Sparen beim Fahren: Jetzt billiger Auto fahren

Tanken wird immer teurer, die NoVA (Normverbrauchs-Abgabe) wurde im März für viele Modelle erhöht. Der Autoclub ÖAMTC erhob für FORMAT, wie viel Geld ein Neuwagen jetzt verschlingt und wo Sparpotenzial besteht.

Im Rückspiegel betrachtet, war die Welt der Autofahrer vor einem Jahr noch heil. Damals kostete der Liter Diesel durchschnittlich 1,07 Euro. Aktuell zahlt man beim Tanken laut ÖAMTC 1,34 Euro. Das ergibt bei einem 60-Liter-Tankstopp eine Mehrbelastung von immerhin 16 Euro. Ein wesentlicher Teil davon landet beim Fiskus. Seit Jahresanfang kassiert der Finanzminister zusätzlich sechs Cent pro Liter Diesel und 4,8 Cent pro Liter Super. Damit nicht genug, wurde auch der Autokauf teurer. Im März 2011 wurde für alle Spritfresser mit einem CO2-Ausstoß über 160 Gramm die NoVA deutlich erhöht.

Diese beiden Entwicklungen waren für FORMAT Anlass für die Frage, was jetzt das Autofahren wirklich kostet, wie groß der Unterschied zwischen Diesel-Fahrzeugen und Benzinern ist und wo man beim Autofahren am meisten sparen kann. Gemeinsam mit dem ÖAMTC wurden die monatlichen Gesamtkosten für 4.898 Neuwagen ermittelt. Die Liste aller Modelle steht unter zum Download bereit .

Die ÖAMTC-Kalkulation stellt auf die Kosten für einen Neuwagen ab, der fünf Jahre lang 12.000 Kilometer im Jahr unterwegs ist (siehe unten ). Das Ergebnis ist ernüchternd: Das meistverkaufte Auto in Österreich, der VW Golf, schlägt schon in der günstigsten Version, dem Rabbit 1,4, mit 471 Euro zu Buche. Wer es besonders sportlich mag und zum Golf R 2,0 TSI mit 199 kW greift, legt sogar einen Tausender pro Monat ab. Damit ist noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Beim Mercedes-Benz CL 65 AMG kostet der Fahrspaß sogar 4.661 Euro – und das 12-mal im Jahr. Selbst das billigste Auto im Test, der Suzuki Alto 1,0 GA, verschlingt 305 Euro ( siehe Tabellen ).

Knackpunkt Wertverlust

Der teurere Sprit schlägt sich im Autobudget merklich nieder. Thomas Stix, ÖAMTC-Experte für Kfz-Technik: „Beim Diesel liegt der Anteil der Treibstoffkosten an den Gesamtausgaben von Neuwagen derzeit bei 14 bis 15 Prozent. Vor drei Jahren waren es erst 13 Prozent. Bei Benzinern hat sich der Wert von damals 14 bis 15 Prozent auf heute 17 bis 19 Prozent erhöht.“ Autofahrer haben aber mit effizienter Fahrweise und der Verwendung von Leichtlauföl und Leichtlaufreifen mehrere Chancen, der Zwickmühle hoher Treibstoffpreise zumindest teilweise zu entkommen. Darüber hinaus lohnt sich der Preisvergleich der günstigsten Tankstellen (siehe www.oeamtc.at/sprit" ).

Wesentlich stärker als die Sprit-Komponente wirkt sich allerdings der Anschaffungspreis aus. So liegt etwa der kalkulatorische Wertverlust für einen BMW 320d bei 423 Euro im Monat. Das ist mehr als die Hälfte der Gesamtkosten von 820 Euro im Monat. Stix: „Nach fünf Jahren liegt der durchschnittliche Restwert oft nur noch bei 35 bis 40 Prozent vom Listenpreis, bei ausgefallenen Modellen im Extremfall sogar nur bei 30 Prozent.“ Das größte Sparpotenzial nutzen demnach Autofahrer, die Autos aus zweiter Hand kaufen.

Wer taufrische Pkws bevorzugt, sollte aktuelle Angebote vergleichen, weichen doch die Preise von Neuwagen mit vergleichbarer Größe und Motorisierung je nach Anbieter zwischen 10 und 20 Prozent voneinander ab. Rabatte innerhalb dieser Bandbreite sind auch bei Auslaufmodellen durchaus üblich.

