Piech lässt bei Alfa Romeo nicht locker

Piech lässt bei Alfa Romeo nicht locker

Der mächtige VW-Aufsichtsratschef Ferdidand Piech hält auch nach zahlreichen Abfuhren durch Fiat-Chef Sergio Marchionne sein Interesse an einer Übernahme der zu dem italienischen Autobauer gehörenden Pkw-Marke Alfa Romeo aufrecht.

Der Porsche-Enkel machte am Mittwochabend am Rande einer Präsentation von neuen VW-Modellen im Vorfeld des Pariser Autosalons erneut deutlich, dass der Wolfsburger Konzern keine Eile habe, um sein Ziel zu erreichen. "Wir haben Zeit," sagte der 75-Jährige auf eine entsprechende Frage der Nachrichtenagentur Reuters. Vor zwei Jahren hatte Piech an gleicher Stelle bereits gesagt: "Wir sind geduldig, wir können warten." Dem Fiat-Konzern gehe es "noch zu gut".

Inzwischen macht die Absatzkrise in Europa Massenherstellern wie Fiat, Ford und Opel massiv zu schaffen. Auch bei VW sinken die Verkaufszahlen in Westeuropa, allerdings können die Wolfsburger dies durch höhere Auslieferungen in China, Russland und den USA mehr als wettmachen. Konzern-Chef Martin Winterkorn bekräftigte daher in Paris die Geschäftsziele. Volkswagen sei auch im September auf Kurs geblieben, nicht zuletzt dank guter Auftragseingänge beim neuen Golf. "Und deshalb halten wir - trotz allen Gegenwinds und aller nötigen Anstrengungen - unverändert an unseren ehrgeizigen Zielen für 2012 fest." Demnach will VW die Auslieferungen und den Umsatz im laufenden Jahr steigern und das operative Ergebnis halten.

Marchionne hatte jüngst klargemacht, dass sich der italienische Konzern trotz der massiven Probleme auf dem Heimatkontinent nicht von Alfa Romeo trennen wolle. Die Tochter stehe nicht zum Verkauf, betonte er zum wiederholten Mal und riet zudem Piech, sich nach einem anderen Übernahmeziel umzusehen. Neu angeheizt worden waren die Spekulationen über ein Interesse von Volkswagen an Alfa Romeo jüngst durch einen "Focus"-Bericht. Dem Magazin zufolge hatten Vertreter von VW mehrere Werke des italienischen Rivalen inspiziert.

Winterkorn will keine Zukäufe mehr

Winterkorn hatte indes vor nicht allzu langer Zeit erkennen lassen, dass er von weiteren Zukäufen abraten würde. "Wir haben momentan genug zu tun, unsere zwölf Marken dahin zu führen, wo wir 2018 als Konzern stehen wollen: auf Platz eins der weltweit führenden Autobauer", hatte Winterkorn einer Zeitung gesagt. Dabei verwies er auf die Integration der beiden Lkw-Bauer Scania und MAN, die viel Kraft verschlinge. Genauso fordernd seien die Aufgaben im Sportwagenbereich, zu dem neben Lamborghini, Bentley und Bugatti seit kurzem auch Porsche gehört. Alfa Romeo sei zwar eine reizvolle Marke, allerdings sei der Konzern mit seinen Marken gut beschäftigt.

Fiat leidet besonders stark unter der Absatzkrise in Europa und kann seine Werke kaum beschäftigen. Marchionne, der derzeit turnusmäßig den europäischen Herstellerverband ACEA führt, hatte sich deshalb vor einigen Monaten für eine Reduzierung der Kapazitäten aller Hersteller in Europa eingesetzt, war damit aber am Widerstand der Konkurrenz gescheitert. Den Zorn von VW hatte sich der selbstbewusste Fiat-Boss zugezogen, als er dem Wolfsburger Konzern vorwarf, durch eine aggressive Preisgestaltung ein "Blutbad" unter den anderen Herstellern anzurichten. VW hatte Marchionne daraufhin zum Rücktritt als ACEA-Chef aufgefordert. Mit Spannung wird deshalb erwartet, wenn Marchionne und Winterkorn beim regelmäßigen ACEA-Treffen am Rande des Pariser Autosalons aufeinandertreffen.

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