Maserati – Unter deutscher Führung auf Erfolgskurs

Maserati – Unter deutscher Führung auf Erfolgskurs

Bei Maserati hat man Grund, zu feiern: 2014 markiert nicht nur das 100-jährige Jubiläum der italienischen Traditionsmarke, sondern auch das Jahr der mit Abstand höchsten Verkaufszahlen der Firmengeschichte.

Allein von 2012 auf 2013 stieg der Absatz von 6.288 auf 15.400 Autos. Und der rasante Aufstieg soll noch lange nicht zu Ende sein. Man wagt sich in neue Märkte und startet eine Reihe neuer Modelle.

Der Erfolg der letzten Jahre ist für Maserati jedoch etwas geradezu Ungewohntes. In seiner hundertjährigen Geschichte wechselte die Marke sieben Mal den Besitzer. 1993 landete sie nach Abstechern zu Citroën, Chrysler und DeTomaso schließlich bei Fiat. Das Problem war jedoch: Fiat hatte schon Ferrari, und eine zweite Sportwagenmarke brauchte man eigentlich nicht. Also schob man Maserati gleich komplett zu Ferrari ab, wo die Marke mit dem Dreizack zu einer Abteilung von Ferrari degradiert wurde.

Die radikale Schocktherapie tat Maserati allerdings gut. Ferrari spendierte dem angeschlagenen Hersteller eine neue Fabrik, die alte stammte noch aus den 40er-Jahren. Unter Ferrari definierte Maserati auch seinen neuen Look und die Markenstrategie. Profitabel wurde Maserati unter Ferrari allerdings nie.

Renaissance des Dreizacks

2005 endete diese Herrschaft: Als eigenständige Tochter unter Fiat erhielt der Hersteller nun Bewegungsfreiheit, um sein Comeback zu inszenieren. Und das gelang: 2007 konnte Maserati - zum ersten Mal seit der Fiat-Übernahme - Gewinne vorweisen. Sogar während der Krisenjahre 2009 und 2010 schrieb man schwarze Zahlen, obwohl fast die Hälfte des Umsatzes wegbrach. So richtig startete Maserati allerdings erst im vergangenen Jahr durch: Zwei Modelle, der aufgefrischte Quattroporte und der ganz neue Ghibli, kurbelten den Absatz auf ein historisches Rekordhoch. Maserati-Boss Harald Wester hat jedoch noch weit höhere Ziele: "2015 planen wir, 50.000 Fahrzeuge zu verkaufen.“ Das wäre noch einmal eine Verdreifachung. Die offensive Expansion der Marke steht auf soliden finanziellen Beinen: 2013 lag der Umsatz bei 1,65 Milliarden Euro (plus 120 Prozent), der Gewinn bei 106 Millionen Euro. Auch die Markenpolitik hat man innerhalb des Fiat-Konzerns in Ordnung gebracht: Maserati soll die Nische zwischen Alfa Romeo und Ferrari besetzen. Maserati und Ferrari sollen sich so im Automarkt gar nicht erst groß in die Quere kommen.

Das bedeutet allerdings auch, dass Ferrari seine Expansionspläne nach unten zügeln muss. Das lukrative Segment luxuriöser Limousinen und Sport-Coupés gehört für die nächste Zeit erstmal fix Maserati.

Volle Offensive

Maserati versteht sich zwar selbst auch weiterhin als Sportwagenhersteller, längst machen aber Limousinen wie der Quattroporte rund 70 Prozent des Gesamtgeschäftes aus. Das soll sich in Zukunft auch nicht ändern.

Mit dem Ghibli hat man 2013 ein neues Modell auf den Markt gebracht, das im Revier deutscher Premiumlimousinen wildert. Hier wird Modellen wie der Mercedes E-Klasse, dem Audi A6 und dem 5er-BMW Konkurrenz gemacht. 2015 geht die Expansion weiter: Es folgt der Luxus-SUV Levante und ein Sport-Coupé, das in direktem Wettbewerb zu Porsche 911 und Jaguar F-Type platziert wird.

Harald Wester hat keine Skrupel, mit der historischen Tradition der Marke zu brechen. So gibt es Quattroporte und Ghibli erstmals in der Firmengeschichte auch mit Dieselmotor. "Ohne Diesel würde man sich heute vielen geografischen Märkten komplett verschließen“, begründet Wester. "In Großbritannien werden im Premiumlimousinensegment fast 90 Prozent aller Fahrzeuge mit Diesel ausgeliefert.“ Ein Novum bei Maserati ist auch der Allradantrieb. Der scheint den Absatz bei Limousinen zusätzlich anzukurbeln: Fast die Hälfte der verkauften Maserati-Viertürer werden von den Kunden mit Allrad bestellt.

Radikalbruch

Sogar den angestammten Firmensitz in Modena, nur einen Steinwurf vom Konkurrenten Ferrari entfernt, hat man zumindest teilweise verlassen. Letztes Jahr eröffnete Maserati ein neues Werk in der für 1,5 Milliarden Euro modernisierten Bertone-Halle in der Nähe von Turin. Ein sinnvolles Investment: Während die Konzernmutter Fiat zunehmend auf Kurzarbeit umstellt, ist das neue Werk von Maserati bis zum Herbst voll ausgelastet.

Noch ist Maserati aber nicht ganz auf Augenhöhe mit den deutschen Premiummarken. Gerade bei Fahrassistenzsystemen und Konnektivität muss der italienische Hersteller noch deutlich nachlegen. Zudem erwarten Kunden in diesem Segment regelmäßige Produktpflege - ein Fahrzeug mit minimalen Änderungen über zehn Jahre zu bauen, wird’s für Maserati nicht mehr spielen.

Herausforderungen

Mit den kommenden Modellen im Limousinen-, Coupé- und SUV-Bereich wagt sich Maserati an einen Käuferkreis, mit dem man bisher nur wenig Kontakt pflegte: Geschäfts- und Fuhrparkkunden. Hier werden interessante Leasingangebote gefordert und hohe Rabatte verlangt. Die Ansage des Deutschen Harald Westers, dass man sich aber gar nicht erst auf einen Preiskampf einlassen wolle, dürfte nicht sehr ernst zu nehmen sein. Denn - das wissen auch Mercedes, Audi und BMW - ohne das Fuhrparkgeschäft ist im Bereich der Premiummodelle auf Dauer kein Stich zu machen.

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