Garagengold - Oldtimer als Geldanlage

Lieber Blech in der Garage als Gold im Safe: Oldtimer haben sich als Anlageform längst etabliert und bieten eine Wertsteigerung jenseits der meisten Aktienfonds.

Garagengold - Oldtimer als Geldanlage

Fast 25 Prozent des Einkommens gibt der Durchschnittsösterreicher für sein Auto aus. Anschaffung, Unterhalt, Versicherung, Reparaturen - das ins Auto gesteckte Geld verpufft mit jedem zurückgelegten Kilometer. Eine Fahrzeugklasse schwimmt jedoch gegen den Strom: Oldtimer und Autos, die bald zu solchen werden, haben sich zu echten Bluechips für clevere Investoren entwickelt.

Seit rund 20 Jahren bewegen sich die Preise für Oldtimer konstant nach oben. Selbst die Wirtschaftskrise konnte dem Aufwärtstrend nichts anhaben. Seit 1994 liegt die jährliche Wertsteigerung von Oldtimern im Durchschnitt bei sagenhaften 8,5 Prozent. Damit schlägt das Altmetall auf vier Rädern jeden Aktienindex um Längen.

Oldtimer vs. S&P 500: Im Vergleich zum Aktienindex S&P 500 entwickeln sich die Preise von Oldtimern seit rund 20 Jahren konstant positiv. Niedrige Zinsen und mangelndes Vertrauen in Banken und Aktienfonds locken Investoren. Eine Trendumkehr halten Experten für unwahrscheinlich.

Der Markt mit Old-und Youngtimern hat 2013 laut Schätzungen des Oldtimer-Weltverbands FIVA ein Volumen von mehr als 16 Milliarden Euro erreicht. Besonders stark vom Oldtimer-Virus angesteckt ist Deutschland: Jährlich wechseln dort Oldtimer im Wert von sechs Milliarden Euro den Besitzer. Damit ist der deutsche Oldtimer-Markt bereits doppelt so groß wie der Markt für Kunstwerke.

Oldtimer-Investment. Natürlich hat nicht jedes alte Auto das Potenzial, zur Wertanlage zu werden. Für das richtige Investment braucht es schon einen guten Riecher und umfassende Branchenkenntnis. Damit unterscheiden sich Oldtimer aber nicht allzu sehr von Aktienfonds. Die Faustregel für Oldtimer mit Wachstumspotenzial heißt "sportlich, historisch wertvoll, selten".

Die besten Chancen auf Wertsteigerung haben Sportwagen, die nur in geringer Stückzahl gebaut wurden und von einer Marke wie Ferrari, Mercedes oder Porsche stammen. Mit einem Ferrari der 60er-Jahre kann man derzeit trotz Preisen in Millionenhöhe kaum Verluste machen. Ähnliches gilt für die erste und zweite 911er-Generation, den Mercedes-Flügeltürer oder einen Jaguar E-Type.


SAAB 900 CABRIOLET Zu seiner Zeit (1986-93) war das 900 Cabriolet technisch und stilistisch Avantgarde. Er war das Auto der Künstler und Intellektuellen. Besonders empfehlenswert: Die Turbo-16-S-Variante. Preise liegen zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Bild: mauritius images / Alamy

Die größte Wertsteigerung haben diese Fahrzeuge aber schon hinter sich. Dazu muss man sich den typischen Preisverlauf eines Automodells ansehen: Ab der Markteinführung sinken die Preise für Gebrauchtmodelle kontinuierlich nach unten. Den Tiefpunkt erreichen die meisten Modelle 15 bis 20 Jahre nach ihrer Markteinführung. Ab diesem Zeitpunkt tendiert die Preisnadel wieder nach oben. Bei besonders seltenen oder begehrten Modellen kann es aber schon deutlich früher zu einer Umkehr der Preisentwicklung kommen.


AUDI V8 (TYP 4C) Allrad-Premium-Limousine
Nur 21.000 mal verkaufte sich die von 1988 bis 1994 gebaute Luxus-Limousine. Als erstes Oberklasse-Stufenheck überhaupt war der Audi mit Allradantrieb ausgestattet. Preisregion für den 4,2-Liter V8: 6.000 bis 8.000 Euro. Bild: 2VISTA

Genau wie im Aktiengeschäft gilt auch beim Oldtimer-Handel: Der beste Zeitpunkt zum Kaufen ist dann, wenn der Preis im Keller ist. Einen Preissprung machen viele Automodelle auch rund um ihren 30-jährigen Geburtstag. Ab diesem Zeitpunkt können Autos in Österreich als Oldtimer zugelassen und versichert werden, was die Unterhaltskosten deutlich senkt.

