbau eines europäischen Netzwerkes“ sieht. Schon vorher hat man sich in Spanien und England einen Anbieter geschnappt.

Der österreichische Autoverleiher Easymotion ist dagegen ein kleiner Fisch, hat dafür aber mit der Deutschen Bahn (DB) einen starken Partner im Hintergrund. Vorerst liefern die Deutschen erst die IT an Easymotion, doch sie haben viel größere Pläne am hiesigen Markt. Die DB-Carsharing-Tochter Flinkster beherrscht 55 Prozent ihres Heimmarktes. Zu ihrer Flotte gehören 2.500 Autos in 140 Städten.

Die Neuen swingen anders

Beide neuen Anbieter werden in Wien mit 200 Autos loslegen und wollen Autos mit Luxus- oder Lifestyle-Charakter offerieren. "Carsharing bedeutet nicht Verzicht“, so Stefan Miklauz, Geschäftsführer von Easymotion. "Unsere Autos müssen besser sein als das, was sich der Kunde privat leisten würde.“ Ein 3er-BMW mit Ledersitzen und üppiger Ausstattung darf da nicht fehlen. Vorwiegend wird die Flotte aber mit peppigen Kleinwagen wie Mini und Fiat 500 bestückt. Eine ähnliche Modellpolitik verfolgt Zipcar.

Eine Basis, um Carsharing richtig ins Rollen zu bringen, legt die Stadt Wien. Die Stadtverwaltung stellt Zipcar und Easymotion erstmals fixe Parkplätze zur Verfügung - wie jene für Taxis. Bisher gab es für Kunden von carsharing.at nur die Möglichkeit, die Autos in Tiefgaragen abzuholen. Bei Easymotion soll die Hälfte der Autos auf fixe, die andere auf flexible Parkplätze verteilt werden. Zudem können sich die Kunden auch über niedrigere Preise als bisher freuen. "Unsere Tarife werden um 20 bis 30 Prozent günstiger sein als bei Car2go“, verrät Miklauz. Geplant ist ein Fixpreis pro Stunde. Zipcar, wo eine engere Kooperation mit den ÖBB angedacht ist, behält vorerst noch das bisherige Tarifmodell bei - eine Kombination aus Grundtarif und Kilometerpreis. "Sobald das neue IT-System installiert ist, wird aber nur noch ein Preis pro Minute verrechnet“, so Zipcar-Österreich-Chef Christof Fuchs.

Erfolgsmodell

Bisher hat das Car2go-Konzept dank seines innovativen und einfachen Konzepts auf Anhieb eingeschlagen. Der Kunde kann das Auto abstellen, wo er will (und einen legalen Parkplatz findet). Per Handy können die Fahrzeuge überall lokalisiert werden. Wer sich einmal registriert hat, kann - sobald er eines Autos habhaft wird - losfahren. Seit dem Start Ende 2011 haben sich 22.000 Kunden registriert (siehe Grafik). Nach Einschätzung von Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft an der WU, könnte der Anteil der Kurzzeitnutzer am Pkw-Verkehr in fünf Jahren sogar bis auf 40 Prozent steigen.

Wer das Treiben mit wenig Wohlwollen verfolgt, sind die Taxler. Sogar Gerüchte über einen Boykott des Car2go-Eigentümers Mercedes machten die Runde. Alexander Martinowsky, Chef von Mercedes Wiesenthal: "Gerade am Anfang gab es erhebliche Unruhe unter den Taxifahrern. Aber das hat sich gelegt.“ Denn Car2go hat analysiert, dass nur zwei Prozent ihrer Kunden, die ursprünglich ein Taxi nehmen wollten, sich stattdessen ein Carsharing-Auto nahmen. Das sieht auch Zipcar-Mann Feller so: "Wir sehen uns nicht im gleichen Markt.“ Denn Autos, die man auf markierte Parkplätze zurückbringen muss, sprechen eine andere Zielgruppe an. Preislich ist Carsharing laut Miklauz erst ab rund einer halben Stunde Nutzung interessant.

Die Autohändler üben sich in Zweckoptimismus: "Das ist, als ob für uns ständig kostenlos Vorführwagen durch die Gegend fahren“, erklärt Mercedes-Dealer Martinowsky. Zum Teil wird auch schon daran gedacht, selbst in das Carsharing-Business einzusteigen. Martinowsky: "Wenn sich ein interessantes Geschäftsmodell bietet, ist ein Einstieg eine Option.“

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