Mercedes S-Klasse wird zum Objekt der Begierde – bereits 12.000 Bestellungen

Mercedes S-Klasse wird zum Objekt der Begierde – bereits 12.000 Bestellungen

"Wir können den Marktanteil im Topsegment erhöhen", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche beim Bandanlauf der neuen S-Klasse in Sindelfingen. Seit dem Verkaufsstart vor vier Wochen seien rund 12.000 Bestellungen für das ab 80.000 Euro erhältliche Auto eingegangen. Mit dieser Orderzahl sei Daimler "außerordentlich zufrieden", sagte Zetsche.

Die ersten Modelle der Luxuslimousine, die in insgesamt sechs Varianten gebaut werden, kommen Ende Juli zu den Kunden. Mit der ausgeweiteten Modellvielfalt will Daimler auch die Einbußen durch den Produktionsstopp der Luxusmanufaktur Maybach kompensieren, die bei nur einigen hundert Auslieferungen pro Jahr zu viel Geld verschlang. Zudem sollen die Fahrzeuge in mehr Märkten als bisher verkauft werden.

Die S-Klasse ist das Symbol der Marke Mercedes-Benz und das renditeträchtigste Auto im Konzern. Durch verbesserte Logistik und eine effizientere Montage sei die Fertigungszeit gegenüber dem Vorgängermodell um zehn bis 20 Prozent gesunken, sagte der Leiter des Pkw-Werks Sindelfingen, Willi Reiss. In den sechs geplanten Modellen würden bis zu 90 Prozent gleiche Bauteile und Komponenten eingesetzt, auch dadurch ergäben sich Kostenvorteile.

Die Vorgängerversion des Mercedes-Topmodells lief während der siebenjährigen Produktionszeit rund 500.000 mal vom Band, im vergangenen Jahr wurden 65.000 Fahrzeuge der S-Klasse ausgeliefert. Knapp die Hälfte der Fahrzeuge ging nach China, vor allem bei Geschäftsleuten ist die S-Klasse beliebt. Kein Autobauer verkauft weltweit mehr Luxuswagen in diesem Fahrzeug-Segment als Daimler.

Zetsche rechnet nicht mit China-Strafzoll

Eine Ausweitung des Handelsstreits zwischen Europa und China mit Strafzöllen auf europäische Luxusautos erwartet Daimler-Chef Zetsche nicht. "Ich sehe nicht, dass sich ein Konfliktpotenzial entwickeln wird", sagte der Manager. Die Autoindustrie in Europa, die derzeit von der boomenden Nachfrage in China profitiert, wäre "mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir das zulassen würden". Die Spekulationen über mögliche Strafzölle der chinesischen Regierung auf europäische Luxusautos seien in Europa aufgekommen und stammten nicht aus China. Er hoffe, dass in den Handelsstreit mit China über Solarmodule und Wein "in absehbarer Zeit Vernunft einkehrt".

Die S-Klasse wird ausschließlich in Sindelfingen gebaut, neun von zehn Fahrzeugen gehen ins Ausland. In Thailand werden aus in Sindelfingen gefertigten Bausätzen zusätzlich einige Fahrzeuge für asiatische Märkte montiert. Zetsche schloss aus, die S-Klasse, wenn sie von Strafzöllen betroffen wäre, auch in China zu produzieren. Das sei "kein Szenario" für Daimler. In Sindelfingen habe Daimler das am besten geschulte Personal, der Aufwand für die Fertigung der notwendigen zusätzlichen Werkzeuge sei zu groß.

Daimler hat sich wegen der seit längerem schrumpfenden Ertragskraft der Pkw-Sparte mit den Marken Mercedes-Benz und Smart ein Sparprogramm vorgenommen, das bis Ende kommenden Jahres die Ausgaben um zwei Milliarden Euro senken soll. Ein guter Teil des Einsparpotenzials soll bereits im laufenden Jahr durch geringere Kosten für Produktion, Einkauf und Forschung hereingeholt werden. "Wir sind für dieses Jahr besser unterwegs als angenommen", sagte Zetsche. Das Pkw-Werk in Sindelfingen mit gut 22.000 Beschäftigten, in dem auch noch die Mercedes E- und C-Klasse vom Band rollen, habe das Potenzial "eines der effizientesten Werke" zu werden, sagte Mercedes-Produktionschef Andreas Renschler. Mit dem Betriebsrat werde über die künftige Arbeitsorganisation verhandelt. Die vergleichsweise hohen Tarifgehälter am Standort sind laut Werkleiter Reiss aber eine "Herausforderung".

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