Mercedes: Verdacht auf viel höhere Abgase als im Labor

 Mercedes: Verdacht auf viel höhere Abgase als im Labor

Berner Fachhochschule: 2,5 Mal so hohe NOx-Werte bei einem Mercedes-Modell als im Labor.

Der deutsche TV-Sender ZDF und die Deutsche Umwelthilfe nehmen derzeit Mercedes in die Mangel. Denn Tests haben deutlich höhere NOx-Werte ergeben als im Labor. Daimler wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat bei ihrer Kritik an überhöhten Diesel-Abgaswerten nach Opel und Renault nun auch Daimler ins Visier genommen. Bei Messungen der Abgaswerte eines Mercedes-Modells sei bei warmem Motor ein mehr als doppelt so hoher Ausstoß ermittelt worden wie bei einem kalten Motor.

Die Tests durch die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule hätten ergeben, dass der Grenzwert für Stickoxid mit 149 Milligramm pro Kilometer eingehalten wurde, wenn das Fahrzeug tags zuvor konditioniert worden sei. Mit warmem Motor seien 337 und 352 Milligramm gemessen worden. DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch forderte die deutschen Autohersteller dazu auf, ab 2016 bei Diesel-Pkw die viel strengeren Stickoxid-Grenzwerte der USA einzuhalten.

Auch das ZDF-Magazin "Frontal 21" hatte mit dem gleichen Mercedes ( C200 CDI Blue Efficiency) mit Erstzulassung 2011 von der Berner Fachhochschule testen lassen. Dieser Test ergab ebenfalls höhere Werte als zulässig. "Den damit verbundenen Vorwurf der Manipulation weist die Daimler AG erneut auf das Schärfste zurück", erklärte Daimler. Mercedes-Fahrzeuge entsprächen in vollem Umfang den geltenden Vorschriften.

2,7 Mal so hoher NOx-Wert bei Mercedes als im Labor


Das ZDF dazu: Die Abgasemissionen wurden dabei – anders als im Labor – mit einem mobilen Messgerät, einem sogenannten PEMS ermittelt. Bis heute hat noch niemand einen solchen Test unternommen und computergestützt den offiziellen Fahrzyklus auf der Straße nachgefahren. "Die Messresultate zeigen, dass die Fahrzeuge sich auf dem Rollenprüfstand anders verhalten, als wenn sie auf der Straße betrieben sind", so das Fazit der Schweizer Abgasprüfstelle an der Berner Fachhochschule.
Nach Abzug der höchsten Messabweichungen zwischen Labormessgerät und PEMS lag der NOx-Wert für den Mercedes C200 CDI bei dem NEFZ auf der Straße auf 420 mg/km NOx, das 2,7-fache des Laborwerts, wiederum nach Abzug der höchsten Messabweichung zwischen PEMS und Labormessgerät. Das Zdf, dass die Berner Fachhoschule mit den Test beauftragte, lies auch den BMW 320d (Erstzulassung 2009) und einen VW Passat 2.0 TDI Blue Motion (Erstzulassung 2011) testen. Der VW Passat stieß nach Abzug der höchsten Abweichung 471 mg/km NOx aus, das 3,7-fache des Laborwerts. Details zu dem Thema finden finden Sie hier.

Nach derzeitiger Rechtslage können die Autohersteller zur Feststellung der Abgaswerte im Prüfstand Änderungen an den Fahrzeugen vornehmen, also etwa den Reifendruck erhöhen. Die Schadstoffemissionen im Realbetrieb sind in der Regel höher, was derzeit rechtlich zulässig ist. Ab 2017 sollen strengere Regeln in der Europäischen Union gelten.

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