Neue Hoffnung für Europas Autobauer in Detroit

Während die Branche in Westeuropa angesichts der Schuldenmisere in den Seilen hängt und wohl noch auf Jahre angeschlagen bleiben dürfte, rechnen Experten jenseits des Atlantiks mit weiteren Verkaufszuwächsen.

Neue Hoffnung für Europas Autobauer in Detroit

"Die USA sind zum Hoffnungs- und Ausgleichsmarkt geworden", meint Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer. Wie der Leiter des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen schätzen auch andere Experten, dass sich die US-Verbraucher nicht von staatlichen Sparzwängen abschrecken lassen und sich weiter neue Autos in ihre Garagen stellen.

"Die Grundstimmung der deutschen Autobauer auf der Detroiter Motorshow ist also nicht schlecht. Einige wie VW strotzen vor Selbstbewusstsein", sagt Dudenhöffer. Wenn die Hersteller ab Montag in der Cobo-Halle am Detroit River im glitzernden Scheinwerferlicht an ihren Messeständen ihre neuen Pick-ups, alltagstauglichen Geländewagen und sparsamen Kompaktwagen enthüllen, wird wohl nur über die Höhe der erwarteten Zuwächse in den USA diskutiert. "In Europa wird es weiter abwärtsgehen - aber dank der Absatzzuwächse in China und den USA dürften die deutschen Hersteller vorerst ohne größere Blessuren durch die Krise kommen", schätzt Autoexperte Stefan Bratzel. Vor allem die deutschen Premiumautobauer können in den USA und China die Krise auf dem Heimatkontinent wettmachen, während Massenhersteller wie die GM-Tochter Opel, Peugeot und Ford in Europa Werke schließen müssen.

Bratzel, der das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach leitet, weist zugleich auf die Risiken hin, die mit der hohen Staatsverschuldung in den Vereinigten Staaten verbunden sind. Mit der Einigung im Haushaltsstreit habe sich die US-Regierung nur vorübergehend Luft verschafft. Schon bald könnten Einschnitte bei staatlichen Ausgaben auf die Tagesordnung kommen, die das Konsumklima und damit die Autonachfrage auf dem nach China weltweit zweitgrößten Pkw-Markt bremsen würden. "Hurra-Laune" sei daher fehl am Platz, auch wenn der US-Markt aktuell in guter Verfassung sei. In ein bis zwei Jahren könnte die Party vorbei sein, glaubt Bratzel.

"Rezession wird so nicht kommen"

Sein Kollege Helmut Becker vom Münchner Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation rechnet indes nicht mit einem Konjunktureinbruch. "Die Rezession, die von einigen an die Wand gemalt wird, wird so nicht kommen", ist der frühere BMW-Chefvolkswirt überzeugt. Er setzt vielmehr auf Selbstheilungskräfte. "Wenn die USA ernsthaft mit der Konsolidierung beginnen, dann ist das ein Befreiungsschlag für die Welt." Der Hauptaufschwung in Amerika sei allerdings vorüber, es folge Stagnation.

In China dürfte die Konjunktur 2013 unterdessen wieder an Fahrt gewinnen, wovon der Autoabsatz in den Riesenreich profitieren wird. Die Gewichte in der Autowelt verschieben sich dadurch weiter: China und Nordamerika gewinnen immer stärker an Bedeutung, während Europa nach Überzeugung von Experten auf absehbare Zeit Sanierungsfall bleibt.

Damit werden China und Amerika auch als Produktionsstandorte für die deutsche Automobilindustrie immer wichtiger. Das neue Werk von VW in Chattanooga, die Erweiterung der Fabriken von Daimler in Tuscaloosa und BMW in South Carolina und der Bau eines eigenen Standorts der VW-Tochter Audi in Mexiko belegen diesen Trend. Auch in Brasilien entstehen neue Fabriken. In Asien stocken die deutschen Autobauer - angeführt von Volkswagen - ihre Kapazitäten bereits seit geraumer Zeit massiv auf.

Rosige Zukunft für BMW, Daimler, VW & Co

Becker verheißt BMW, Daimler, VW & Co eine rosige Zukunft: "Die deutsche Automobilindustrie wird auch in stagnierenden oder schrumpfenden Märkten Marktanteile gewinnen", ist der IWK-Experte überzeugt. Das habe es seit 50 Jahren nicht mehr gegeben.

VW hat sich in den USA im vergangenen Jahr von einem Nischenanbieter emporgearbeitet und knüpft dort an vier Jahrzehnte zurückliegende Erfolge an. BMW hat die Krone auf dem hart umkämpften Premiummarkt verteidigt. Auch Daimler profitierte vom Trend zu teuren Autos in Amerika, kam wegen Modellwechseln aber nicht so schnell in Fahrt. In den USA werde die Strategie der Stuttgarter, die Spitze der Premiumautobauer in den nächsten Jahren zurückzuerobern, jedoch am ehesten sichtbar, glaubt Dudenhöffer.

Die deutschen Autobauer steigerten ihren Marktanteil in den USA im abgelaufenen Jahr nach Dudenhöffers Berechnungen um einen halben Prozentpunkt auf 8,7 Prozent, während die US-Hersteller an Boden verloren. Marktführer General Motors schrumpfte um 1,7 Punkte auf 17,9 Prozent, Nummer zwei Ford sank um 1,3 Punkte auf 15,5 Prozent. Sein Kollege Becker rechnet damit, dass der Trend zu Wagen mit hoher Qualität, ausgeklügelter Technik, sparsamen Motoren und deutschem Design anhalten wird und Marken 'Made in Germany' den US-Platzhirschen weitere Marktanteile abnehmen werden.

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