So lief die erste Führerscheinprüfung vor 120 Jahren ab

So lief die erste Führerscheinprüfung vor 120 Jahren ab

Carl Benz, Erfinder des Automobils, ließ sich 1888 ganz einfach vom Großherzoglichen Bezirksamt Mannheim den ersten Führerschein ausstellen. So konnte er ängstlichen Menschen eine gültige Fahrerlaubnis zeigen, wenn er mit knatterndem Gefährt daherkam.

Bis zur ersten offiziellen Fahrprüfung vor 120 Jahren in Paris dauerte es aber noch fünf Jahre. Die Automobile Club Association – eine Art französischer ADAC – nennt den 14. August 1893 als ersten Prüfungstag. Über den ersten Prüfling gibt es jedoch keine genaueren Angaben.

Schon das Starten, Lenken und Anhalten war eine Kunst

Mit der heutigen Führerscheinprüfung hatte der damalige Test laut einem Bericht des Magazins Focus jedenfalls nicht viel gemeinsam: „Die Prüflinge mussten den Wagen starten, lenken und anhalten“, sagt Christian Scholly von der Automobile Club Association. Was für Autofahrer heute simpel klingt, war damals mit einigen Anstrengungen verbunden. „Man konnte nicht einfach den Schlüssel umdrehen und losfahren“, weiß Malte Dringenberg vom Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart.

Lenker mussten die Zündung nachjustieren. Das konnte gefährlich werden

Fahrer hatten mit einer sperrigen Lenkung, riesigen Reifen und dem großen Gefährt zu kämpfen. Schon das Starten war eine Wissenschaft für sich: „Mit einem Hebel am Lenkrad mussten Autolenker die Zündung nachjustieren und dann so fest wie möglich an einer Kurbel unter dem Kühler drehen, um den Motor von Hand anzuwerfen“, sagt Dringenberg. Das Ganze war auch gefährlich, weil die Kurbel zurückschlagen konnte und so einige Armbrüche verursachte.

Reparaturkenntnisse wurden geprüft

Neben diesen Fertigkeiten wurden auch Reparaturkenntnisse abgefragt. „Weil Pferde immer wieder Hufnägel auf der Straße verloren, waren Reifenplatzer auch auf kurzen Strecken nichts Außergewöhnliches“, weiß Dringenberg zu erzählen.

Abgenommen hat die ersten Prüfungen in Paris das Bergamt, das für alle motorischen Geräte zuständig war. Führerschein-Aspiranten mussten männlich und mindestens 21 Jahre alt sein.

Frauen waren erst vier Jahre später zur ersten Prüfung zugelassen

Frauen waren erst vier Jahre später zur Prüfung zugelassen. Die erste Besitzerin eines Führerscheins wurde dann die Herzogin von Uzès. Eben diese Anne de Rochechouart de Mortemart war wenig später dann auch die erste Frau, die einen Strafzettel für zu schnelles Fahren kassierte. In Deutschland war Bertha Benz 1888 noch ohne Führerschein zu ihrer Schwester aufgebrochen. Urenkelin Jutta fährt noch heute regelmäßig mit alten Autos aus dem Mercedes-Benz-Museum.

In Paris bekamen erfolgreiche Prüflinge damals ein Zertifikat ausgestellt und durften mit maximal zwölf Kilometern pro Stunde durch die Stadt fahren. Vom Eiffelturm zum Louvre – eine Strecke, die Touristen heute recht schnell zurücklegen können – brauchte man mit dem Auto damals mehr als 20 Minuten.

Schon in den Jahren zuvor gab es lokale Regelungen für Kutscher und Fahrer erster Motorwagen. 1889 führte der Automobilpionier Léon Serpollet Amtsleuten die Fahrtüchtigkeit seines Dampf-Dreirads vor und bekam dafür die Erlaubnis, mit maximal 16 Kilometern pro Stunde durch Paris zu tuckern. Aber erst 1893 gab es dann die Verpflichtung für eine reguläre Fahrprüfung.

Anfangs war die Führerscheinprüfung den Menschen in Paris vorbehalten. Sechs Jahre später konnten Fahrer dann in ganz Frankreich das Examen ablegen. Die Prüfung blieb lange Zeit rein praktisch. Der theoretische Teil wurde zum Beispiel in Frankreich erst im Jahr 1970 eingeführt.

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