Kultauto Ford Mustang

Kultauto Ford Mustang

So hatte sich Henry Ford II die Sache nicht vorgestellt: Die 1956 vorgestellte Mittelklasselimousine Edsel sollte eigentlich der nächste Triumph für den erfolgsverwöhnten Konzern werden. Doch der nach Henry Fords Sohn benannte Wagen erwies sich aufgrund minderer Materialqualität und umstrittener Designs als veritabler Flop und wurde schon 1959 vom Markt genommen.

Da witterte Lee Iacocca, Präsident der Ford Division, seine Chance und schlug die Einführung eines sportlichen Viersitzers vor. Doch Henry Ford II war nach dem Scheitern des Edsel (geschätzter Verlust: 350 Millionen Dollar) nicht bereit für ein weiteres Risiko und lehnte den Vorschlag ab. Iacocca wollte dennoch nicht von seiner Vision lassen und gab Studien in Auftrag, die zeigten, dass die Gruppe der 20- bis 24-Jährigen bis Mitte der sechziger Jahre um 50 Prozent zunehmen würde - eine große potenzielle Käuferschicht, die man nicht einfach so ignorieren konnte. Ford II blieb dennoch skeptisch und stellte Iacocca und seinem kleinen Team nur ein geringes Budget für die Entwicklung des Autos zur Verfügung (damals kostete die Entwicklung eines neuen Modells 400 Millionen Dollar).

Iacocca rief einen Designwettbewerb aus und gab folgende Kriterien vor: Der Wagen solle sportlich sein, um die Jugend anzuziehen, vier Personen Platz bieten, um Familien anzulocken und finanziell erschwinglich sein. Überzeugen ließ er sich von einem unter der Leitung von Joe Oros entstandenen Entwurf: lange Motorhaube, kurzes Stummelheck. Um Kosten zu sparen und den Einzelhandelspreis auf leistbare 2.368 Dollar zu bringen, basierten einige Teile auf Komponenten bereits vorhandener Ford-Modelle. Als Motor wählte man den in Deutschland produzierten Taunus V4. Fehlte noch der Name: Nachdem man aufgrund seiner Wildheit zunächst den Cougar (Puma) in Erwägung gezogen hatte, entschied man sich schließlich für den Mustang, der Freiheitsdrang zum Ausdruck bringen sollte.

Werbefeldzug

Dass das Logo, ein galoppierendes Pferd, schnell zur Ikone wurde, lag nicht zuletzt an einer gigantischen Werbekampagne, die sich im Frühjahr 1964 durch alle Medien zog. 2.600 Zeitungen brachten Berichte, TV- und Radiospots waren allgegenwärtig, PR-Aktionen wie der Transport eines Mustang auf das Dach des Empire State Building und ein Auftritt im Bond-Film "Goldfinger“ schürten die Aufmerksamkeit. Die Werbeinvestition zahlte sich aus. Die Verkaufszahlen übertrafen alle Erwartungen: Ging man bei Ford von knapp 100.000 verkauften Wagen im ersten Jahr aus, wurde diese Zahl bereits nach drei Monaten erreicht. Im ersten Produktionsjahr wurden 680.000 Modelle abgesetzt, innerhalb der ersten eineinhalb Jahre über eine Million Mustangs produziert. So groß war der Ansturm der Käufer, dass man zusätzlich zum Hauptwerk in Deerborn, Michigan, noch andere Produktionsstätten in Betrieb nehmen musste. Auf den Verkaufsplätzen kam es zu teils tumultartigen Szenen. Iacoccas Riecher hatte sich als goldrichtig erwiesen. Die überrumpelte Konkurrenz hinkte hinterher - Chevrolet etwa brachte erst 1966 mit dem Camaro ein vergleichbares Modell auf den Markt.

Der Mustang traf den Zeitgeist aus Freiheitsdrang und aufkommender Popkultur und galt als junges, dynamisches Auto. Der wichtigste Werbeslogan dabei: "Designed to be designed by you!“ Dadurch wurde der Umstand vermittelt, dass das Basismodell mit Extras wie Klimaanlage oder Mittelwellen-Radios aufgemotzt werden und sich jeder Käufer ein Individualmodell zusammenstellen konnte.

Vom Pony- zum Muscle-Car

Mit dem Mustang war das Genre der Pony-Cars geboren, das Modelle wie den Dodge Challenger oder in Deutschland den Opel Manta hervorbrachte. Von Hardtop bis Cabrio, in kürzester Zeit wurde der Mustang zum fixen Teil der Popkultur und hatte zahlreiche Filmauftritte - berühmt etwa die Verfolgungsjagd in "Bullitt“ mit Steve McQueen. Über die Jahre wurde der Mustang zunehmend voluminöser und löste mit Elementen wie Lamellen und Hutzen schließlich den Boom der Muscle Cars aus.

Mit dem wuchtigen Äußeren wollte Ford Kritik an mangelnder Motorleistung begegnen, doch viele Fans waren der Meinung, dass sich der Wagen zu sehr von seinen Wurzeln entfernt habe. Dafür, dass der Mustang ab Mitte der 70er Jahre wieder kleiner wurde, sorgte neben Umwelt- und Sicherheitsauflagen aber vor allem die erste Ölkrise 1973. Die Amerikaner wurden preisbewusster und griffen zu sparsameren Modellen wie dem Mustang II, der unter Iacoccas Leitung wieder schlank und elegant wurde. Über die Jahre erlebte der Mustang viele Neuauflagen und Sonderserien (bisher verkauften sich 9 Millionen Mustangs), die von den zahlreichen Fanclubs mal begeistert, mal kritisch begleitet wurden. Auf den neuen Mustang VI, der 2014 in den USA eingeführt wird, muss man in Europa noch bis 2015 warten.

Das bei der Detroit Motor Show präsentierte Showcar (4,78 Meter Länge, 1,92 Meter Breite, 1,38 Meter Höhe) stieß jedoch mit seiner Verbindung von klassischer Form (aufgestellte Nase, Einzelscheinwerfer) und athletischer Aerodynamik sowie einem cockpitähnlichen Innenraum bereits auf positive Resonanz. Auch die Einzelradaufhängung, ein Mustang-Novum, begeisterte. Die Legende scheint also fit für das 21. Jahrhundert zu sein.

Donald Farr "Mustang - Fünfzig Jahre. Das offizielle Jubiläumsbuch “ Zum 50er des Kultautos gibt es eine Festschrift, die in Bildern den Mythos aufspürt. Hü hott! GeraMond; € 49,99

Ford Mustang VI
Preis:
ab $ 22.510,- (Basis) & ab $ 35.100,-GT-Version
Motor: 4-Zyl.-Motor, (GT 8-Zyl.-Motor); 6-Gang-Getriebe Hubraum: 2264 ccm
Leistung: 309 PS, (GT 430 PS)
Maximales Drehmoment: 407 Nm, (GT 530 Nm)
Spitze: 233 km/h (GT 250 km/h)

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