Wer nach Beispielen sucht, muss gar nicht erst in die exotischeren Ecken der Automobilbranchen wandern: Einen gut erhaltenen VW-Käfer bekam man vor zehn Jahren noch für rund 3000 Euro. Heute liegt der Preis in der Region von 15.000 Euro und darüber. Das sind 17 Prozent Wertsteigerung pro Jahr.


HONDA S2000 Youngster mit Potenzial
Von 1999 bis 2009 baute Honda sein legendäres Sport-Cabrio. Nach Europa schafften es 20.000 Stück. Heute liegt der Preis für gepflegte Modelle bei rund 15.000 Euro. Erstaunlich: Schon jetzt zieht hier die Preisschraube an.

Gewinne im dreistelligen Prozentbereich sind zwar keine Seltenheit, aber natürlich nicht die Regel. In den letzten 20 Jahren gab es allerdings so gut wie keinen Oldtimer, der nicht zumindest die Inflationsrate ausgeglichen hätte.

Bauchentscheidung. Das wichtigste Kriterium beim Oldtimer-Kauf ist das Bauchgefühl. Besonders positiv entwickeln sich die Preise bei jenen Fahrzeugen, die beim Betrachter Emotionen wecken. Es sind Traumwagen, nicht Massenmodelle, die besonders begehrt sind. All das, was der Sammler von heute im Kindesalter als Poster an der Wand hängen hatte, hat ideales Investment-Potenzial. Genau aus diesem Grund sinken seit geraumer Zeit die Preise für Oldtimer aus der Vorkriegszeit: Kaum ein Sammler kann zu diesen Fahrzeugen noch einen emotionalen Bezug herstellen. Sie sind daher weniger gefragt.


MERCEDES-BENZ 500E Wolf im Schafspelz
326 PS unter der Haube, und doch Understatement pur: Der 500E ist nach wie vor der ultimative Wolf im Schafspelz. Gute Exemplare notieren bei 20.000 bis 30.000 Euro. Interessenten sollten bald zuschlagen: Die Preise steigen rapide. Bild: Mauritius Images

Autos mit Potenzial für Wertzuwachs gibt es in allen Preisklassen. Menschen mit Affinität zu Autos tun sich hier natürlich leichter: Die Wartung kann teilweise selbst durchgeführt werden, eine Panne sorgt nicht sofort für den großen Frust. Die Reparaturkosten für Oldtimer sind in den letzten Jahren übrigens teilweise deutlich zurückgegangen. Der Grund dafür: Die Zulieferbranche hat Ersatzteile vieler historischer Fahrzeuge aufgrund der großen Nachfrage neu aufgelegt. So muss man beispielsweise für eine Lichtmaschine für einen VW Käfer nicht mehr stundenlang Inserate durchforsten - sondern kann sie neu und original vom Hersteller Bosch bestellen.


VOLVO 780 COUPÉ Kantiger Kult-Schwede
Styling von Bertone, Technik von Volvo: Nur 8.518 mal lief Volvos Grand Tourer vom Band. Empfehlenswert ist nur ein top ausgestattetes Modell mit V6-Motor. In Zustand 2 kostet ein 780 Coupé rund 12.000 Euro.

Neben Automarktplätzen im Internet sind vor allem Auktionen probater Fundort von Oldtimern mit Potenzial. "Bei unseren Auktionen finden Interessenten in so gut wie jeder Preisklasse interessante Fahrzeuge", so Jacqueline Nowikovsky von Bonhams Österreich. "Attraktive Einstiegspreise kann man sowohl auf unseren Hauptauktionen wie auch auf den traditionellen 'Nebenschauplätzen' wie Zoute, Beaulieu und im Grand Palais Paris finden." Mit 20.000 Euro Spielkapital ließ sich dort in der Vergangenheit schon so mancher Traumwagen mit nach Hause nehmen.


