Kennen Sie Qoros?

Kennen Sie Qoros?

Als Billiganbieter verstehen sich Chinesen wie Qoros nicht. Vielmehr wollen sie in mittlere und obere Segmente vorstoßen. Zahlreiche Vorgänger aus Fernost waren mit dem Vorhaben gescheitert, auf einem der am härtesten umkämpften Automobilmärkte der Welt Fuß zu fassen.

Experten räumen auch Qoros wenig Chancen ein: "Es ist unglaubwürdig, dass ein unbekanntes Unternehmen aus dem Nichts eine Premiummarke aus dem Boden stampfen kann", sagt Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB. Dass die Chinesen eines Tages den Sprung nach Europa schaffen werden, bezweifeln Fachleute nicht. Indes: Das wird sehr lange dauern.

"Die Chinesen werden kommen, aber frühestens 2020", erwartet Schwope. Sein Kollege Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler glaubt sogar, dass es erst in rund 20 Jahren soweit sein wird. Eine Marke müsse ebenso mühsam aufgebaut werden wie technisches Know-how oder ein funktionierendes Vertriebsnetz. Er verweist zudem auf die tiefste Branchenkrise in Europa seit Jahrzehnten. "Das ist kein guter Zeitpunkt für einen Einstieg."

Qoros, ein gemeinsamer Ableger des chinesischen Autobauers Chery und des israelischen Industriekonzerns Israel Corporation, will unterdessen sein in Genf gezeigtes Modell "Qoros 3 Sedan" noch in diesem Jahr in China und Osteuropa an den Start bringen - für einen Preis unter 20.000 Euro, wie der stellvertretende Konzernchef Volker Steinwascher auf dem Autosalon ankündigte. Produziert werden die Fahrzeuge in China. Den Ansprüchen europäischer Kunden, die in punkto Technik, Design und Sicherheit besonders hoch sind, sollen sie dennoch gerecht werden. Dafür will ein internationales Management mit Ex-Führungskräften von VW oder BMW sorgen. Diesen Ehrgeiz dokumentiert Qoros nach eigenen Angaben auch im Namen: "Q" stehe für "Qualität".

Qualität war bislang das Manko

An der Qualität scheiterten bislang viele Versuche chinesischer Autokonzerne, Märkte im Ausland zu erobern. Im Sommer 2005 sauste der Hersteller Jiangling mit dem Geländewagen "Landwind" spektakulär durch den Crashtest - schlechter hatte zuvor noch nie ein Fahrzeug in Deutschland abgeschnitten. Der BMW -Partner Brilliance erhielt 2006 für seine Limousine "BS6" nur einen von fünf möglichen Sternen, 2008 für den kompakteren "BS4" gar keinen. Vergangenen Sommer mussten die chinesischen Pkw-Bauer Great Wall und Chery in Australien Autos wegen Asbest im Motor zurückrufen.

Qoros hat bereits angekündigt, lieber an Extras zu sparen als an Sicherheit oder Komfort. Neben guter Qualität verspricht das Unternehmen ein wahres Modellfeuerwerk. Dass Qoros ein Einstieg im oberen Segment gelingt, wird in der Fachwelt dennoch bezweifelt. "Zu Oberklasse-Autos gehören reine Ingenieurskunst und auch Markenstärke", sagt Analyst Pieper. "Das ist ein langer Weg. Eine sehr gute Marke schafft man nicht von heute auf morgen." Diese Erfahrung hätten in der Vergangenheit auch andere Hersteller machen müssen, darunter Citroen oder Audi. Zum Angriff auf die Konkurrenz in der Oberklasse bliesen in den vergangenen Jahren der französische Massenhersteller PSA Peugeot Citroen ebenso wie der chinesische Konzern Geely. Als dieser 2010 die schwedische Traditionsmarke Volvo übernommen hatte, kündigte er Konkurrenz für BMW und Mercedes an. Doch bislang ist die deutsche Oberliga weitgehend unter sich.

Ein neuer Anbieter müsse von unten angreifen, sagt Analyst Schwope. Ab Anfang der 1970er Jahre hätten die Japaner und später die Koreaner mit qualitativ guten Autos zu günstigen Preisen in Deutschland gepunktet. "Die Japaner haben erst 20, 30 Jahre später mit Lexus (Toyota), Acura (Honda) und Infiniti eigene Luxusmarken gegründet", sagt der Analyst. Und selbst die würden in Europa oft nicht als solche wahrgenommen oder kämen nicht ernsthaft in Betracht, wenn sich jemand ein Premiumauto kaufen wolle. In Osteuropa oder Asien könne die Strategie von Qoros dagegen funktionieren, in Westeuropa sieht er den Hersteller "maximal als Billiganbieter", sagt Schwope. Pieper hält dagegen, das untere Preissegment sei besetzt von Marken wie Fiat, Renault und Dacia. "Viel mehr verträgt der Markt nicht." Außerdem seien gerade diese Anbieter stark von der Krise betroffen.

Audi adelt Chinesen mit Klagen als ernsthaften Konkurrenten

Außer den üblichen Startschwierigkeiten hat Qoros noch ein weiteres Problem: einen Rechtsstreit mit Audi. Die Ingolstädter VW-Tochter, die selbst rund drei Jahrzehnte gebraucht hat, um in der Kundenwahrnehmung vom Massen- ins Oberklasse-Segment aufzusteigen, ließ dem Konzern gerichtlich verbieten, seine Fahrzeuge unter dem Namen "GQ 3" anzubieten. Qoros firmiert in China unter dem Namen "Guan Zhi", was so viel wie Lernen und Perfektion bedeutet. Audi argumentiert, es bestehe Verwechslungsgefahr mit den Geländewagen der Q-Reihe. In der Branche sorgte dies mitunter für Kopfschütteln. Eine der erwirkten einstweiligen Verfügungen wurde vor ein paar Tagen wieder aufgehoben - in der Schweiz, wo sich Qoros jetzt vor Andrang kaum retten konnte.

VW-Markenvorstand Herbert Diess stellt die Organisation des Herstellers neu auf die Beine.

Wirtschaft

Kulturwandel: VW krempelt die Fahrzeugentwicklung um

Auto & Motor

Umfrage zu VW: Das Vertrauen ist massiv erschüttert

Slideshow
MercedesAMG

Auto & Motor

Die Schönheiten auf der Wiener Automesse