Jaguar – Vom Sorgenkind zum Musterschüler

Jaguar – Vom Sorgenkind zum Musterschüler

Es nieselt. Das Außenthermometer zeigt 13 Grad. Unter Cabriowetter versteht man etwas anderes. Der Drang, mit einem Knopfdruck das schützende Stoffverdeck des Jaguar F-Type zu schließen, ist trotzdem gering.

Aus dem Heck unseres Jaguar F-Type dringt ein fulminantes Sechszylinder-Orchester. Nein, geschlossen fahren kommt gar nicht in Frage.

Für mehr als 40 Jahre war der Buchstabe "F“ ein Tabuthema für Jaguar. Ein Nachfolger des legendären Jaguar E-Type, der sogar von Enzo Ferrari als schönstes Auto der Geschichte betitelt wurde, wäre zum Scheitern verurteilt, dachte man beim britischen Autohersteller.

Lieber bewegte man sich mit XJ, XF und XK am anderen Ende des Alphabets, um nur ja nicht an der Sportwagen-Ikone anzuecken.

Nun hat Jaguar aber genug Mut aufgebracht, um mit einem neuen Sportwagen die firmengeschichtliche Vergangenheitsbewältigung anzugehen. Ein Motor vorne, ein Antrieb hinten und zwei Sitze dazwischen - ein Rezept, das bei Jaguar schon seit mehreren Jahrzehnten so nicht mehr zum Einsatz kam.

Neuanfang

Der F-Type ist so ganz anders, als alles was bisher von der springenden Raubkatze geziert wurde: Sein modernes Design lässt zwar einerseits in Details Zitate an die Vergangenheit erkennen, stellt andererseits aber eine Rebellion gegen die angestaubten Sportwagen-Formen vorangegangener Modelle dar. Obwohl er mit unter 100.000 Euro (nur die V8-Version ist teurer) zu den billigeren Luxussportwagen gehört, kann man sich im F-Type problemlos neben jeden Porsche, Lamborghini oder Ferrari stellen, die preislich weit über dem Jaguar liegen. Angeberkarren sind ohnehin nur die anderen: Der Mut zum Neuen verleiht dem F-Type nicht nur eine unglaubliche Strahlkraft, er macht ihn auch ausgesprochen sympathisch.

Frischer Wind

Die neu gewonnene Courage bei Jaguars Entscheidungsträger kommt vor allem aus den Geschäftsbüchern: Jaguar, und mehr noch die Schwestermarke Land Rover, stehen international hervorragend da. Ein dickes Absatzplus und beachtliche schwarze Zahlen geben Selbstbewusstsein.

Das war nicht immer so: Erst seit der indische Automobilkonzern Tata Jaguar vom damaligen Eigentümer Ford erwarb und die britische Luxusmarke mit der von BMW gekauften Marke Land Rover vereinte, geht es wieder so richtig bergauf. Anstatt sich in immer neuen Retroversionen einstiger Stilikonen zu verlieren, erfand man das Jaguar-Design neu.

"Die Übernahme durch Tata war für Jaguar und Land Rover wie ein Lottosechser“, meint Peter Modelhart, Geschäftsführer von Jaguar Land Rover Österreich, Tschechien und Deutschland. "Tata hat ambitionierte Pläne für die beiden Marken, lässt aber viele Freiheiten. Das macht Jaguar und Landrover heute vielleicht sogar britischer, als je zuvor.“

"Britisch“ ist nicht das erste Adjektiv, das sich hinterm Steuer des F-Type aufdrängt. "Italienisch“ würde besser passen. Schon allein wegen dem Soundtrack, mit dem der Jaguar F-Type seinen 380 PS Sechszylinder untermalt. Jeder Tunnel wird so zum Konzertsaal. Diesen Tonfall kennt man sonst eigentlich nur von Maserati und Ferrari.

Ist Jaguar also der perfekte Sportwagen gelungen? Nun, von Perfektion kann man beim F-Type nicht sprechen: Mit mehr als 1,6 Tonnen ist er fast schon ein Pummelchen und einige Kunststoffarmaturen im Innenraum fühlen sich erstaunlich billig an. Macht aber nichts: Dem F-Type verzeiht man kleine Makel.

Wer solche Autos baut, darf sich nun mal den einen oder anderen Schnitzer erlauben. Genau das ist wohl auch das Geheimnis des F-Type: Anstatt am Vorhaben, den perfekten Sportwagen zu bauen, zu scheitern, hat Jaguar ein Cabrio gebaut, das die Emotionen anspricht. Langweilen wird man sich mit dem F-Type garantiert nie.

Rosige Zukunft

Jaguar ist heute dort, wo die Marke schon seit langem eigentlich hingehört: Das Design ist modern, rennt dabei aber nicht jedem automobilen Modetrend hinterher. Die Technik überzeugt, verliert sich aber nicht in elektronischen Spielereien. Und endlich stimmen auch die Absatzzahlen.

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