Toyota meldet sich zurück

Nach dem Rückschlag durch die Erdbebenkatastrophe 2011 will der japanische Autobauer im gerade gestarteten Geschäftsjahr mit rasanten Zuwächsen in den weltgrößten Automärkten USA und China umgerechnet knapp zehn Milliarden Euro verdienen - das wäre der höchste Wert seit Ausbruch der Finanzkrise.

Bereits zu Jahresanfang gelang es Toyota, den Betriebsgewinn in seinem vierten Geschäftsquartal mehr als zu verfünffachen. Das Geld will Toyota nun investieren, um den Konkurrenten mit besseren Autos Weltmarkt-Anteile abzujagen.

Im Ringen um die Weltmarktspitze im Autogeschäft hat Volkswagen im vergangenen Jahr Toyota abgehängt und nun Branchenprimus General Motors ins Visier genommen. Der Wolfsburger Konzern mit Marken wie VW, Audi, Skoda, Seat und Bentley verkaufte 2011 rund 8,3 Millionen Fahrzeuge, während sich der Absatz bei Toyota im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 7,35 Millionen Fahrzeuge belief. Rechnet man - wie VW dies ebenfalls tut - Tochterunternehmen und Joint Ventures hinzu, kam Toyota 2011 auf 7,95 Millionen Autos. Der Betriebsgewinn von Volkswagen belief sich 2011 auf 11,3 Milliarden Euro.

GM wird dieses Jahr voraussichtlich mehr als neun Millionen Autos verkaufen, Toyota hat sich auf vergleichbarer Basis knapp 9,6 Millionen vorgenommen. VW will den Absatz ebenfalls steigern, hat aber noch keine konkrete Zahl genannt. Die Wolfsburger wollen aber spätestens 2018 die Zehn-Millionen-Marke knacken und dann die Opel-Mutter GM vom Thron stoßen.

Toyota auf der Überholspur

Bei Toyota belief sich der Gewinn zwischen Januar und März auf umgerechnet 2,3 Milliarden Euro gegenüber rund 400 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Dabei profitierte Toyota auch davon, dass nach den Naturkatastrophen im vergangenen Jahr endlich wieder alle Werke in Betrieb waren - auch die Überschwemmungen in Thailand hatten den Japanern schwer zugesetzt. Toyota musste wegen dieser Rückschläge den Produktionsausfall von 400.000 Autos verkraften - so viel verkauft Toyota in neun Wochen in den USA.

Toyota will sich nun mit Kostensenkungen für den Kampf um den Weltmarkt fitmachen. Konzern-Präsident Akio Toyoda, der Enkel des Firmengründers, verkündete, dass höhere Gewinne höhere Investitionen und damit bessere Autos ermöglichten. Deshalb müsse Toyota nun alles daran setzen, seine Gewinnspannen zu steigern. Branchenexperten trauen Toyota die angepeilte Gewinnsteigerung durchaus zu. "Die Erholung von Toyota wird den Wettbewerb in der Branche in diesem Jahr insgesamt deutlich härter machen", prognostiziert Song Sang-hoon von Kyobo Securities in Seoul.

VWs vorbildliches Baukastensystem

Bei seiner Aufholjagd wird sich Toyota auch aus der VW-Trickkiste bedienen. Die gesamte Branche schaut sich derzeit die Strategie der Wolfsburger ab, zahlreiche für Kunden unsichtbare Bausteine in möglichst vielen verschiedenen Fahrzeugen einzubauen - etwa in Audi-Edelkarrossen und günstigeren VW-Modellen. Auch die Opel-Mutter GM will sich diese kostensparende Methode bei seiner Allianz mit PSA Peugeot zunutze machen. Schon 2016 wollen die beiden Konzerne eine ganze Reihe neuer Modelle auf gemeinsamen Plattformen vom Band laufen lassen, wie Peugeot am Mittwoch ankündigte.

VW gilt mittlerweile in der Industrie als absolutes Musterbeispiel beim Einsatz solcher Baukasten-Systeme. Die Inspiration für diese Methode lieferte den Wolfsburgern der jahrelang unangefochtene Vorreiter auf diesem Gebiet: Toyota.

Reuters/hahn

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