Sind Dieselautos bald nichts mehr wert?

Hohe Stickoxidbelastung durch Dieselautos könnten dessen Ende bedeuten, vielleicht schon bals in Großstädten.

Hohe Stickoxidbelastung durch Dieselautos könnten dessen Ende bedeuten, vielleicht schon bald in Großstädten.

Die EU hat Deutschland nun zu einem drastischen Schritt aufgefordert. Die Regierung soll Dieselautos wegen hoher Stickoxid-Belastung in 29 großen Städten verbieten. Welche drastischen Maßnahmen nun möglich sind.

Viele Hersteller können es wohl noch gar nicht recht fassen, aber die EU-Kommission hat nun die deutsche Regierung in einem 23-seitigen Mahnschreiben aufgefordert, in 29 deutschen Großstädten Dieselautos zu verbieten. Hauptursache sind laut Brüssel der in den vergangenen Jahren gestiegene Anteil des Diesel-Autos-Bestandes und damit verbundene hohe Stickoxid-Emissionen im Straßenverkehr. Eine hohe Stickoxid-Konzentration in der Luft erhöhen das Krebsrisiko und belasten das Klima.

So haben Forscher der International Council on Clean Transportation (ICCT) herausgefunden, dass Diesel-Autos siebenmal mehr Stickoxid als erlaubt ausstoßen. Anders als Kohlendioxid, das über Jahre das Klima beeinflusst, schädigen Stickoxide, kurz NOx, den Menschen direkt. Es schädigt die Atemwege, führt zu Entzündungen und Bronchitis. Bei länger andauernder hoher Konzentration nimmt die Zahl der Herzinfarkte zu. Auch Lungenödeme können die Folge sein. Allergien werden verstärkt.

De facto Enteignung von Dieselautobesitzern befürchtet

Ein Mahnschreiben der EU gilt als Vorstufe eines Vertragsverletzungsverfahrens. Hintergrund: In Städten wie Berlin oder München werden die Tagesgrenzwerte für Stickstoffdioxid immer wieder überschritten. Christian Pesau, Chef der Autoimporteure in Österreich: "Ohne Einschränkung, wie alt diese Autos sind, käme ein Verbot de facto einer Enteignung gleich.“

Ungerechtfertigte Forderung?

Der Verband der Automobilindustrie in Deutschland hält Brüssel entgegen, dass die Überschreitung, die, die besonders strengen NO2-Grenzwerte betrifft, nur zu zehn Prozent von Pkws stammt.
Die Stickoxid-Emissionen (NOx) sind nach Angaben des Umwelt-Bundesamtes (UBA) von 1990 bis 2013 in Deutschland sogar um 56 Prozent gesunken. Beim Straßenverkehr waren es sogar über minus 70 Prozent – trotz mehr gefahrener Kilometer. Seit dem Jahr 2000 wurden die Stickoxid-Emissionen bei neu zugelassenen Diesel-Autos - im von der EU speziell vorgeschriebenen Messverfahren - bereits um 84 Prozent reduziert. Die Wirkung ist laut Autoverband messbar: "Die Luftqualität wurde stetig verbessert und war seit Beginn der Messung noch nie so gut. Dies wird auch von der EU-Kommission anerkannt", so der Verband in einem aktuellen Statement.

Die Zeit läuft

Deutschland hat nun zwei Monate Zeit darauf zu reagieren. Die Umsetzung geeigneter Maßnahmen liegt laut EU in der Verantwortung der einzelnen, in ihrer jeweiligen Region für die Luftreinhaltung zuständigen Behörden.

Die Folgen für Fahrer von Diesel-Fahrzeugen könnten drastisch sein:

Um das Problem mit Dieselautos in den Griff zu bekommen, schlägt die Kommission "das Verbot von Dieselfahrzeugen in einigen städtischen Gebieten und die Förderung von Hybrid- oder Elektroautos oder anderer Fahrzeuge, die ohne Schadstoffausstoß betrieben werden können."

Drastische Steuererhöhungen drohen

Auch Steuererhöhungen hätten laut EU als Lenkungsmaßnahme schon längst eingeführt werden können: "In jedem Fall hätte Deutschland als ersten Schritt seine Steuerpolitik ändern können, die Anreize für Dieselfahrzeuge bietet", beschwert sich Brüssel in dem Schreiben an Deutschland. Dieses Versäumnis könnte nun nachgeholt werden. Damit drohen Dieselautos erhebliche steuerliche Benachteiligungen.

Auch in Österreich zu hohe NOx-Werte

Wird das Verbot umgesetzt, dürfte es früher oder später auch Städte in Österreich treffen. Auch hierzulande sind die Stickoxid-Emissionen in vielen Teilen des Landes zu hoch. Im Jahr 2012 etwa wurde an jeder vierten Messstelle der vom Immissionsschutzgesetz-Luft vorgeschriebene maximale Jahresmittelwert von 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten. Betroffen waren alle Bundesländer außer das Burgenland. Die höchste Belastung wurde im Ort Vomp an der A1, der Inntalautobahn gemessen. Insgesamt wurde an 16 Stationen der Grenzwert der Luftqualitätsrichtlinie überschritten.

Trendwende bei Diesel-Automarkt zeichnet sich ab

Laut einer Studie von CAR finden Diesel-Autos, zumindest vorerst in Deutschland, schon jetzt immer weniger Käufer. Im ersten Halbjahr 2013 wurden laut einer Studie mit 47,3 Prozent etwas weniger Neuwagen mit Diesel-Antrieb zugelassen als noch im Vorjahreszeitraum, in dem knapp 48 Prozent der Käufer einen Diesel wählten. Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Centers Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen. „Die starke Nachfrage nach Diesel der letzten Jahre ist gestoppt.“

Benziner aufgrund gesunkenem Spritverbrauch beliebter

Als Grund dafür nennt Dudenhöffer aber nicht die höhere Schadstoffbelastung durch Stickoxide von Dieselautos gegenüber benzinbetriebenen Modellen, sondern die wachsende Beliebtheit von kleinen, sparsamen Benzin-Motoren. Bislang galten Diesel als die sparsameren Motoren, doch durch zahlreiche Verbesserungen, wie vor allem die Verkleinerung des Hubraum, gelang es den Herstellern auch bei Benzinern niedrige Verbrauchswerte zu erzielen. Im ersten Halbjahr 2013 verfügten in Deutschland mehr als ein Drittel der neu zugelassenen Autos über einen Hubraum von weniger als 1200 cm. Im Jahr 2008 lag dieser Wert noch unter 16 Prozent.

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