Bis 2.000 Euro Sonderrabatt

Zusätzlich locken die Autohersteller mit Sonderaktionen. So gewährt etwa Volkswagen aktuell mit der sogenannten Umweltprämie 1.500 Euro Rabatt auf Neuwagen. Mazda offeriert neue Autos mit dem als Wechselprämie titulierten Rabatt gleich um 2.000 Euro günstiger, Ford gewährt eine „Startprämie“, die 1.000 Euro Ersparnis beim Kaufpreis bringt. Darüber hinaus haben auch BMW, Mazda und Renault spezielle Einstiegsangebote im Talon. Bei der Wahl von Extras wiederum sollten Autokäufer bedenken, dass längst nicht jede teuer erstandene Sonderausstattung den späteren Wiederverkaufswert hebt. Laut dem Branchendienst Eurotaxxglass’s werden beim Verkauf eines Gebrauchtwagens etwa Klimaautomatik und Xenonscheinwerfer honoriert. Teure Alufelgen wiederum wirken sich praktisch nicht auf den erzielbaren Verkaufspreis aus.

Rabattschlacht der Versicherungen

Erhebliches Sparpotenzial ist bei der Autoversicherung zu heben. Franz Starritz vom Wiener Versicherungsmakler Nanke & Partner: „Bei Haftpflicht und Kasko geht es wieder drunter und drüber wie beim Preistief Ende der 90er-Jahre.“

Um den Diskontern wie HDI, VAV, Wüstenrot oder Zürich nicht zu viel Marktanteile abzugeben, gewähren die großen Platzhirsche laut Starritz Rabatte bis zu 50 Prozent auf den offiziellen Tarif. Dazu wird oft durch Kooperationen mit Autohäusern mit Kampfprämien gearbeitet. Diese liegen teilweise noch unter den Maklerkonditionen; dafür muss man aber Abstriche bei der Betreuung im Schadensfall machen. Tipp: Besonders nachlassbereit sind Versicherungen, wenn ihnen billige Vergleichsofferte vorgelegt werden. Hier wirken, so der Wiener Versicherungsmakler Werner Flandorfer, oft die Billigprämien der kleinen oberösterreichischen Versicherung Muki wahre Wunder, die neu in das Autogeschäft eingestiegen ist.

Benzin versus Diesel

Seit dieser Woche sind Super 95 und Diesel erstmals seit rund zwei Jahren wieder fast gleich teuer. Bei einem österreichweiten Durchschnittspreis von 1,342 Euro pro Liter Diesel und 1,352 Euro für Super gibt es aber vor allem in den östlichen Regionen sogar Tankstellen, bei denen Diesel schon teurer ist. Ein Grund ist die wiederbelebte Konjunktur, wodurch mehr Lkws unterwegs sind. Beim Autokauf gilt daher jetzt noch stärker als früher, dass sich Diesel vor allem bei Vielfahrern bezahlt machen. Ob sich angesichts des teuren Sprits der Kauf von Elektrofahrzeugen lohnt, ist laut ÖAMTC-Experte Stix noch schwer kalkulierbar: „Es gibt noch wenig Langzeiterfahrungen, wie lange die Batterie hält. Wenn man irgendwann die gesamte Batterie austauschen muss, wird das empfindlich teuer.“

Gleich ob Diesel oder Benzin: Mit dem amtlichen Kilometergeld von 42 Cent kommt kaum ein Autofahrer kostendeckend über die Runden, wie die Tabellen zeigen. Tipp: Prüfen Sie, ob Sie nicht mit der Abrechnung der Vollkosten besser fahren. Zwar muss man dann jede Quittung aufheben, dafür können aber sogar das Mautpickerl oder Parkgebühren von der Steuer abgesetzt werden.

Liste aller Modelle zum Download .

– Robert Winter, Martin Kwauka

So berechnet der ÖAMTC, was ein Auto wirklich kostet

Fünf Jahre lang 12.000 Kilometer. Die Vollkostenkalkulation des ÖAMTC beruht auf einer jährlichen Fahrleistung von 12.000 Kilometern. Der Wertverlust ergibt sich aus der Differenz von Listenpreis (inklusive neuer NoVA-Zuschläge ab März) und Verkaufswert nach fünf Jahren. Es sind keine Rabatte einkalkuliert, aber auch keine Ausstattungsextras. Die Versicherung zeigt die Prämie der ÖAMTC-Haftpflichttarife inklusive motorbezogener Versicherungssteuer in der Stufe 9 ohne Kasko prämie. Der Punkt Wartung enthält Kosten für Service, Reparaturen sowie Reifenkauf und -wechsel. Bei der Berechnung der Kraftstoffkosten wird der Normverbrauch zu aktuellen Treibstoffpreisen herangezogen. Die Zinskosten basieren auf Jahreszinsen in Höhe von fünf Prozent vom Kaufpreis. Bei den Gesamtkosten sind pauschal 25 Euro im Monat für Autowäsche, Parkscheine und Ähnliches berücksichtigt.

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