Mini will kein "Mädchen-Auto" sein

Mini will kein "Mädchen-Auto" sein

Fast 80 Prozent aller Mini-Besitzer in China sind Frauen - das ist der höchste Anteil von weiblichen Kunden unter allen Automarken. Das zeigt eine Schätzung des Marktforschers J.D. Power & Associates. Jetzt bemüht sich das Unternehmen, dem Mini ein paar mehr männliche Züge zu verpassen.

So lässt sich wohl der Billardtisch im Autohaus von Schanghai erklären. Oder auch die mit Minis ausgeführte Autotour nach Tibet, welche das Unternehmen vor kurzem organisierte.

“Man will nicht, dass man zunehmend als Mädchen-Auto wahrgenommen wird”, sagte Sean Green, Chef für das chinesische Mini-Geschäft, in einem Interview mit Bloomberg News. “Man schreckt damit nicht nur die Männer ab, sondern stößt auch eine Menge Frauen vor den Kopf, weile viele Frauen keine weibliche Marke kaufen wollen.”

China ist für Mini der viertgrößte Markt - nach den USA, Großbritannien und Deutschland. Die weltweit wohl wichtigsten Konkurrenten sind der Smart von Daimler AG, der Fiat 500 von Fiat SpA und der Beetle von Volkswagen AG.

Die Auslieferungen des Mini, einer Konzernmarke der Bayerischen Motoren Werke AG (BMW), sind in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres in China um 18 Prozent gestiegen - während der Pkw-Markt insgesamt nur um 11 Prozent zulegte. Das zeigen Daten von Unternehmen und Branchenverbänden. Mini verkaufte in dem Zeitraum 11.440 Fahrzeuge und konnte damit Smart und Fiat 500 schlagen.

Dabei ist der Mini nicht billig. Der Startpreis in China liegt bei 205.00 Yuan (24.000 Euro). Für einen Audi A3 müssen Kunden weniger bezahlen.

Der Mini ist unter chinesischen Frauen zum Statussymbol aufgestiegen, sagte Munling Cheong, Marktforschungs-Direktorin bei Labbrand Enterprise Management Consulting (Shanghai) Co. Sie würden das Design lieben und die Verbindung zu BMW als Luxus sehen: “Er ist sehr süß. Er spricht Frauen an, die ein bisschen verspielt sind, weil die Marke verspielt ist.”

Um mehr Männer anzusprechen, ist “Mini betont männlich auf einigen Kommunikationswegen”, sagte Green, der zuvor Chef für Verkauf und Marketing der Marke auf 26 europäischen Märkten war. Er nennt als Beispiel die Einführung des Hochleistungs-Modells John Cooper Works in China im Juni 2013. Es ist benannt nach einem Ingenieur, der in den 1960er Jahren eine Rally-Version des Minis entwickelt hatte.

“Sie werden keinen Hello Kitty Mini sehen”, sagte Green mit Blick auf die Markenstrategie.

Als Teil der Expansion in China wird Mini in jedem Jahr laut Green zwischen 10 und 15 neue Autohäuser eröffnen. Bislang gibt es 97 in dem Land. Für den Moment habe das Unternehmen keine Pläne, den Mini in China zu bauen - auch wenn damit Einfuhrzölle von rund 25 Prozent vermieden werden könnten.

Trotz der Suche nach mehr männlichen Käufern will Mini nicht seine wertvolle Nischen-Stellung unter gut verdienenden Frauen in China aufgeben. Rund 53 Prozent der Mini-Besitzer verdienen mehr als 20.000 Yuan im Monat - verglichen mit einem Branchenschnitt von 19 Prozent, berichtete Songlin Mei von J.D. Power China.

In China gibt es 17 Millionen Frauen mit Universitäts- Ausbildung im Alter zwischen 25 und 34 Jahren, von denen mindestens 4,5 Millionen unverheiratet sind. Das erklärte Soziologie-Professor Wang Feng, der an der Fudan-Universität in Schanghai und der University of California in Irvine unterrichtet. “Das ist eine sehr mächtige Verbrauchergruppe, und sie wird immer größer”, sagte er.

“Es ist eine der Herausforderungen, die man hat, wenn man ein kleines Auto hat - man tendiert dazu, sich in Richtung der weiblichen Käufer zu bewegen”, sagte Green. “Ist das ein Problem für Mini? Nein, wir sind trotzdem sehr erfolgreich. Wie heißen weibliche und männliche Käufer willkommen.”

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