Opel: GM-Chef Dan Akerson will Radikalkur

Opel: GM-Chef Dan Akerson will Radikalkur

Der US-Autobauer General Motors will seine verlustreiche Europa-Tochter Opel mit einem großen Schnitt wieder fit machen.

Die Gespräche mit den deutschen Gewerkschaften beträfen das Schicksal aller dortigen Werke, sagte GM-Vorstandschef Dan Akerson am Dienstag unmittelbar vor einem Aktionärstreffen in Detroit. Er bezeichnete die Verhandlungen als "konstruktiv". Akerson lehnte es ab, sich zur Zukunft des als besonders gefährdet geltenden Werks in Bochum mit seinen 3100 Beschäftigten zu äußern. GM müsse sein Europageschäft in Ordnung bringen, so dass es dem Konzern nicht mehr auf der Tasche liege, betonte der Konzernchef.

Akerson verwies auf die Talfahrt der Automobilindustrie in Südeuropa, wo wegen der Schuldenkrise kaum noch neue Autos verkauft werden. "Ich weiß nicht, ob wir schon den Tiefpunkt gesehen haben", sagte der Konzernchef dem US-Fernsehsender CNBC. GM habe Fortschritte in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften gemacht, um die Produktion der gesunkenen Nachfrage anzupassen.

Der GM-Chef fügte hinzu, niemand habe gesagt, dass die Umwandlung in ein modernes Unternehmen ein leichter Gang werde. "Wir müssen flinker werden", betonte er. GM hatte nach seiner Blitzinsolvenz vor drei Jahren Tausende Jobs in Nordamerika gestrichen und zahlreiche Werke dichtgemacht. Befreit von hohen Kosten durch zu große Produktionskapazitäten und dank staatlicher Unterstützung kehrte GM im vergangenen Jahr an die Weltmarktspitze zurück, wobei auch die Schwäche von Toyota half. Nur Europa macht noch einen Strich durch die Rechnung. Aus der Rettungsaktion vor drei Jahren ist der US-Staat noch mit 27 Prozent an GM beteiligt. Deswegen sind Fortschritte bei der Gesundung des einstigen Vorzeigeunternehmens auch im Wahlkampf ein Thema.

In Europa verloren bereits in der zurückliegenden Sanierungsrunde 8000 Opel-Beschäftigte ihre Arbeitsplätze, das Werk im belgischen Antwerpen wurde geschlossen. Trotzdem schreibt GM in seinem Europageschäft mit den Marken Opel und Vauxhall nach wie vor rote Zahlen, im ersten Quartal belief sich der Verlust auf 256 Millionen Dollar. Die Marke mit dem Blitz leidet wie die Rivalen Peugeot und Fiat unter massiven Verkaufsrückgängen auf dem alten Kontinent. GM versucht, sein Europageschäft durch eine Allianz mit Peugeot profitabel zu machen. Analysten bezweifeln allerdings, dass dabei kurzfristig Erfolge erzielt werden. Aufgrund der kaum ausgelasteten Fabriken geht Akerson davon aus, dass es zwei Jahre dauern wird, bis das Europageschäft die Wende schaffen wird.

Verluste in Europa türmen sich auf

Der US-Konzern hat in den vergangenen Jahren mehrere Anläufe unternommen, um Opel profitabel zu machen - vergeblich. Die Verluste der vergangen zehn Jahre türmen sich auf 14 Milliarden Dollar. Arbeitnehmer und Vorstand verhandeln seit Wochen mit Hochdruck über weitere Einsparungen. Dabei geht es auch um die Zukunft der europäischen Werke mit zuletzt knapp 40.000 Beschäftigten. Erste Zwischenergebnisse sollten nach Angaben von Konzerninsidern am Dienstag im GM-Verwaltungsrat beraten werden, der im Anschluss an die Hauptversammlung tagen soll.

Der Bochumer Betriebsrat rechnet damit, dass GM dann Vorentscheidungen treffen wird, an denen sich Opel orientieren soll. Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke will dem Opel-Aufsichtsrat am 28. Juni einen Unternehmensplan präsentieren, um die GM-Tochter aus den roten Zahlen zu führen. Bis dahin sollen die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern weitgehend abgeschlossen sein.

Arbeitnehmer und Politik befürchten, dass auch Werksschließungen auf die Tagesordnung kommen. Opel ist allerdings noch bis Ende 2014 an einen Standortsicherungsvertrag gebunden, der betriebsbedingte Kündigungen und die Schließung von Fabriken ausschließt. Deshalb halten es Arbeitnehmer für wahrscheinlich, dass der Opel-Vorstand im Aufsichtsrat noch keine konkreten Aussagen über die Zukunft einzelner Standorte machen wird.

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