So fährt sich das Wasserstoff-Auto von Hyundai

Mit dem Brennstoffzellenauto war es wie mit dem Ungeheuer von Loch Ness - es gibt’s, es gibt’s nicht, es gibt’s doch. Nun ist es plötzlich da: FORMAT hat das erste Exemplar getestet.

So fährt sich das Wasserstoff-Auto von Hyundai

Toyota hat Mitte November mit dem "Mirai" sein erstes Wasserstoff-Auto angekündigt. Der "Mirai" ("Zukunft") soll ab 2016 erhältlich sein. Der Brenstoffzellen-Motor ist für den Konzern nach dem Hybrid und dem Erfolgsmodell "Prius" der nächste Schritt zu einer umwetfreundlichen Mobilität.

Lesen Sie hier den Artikel "Toyota Mirai: Die Brennstoffzellen werden gezündet"

Bereits seit dem Sommer ist das erste Wasserstoff-Auto, der Hyunday ix35 FCEV erhältlich. FORMAT hat den Hyundai mit Brennstoffzellenmotor als estes Magazin getestet.

TESTBERICHT Hyundai ix35 FCEV: SO FÄHRT MAN MIT WASSERSTOFF

Diese Technologie durfte in keiner Vision zur Zukunft der Mobilität fehlen: Seit den 1980er-Jahren gilt die Brennstoffzelle als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge des Verbrennungsmotors. Allerdings blieb es bis dato - abgesehen von einer Heerschar an Forschungsfahrzeugen - nur bei der Vision.

Ab sofort ist das anders: Als erster Hersteller am Markt bietet Hyundai seit Juli ein Brennstoffzellenauto leibhaftig zum Kauf an. Kaufen, genaugenommen mieten, kann das Brennstoffzellen-Serienfahrzeug jeder - das nötige Kleingeld (Vier-Jahres-Mietvertrag mit 1.816 Euro pro Monat!) vorausgesetzt.

Als erstes österreichisches Medium konnte FORMAT das technische Wunderding eine Woche lang unter Praxisbedingungen ausprobieren, das Ergebnis war einigermaßen überraschend.

Geräuschloses Dahingleiten

Von außen unterscheidet sich der neue Hyundai ix35 mit dem Zusatz "FCEV“ (Fuel Cell Electric Vehicle) fast durch nichts vom normalen Hyundai SUV-Modell mit Benzin- oder Dieselmotor (ab 18.990 Euro). Das ändert sich aber schlagartig, sobald man auf dem Fahrersitz Platz genommen hat. Statt eines Drehzahlmessers entdeckt man einen Energieanzeiger, der den aktuellen Stromverbrauch mitteilt.

Ein Druck auf den Power-Knopf lässt das Fahrzeug in Sekundenschnelle hochfahren. Nach dem Erscheinen von "Welcome” und "Go!“ auf dem kleinen Zentraldisplay kann man bereits losfahren, der Elektromotor läuft schon - und zwar völlig geräuschlos.

Das ändert sich auch nicht beim Druck aufs Gaspedal, alles was im normalen Fahrbetrieb zu hören ist, ist das Abrollgeräusch der Reifen. Der Grund: Der ix35 FCEV fährt rein elektrisch, den benötigten Strom liefern die Brennstoffzellen im Motorraum. Deren Energiequelle versteckt sich unter der Kofferraumabdeckung: einer von zwei Wasserstofftanks. Das Prinzip der Brennstoffzelle ist sozusagen die Umkehr der aus dem Schulunterricht bekannten Elektrolyse: Durch das Zusammenführen von Wasserstoff und Luft über eine Membran nebst Katalysator wird Strom erzeugt, das entstehende "Verbrennungsprodukt“ ist nur: Wasser.


Bild: © Rainer Grünwald

Fahren und Tanken

Abgesehen vom Fehlen eines Motorgeräuschs fährt sich der Brennstoffzellen-Hyundai fast wie ein normales Auto. Die Automatik beschleunigt sanft, aber äußerst effektiv, herzhafter Tritt aufs Gaspedal lässt den Wasserstoffverbrauch nach oben schnellen. Tanken an Österreich bisher einziger Wasserstofftankstelle im 21. Wiener Gemeindebezirk ähnelt dem Betanken eines Erdgasautos und ist in weniger als drei Minuten erledigt. Theoretisch hätten Autos mit Brennstoffzelle damit - im Gegensatz zu konventionellen Elektrofahrzeugen - eine unbegrenzte Reichweite, vorausgesetzt der "Sprit“ reicht bis zur nächsten Wasserstofftankstelle …

Steckbrief Hyundai ix35 FCEV
Motor: Brennstoffzelle mit 100 kW, Elektro-Frontmotor Leistung: 136 PS/100 kW Spitze: 160 km/h Test-Verbrauch: 1,4 kg Wasserstoff/100 km Test-Reichweite: 403 km Mietpreis: € 1.816,-/Monat

Die Wasserstoff-Autobahnen

Jahrzehntelang wurde nur geforscht und experimentiert, jetzt soll alles ganz schnell gehen. Bis 2017 wollen fünf weitere Big Player mit Brennstoffzellenautos starten. Kaum hatte Hyundai den Marktstart seines ersten Brennstoffzellen-Serienfahrzeugs bekanntgegeben, brachten sich auch Toyota und Honda mit Vorankündigungen in Stellung. Schon im nächsten Jahr sollen Hondas FCEV und Toyotas FCV auf Europas Straßen rollen.

Man darf gespannt sein - denn viel weiß man über die neuen Wasserstoffautos noch nicht. Hondas FCEV existiert derzeit nur als Studie, von Toyotas FCV kennt man zumindest den angepeilten Nettopreis für den japanischen Markt: rund 50.000 Euro. 2017 hat die Wasserstoff-Allianz aus Mercedes, Ford und Nissan die "großflächige Markteinführung” ihrer ersten Brennstoffzellenfahrzeuge angekündigt. Bis dahin soll auch das erste halbwegs flächendeckende Netz an Wasserstofftankstellen in Zentraleuropa "stehen".

Erste Etappe ist die Schaffung einer Art "Wasserstoff-Autobahn“ von Skandinavien bis Oberitalien, die über ausreichende Betankungsmöglichkeiten entlang der Nord-Süd-Achse verfügt.

Weiterlesen: Toyota Mirai: Die Brennstoffzellen werden gezündet

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