Mobilität der Zukunft

Laut einer Studie wird der Verkehr 2030 besser funktionieren als heute. Private Parkplatzvermietung und interaktive Autos könnten Teil der Lösung sein.

Mobilität der Zukunft

Die Zukunft wird besser - zumindest was den effizienteren Einsatz von Fortbewegungsmitteln in Metropolen betrifft. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie des Instituts für Mobilitätsforschung (ifmo) von BMW über die Zukunft der Mobilität im Jahr 2030.

Vor allem junge Menschen verändern ihr Verkehrsverhalten stark. Die Gründe dafür sind vielfältig. Junge Leute wohnen öfter in Städten als in der Vergangenheit, die Familiengründung findet später statt, es gibt mehr Singlehaushalte. "Gerade junge Männer, für die Autos lange ein wichtiges Prestigeobjekt waren, stellen bei Kauf und Nutzung eines Fahrzeuges zunehmend ganz pragmatisch eine Kosten-Nutzen-Rechnung an“, analysiert Irene Feige, Leiterin der ifmo-Studie. Ähnliches ermittelte das deutsche Marktanalyseunternehmen Allensbach: Demnach haben nur noch 27 Prozent der Männer heute am Thema Auto "besonderes Interesse“.

Die Wahl der Verkehrsmittel hängt auch stark von der Einkommenssituation ab. So haben gerade die zunehmenden jungen Singlehaushalte bereits heute weniger Geld als früher. Das reale Bruttoeinkommen der unter 35-Jährigen ist, laut der Studie, in Deutschland zwischen 1998 und 2008 im Mittel um zehn Prozent auf monatlich 1.800 Euro gesunken.

Autobesitz bleibt hoch

Trotzdem wird der Autobesitz im Jahr 2030 laut der Mobilitätsstudie kaum zurückgehen. Feige: "Die Menschen wollen zwar nach wie vor nicht auf ihr eigenes Auto verzichten, benutzen aber häufiger öffentliche Verkehrsmittel.“ Bereits seit dem Jahr 2006 ist die Nutzung des Autos pro Woche im Schnitt von 280 auf 220 Kilometer zurückgegangen. Davon profitierte bisher vor allem das Fahrrad. Sechs Prozent fuhren im Jahr 2000 in Deutschland mit dem Drahtesel, 2012 waren es bereits neun Prozent.

Ob die Effizienz im öffentlichen Verkehr steigt, hängt laut Studie stark von der wirtschaftlichen Gesamtsituation ab. "Je stärker eine Region wächst, umso mehr wird in die Leistungsfähigkeit der Verkehrssysteme investiert“, so das Ergebnis der Studie. Doch ob Boom oder wirtschaftlicher Stillstand, ein Verkehrskollaps steht laut ifmo-Prognosen nicht bevor. Selbst in einem prosperierenden Umfeld, in dem die Wirtschaft bis 2030 um 35 Prozent wächst, wird der Personenverkehr mit 0,2 Prozent nur marginal zulegen. "Der Grund wird der schwache Bevölkerungszuwachs sein, selbst wenn die Wirtschaft floriert“, erläutert Feige. Nur der Güterverkehr reagiert bei hohem Wachstum mit einem Anstieg von bis zu 50 Prozent.

Klare Suche nach Verbindungen

Doch der Trend, die Verkehrsmittel noch klüger miteinander zu vernetzen, dürfte selbst in schwachen wirtschaftlichen Phasen nicht mehr aufzuhalten sein. Um den Umstieg von privatem auf öffentlichen Verkehr zu erleichtern, muss aber der Nahverkehr noch deutlich verbessert werden. Feige: "Bevölkerungsschichten, die nur gelegentlich irgendwohin müssen, sind schnell von Fahrplänen und Umsteigemöglichkeiten verwirrt. Klare Preise und einfache Suche nach Verbindungsmöglichkeiten, am besten per Handy, sind notwendig.“

Große Hoffnungen setzen die Stadtplaner in den Metropolen auch auf das Rad. Um so viele wie möglich zum Radfahren zu bewegen, wurde etwa in Kopenhagen auf stark befahrenen Strecken für Radler die grüne Welle eingeführt. Das Durchschnittstempo stieg darauf um 33 Prozent auf 20 Stundenkilometer, ohne dass anderen Verkehrsteilnehmern große Nachteile entstanden wären.

Parkhäuser mit Dusche für Radler

In Tokio verwahrt ein Roboter an den verkehrsreichsten U-Bahn-Stationen bis zu 9.400 Fahrräder in einem automatischen Parkhaus. Und die Millionenstadt Chicago lockt Radfahrer mit geheizten Parkhäusern - Dusche und Werkstatt inklusive.

Die Hoffnung, dass Lärm und verpestete Luft bis 2030 durch Elektroautos nennenswert zurückgehen, ist nach Ansicht von Feige allerdings gering. "Maximal zehn Prozent der Autos werden über einen alternativen Antrieb verfügen. Denn nur wenige sind bereit, die hohen Anschaffungskosten zu zahlen.“ Aber Hersteller, die einfache Möglichkeiten bieten, die Batterie aufzuladen, werden zunehmen.

Selbst wenn die Zahl der Autos nur geringfügig steigt: Einen Parkplatz zu finden ist bereits heute ein Problem. In großen englischen Städten wie London gibt es deshalb ein Pilotprojekt, um die Parkplatzknappheit zu bekämpfen. So hat BMW mit Parkatmyhouse auf der Insel ein Geschäftsmodell gestartet, bei dem Haus- und Wohnungsbesitzer ihren Parkplatz in der Zeit, in der sie den Platz nicht brauchen, an Fremde vermieten. Die Kosten für einen solchen Parkplatz liegen je nach Lage zwischen sechs und 25 Euro pro Tag. Die Onlineplattform von BMW, die mittels App die neue Art der Parkplatzsuche ermöglicht, verdient an jeder Transaktion 15 Prozent. "Wir haben bereits 150.000 Kunden, denen rund 60.000 Parkplätze zur Verfügung stehen“, erklärt Anthony Eskinazi von Parkatmyhouse.

Mobilitäts-Mix

Selbst wenn sich der Verkehr stärker auf Bus und Bahn verlagert und mehr Rad gefahren wird, bleiben die Kapazitäten des Straßennetzes ein Problem. Um den Verkehr in neue Bahnen zu lenken, sind nach Ansicht von Experten deshalb auch Fahrzeuge nötig, die per Funk mit dem Gegenverkehr, dem Vordermann und Sensoren am Straßenrand kommunizieren. Informationen über Unfälle, Staus und den Straßenzustand werden so ausgetauscht und weitergegeben. Ein zentraler Verkehrscomputer schlägt Ausweichrouten vor und schaltet bei Bedarf zusätzliche Fahrspuren frei. Und die Ampeln wissen sofort, wie viele Autos an der Haltelinie warten und wohin diese wollen. So können sie den Verkehrsfluss optimal steuern.

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