Lokalaugenschein: So werden Dacias in Rumänien produziert

Es kracht und dröhnt: Zwei Werksarbeiter stehen in einer Vertiefung, über ihnen hält im Minutentakt ein frisch zusammengebautes Auto. Wie zwei Taucher gekleidet, bewaffnet mit je einem Spezialgerät, donnern sie gegen Karosserieteile. Ihre Aufgabe: die letzte Sicherheitskontrolle, bevor die neuen Dacias das Werk verlassen. Auch an anderen Stellen geht es im Dacia-Werk im rumänischen Pitești, dem Stammwerk des Konzerns, mitunter recht rustikal zu. Es gibt zwar ein paar Roboter, die meiste Arbeit erledigen die 11.600 Mitarbeiter aber selbst.

Lokalaugenschein: So werden Dacias in Rumänien produziert

Wachstumsstärkster Hersteller

Auch wenn einzelne Produktionsschritte an einen mittelalterlichen Kutschenbau erinnern: Dacia ist derzeit die wachstumsstärkste Marke Europas. Der Absatz kletterte im ersten Quartal 2014 am alten Kontinent um 46 Prozent auf 126.907 verkaufte Stück. Im gesamten ersten Halbjahr stieg der Umsatz der Renault-Gruppe um fünf Prozent, in erster Linie wegen der Zuwächse der Billigtochter.

Natürlich ist der Erfolg auch der Krise geschuldet. "Anfangs haben selbst in Rumänien viele Renault-Händler noch die Nase gerümpft, als sie Dacia als Zweitmarke dazubekamen. Jetzt sind sie froh darüber“, sagt Anca Oreviceanu, Dacia-Pressechefin in Rumänien. Denn gerade seit der Krise seien viele Kunden auf ein günstigeres Modell umgestiegen. Schließlich kostet der günstigste Dacia, der Kompaktwagen Sandero, 7.590 Euro. Der Duster, der meistverkaufte SUV im C-Segment, kostet knapp 12.000 Euro. Und ein Kleinwagen, der dem VW up Konkurrenz machen soll, ist angeblich in Planung und soll mit 6.000 Euro ein neuer Tiefpreishit werden.

Entwicklungsländer als Retter

Die Krise hat der Billigautohersteller mit französischer Mutter zwar auch zu spüren bekommen - der rumänische Automarkt ist beispielsweise von 270.000 verkauften Neuwagen vor der Krise auf 80.000 geschrumpft, "aber wir haben die Rückgänge in Europa mit Zuwächsen in Schwellenländern wie Marokko, Algerien oder der Türkei wettgemacht“, erklärt Oreviceanu. Im Vorjahr verkaufte die Renault-Tochter nach einem kräftigen Anstieg insgesamt knapp 430.000 Stück.

Auch der Hersteller macht Fortschritte. 2010 wurde im rumänischen Titu ein Engineering-Center eröffnet. "Bei uns werden viele Teile entwickelt und im Werk in Pitești gebaut. Nur wenige Komponenten stammen von Renault“, erklärt Sorin Buse, Chef des Technologiecenters RTR. Am Beispiel Titu zeigt sich, welchen Stellenwert Innovationen haben. Das Center, inklusive Teststrecke für neue Modelle, erinnert an Fort Knox.

Sicher vor Spionage

Über dem 350 Hektar großen Gelände, einer ehemaligen Militärbasis, in der nun 450 Dacia-Angestellte werken, herrscht strengstes Flugverbot. "Nicht einmal Drohnen würden unentdeckt bleiben“, erzählt Buse. Schließlich wurde 2012 dort beispielsweise die zweite Generation Logan und Sandero entwickelt und für unterschiedliche Märkte fit gemacht. So wird in Titu auch die Qualitätskontrolle durchgeführt. Es wird etwa untersucht, wie die Autos auf tagelang sengende Hitze reagieren, um sie besser für die Märkte Afrika oder Asien zu rüsten. "Nach 44 Tagen extremer Hitze verändern sich die Gummiteile“, hält der Testleiter fest. In Österreich wird die Werthaltigkeit der Modelle trotzdem geschätzt: Dacias gelten am Gebrauchtwagenmarkt laut Eurotax als am werthaltigsten.

Dacia in Zahlen:

Vor 15 Jahren übernahm Renault 51 Prozent von Dacia und startete das Projekt Logan. Vor zehn Jahren kam das erste Modell auf den Markt. Heute gehören Renault 97 Prozent.

Verkaufte Neuwagen: 2013 429.522

Absatz seit 2004 in Stück: 2,7 Millionen

Dacia-Verkauf in Länder: 43

Mitarbeiter in Rumänien: 17.000

Durchschnittslohn/Monat 1.000 Euro

VW-Markenvorstand Herbert Diess stellt die Organisation des Herstellers neu auf die Beine.

Kulturwandel: VW krempelt die Fahrzeugentwicklung um

Bei VW bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Nun wird die …

Umfrage zu VW: Das Vertrauen ist massiv erschüttert

Eine neue Umfrage zeigt das Imagetief der Marke VW nach dem Auffliegen …

Slideshow
MercedesAMG

Die Schönheiten auf der Wiener Automesse

Träume in PS und Chrom: Die schönsten Modelle auf der Vienna Autoshow …

Der neue Tiguan als Plug-in-Hybrid.

Umweltminister Rupprechter will E-Mobilität forcieren

Umweltminister André Rupprechter will Schwung in den E-Automarkt bringen. …