NISSAN 300 ZX Japanisches Tuning-Liebkind
Er gilt als einer der besten japanischen Sportwagen und wurde von 1990 bis 2000 stolze 164.000 Mal gebaut. Dennoch liegt der Preis gepflegter Exemplare bereits bei 15.000 bis 20.000 Euro. Fernöstliche Exotik mit Luft nach oben. Bild: Corbis

Im Gegensatz zu einer Aktie kann man mit einem Oldtimer natürlich auch fahren. Das soll man auch. Sonst drohen Standschäden. Keine Angst vor Wertverlust: Bei gut gewarteten Oldtimern hat die Kilometerlaufleistung - sofern sie im Rahmen bleibt -kaum Einfluss auf den Kaufpreis. Hier liegt sicher der größte Reiz eines Oldtimers: Mit dem Aktienportfolio kann man schließlich keinen Wochenendausflug machen.

Einstiegsklasse. Begehrenswerte Sammlerstücke findet man nicht erst im sechsstelligen Bereich. FORMAT hat zusammen mit Oldtimer-Experten eine Liste mit interessanten Youngtimern (jünger als 30 Jahre) mit Werststeigerungspotenzial erstellt. Hier sollte für jeden Autoliebhaber etwas Passendes dabei sein.


MASERATI SHAMAL Italienischer Exot für Mutige
Nur 369 Mal lief der Shamal von 1990 bis 96 vom Band. Sein 3,2-Liter-Sechszylinder macht ihn selbst nach heutigen Maßstäben schnell. Reparaturen sind allerdings oft kostspielig. Preise (Zustand 2): 35.000 bis 40.000 Euro. Bild: Corbis

Die ideale Preisspanne für einen Investment-Oldtimer bestimmt nicht nur das eigene Portemonnaie, sondern auch die laufenden Kosten, die der Oldtimer im Unterhalt verursachen wird. Muss beispielsweise eigens eine Garage angemietet werden, muss die Wertsteigerung des Fahrzeugs zumindest diese Kosten abdecken. In der Praxis lohnen sich Oldtimer daher erst ab einem Preis von rund 15.000 Euro. Wer den Oldtimer allerdings selbst warten kann und einen freien Garagenplatz hat, kann bereits in der Region ab 5.000 Euro einkaufen.


RENAULT AVANTIME Minivan trifft Sportcoupé
Der Avantime wurde nur drei Jahre lang (von 2001 bis 2003) gebaut und gehört trotz eines Alters von knapp über zehn Jahren zu den begehrten Sammlerobjekten. Die investitionswürdige V6-Variante rangiert bei 14.000-20.000 Euro. Bild: Mauritius Images

Generell sollte man immer "Zustand 2" kaufen. Das sind Fahrzeuge, die technisch einwandfrei sind und lediglich kleine optische Mängel aufweisen. Beim Kauf eines Restaurationsobjekts zahlt man finanziell praktisch immer drauf.

Zukunftsperspektive. Dass es mit dem Oldtimer-Markt in Zukunft weiter aufwärts geht, halten Branchenexperten für sehr wahrscheinlich. Dafür sorgt schon das Prinzip aus Angebot und Nachfrage:


MAZDA RX-7 FD Sportler mit Wankelmotor
Das erfolgreichste Auto mit Wankelmotor überhaupt. Flott ist er nach wie vor (5,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h). Unverbastelte Exemplare in gutem Zustand sind rar und ziehen preislich bereits deutlich an: 15.000 bis 20.000 Euro. Bild: Corbis

Das Angebot eines bestimmten Oldtimer-Modells ist von Natur aus begrenzt und reduziert sich - durch Rost und etwaige Kaltverformung - von selbst. Die Nachfrage steigt: Bankzinsen auf Tiefstand, wenig Vertrauen in klassische Aktiengeschäfte und erschwingliche Einstiegspreise sorgen für immer mehr Interessenten.

Natürlich wird es auch in Zukunft bessere Investments als Oldtimer geben. Aber nicht viele. Sollte der Markt für Oldtimer doch einbrechen, hat man immer noch den Traumwagen in der Garage.


LANCIA THEMA 8.32 Limousine mit Ferrari-Herz
Etwas mehr als 3.000 Stück der Edel-Limousine baute Lancia von 1986 bis 1992. Das Besondere: Ein Achtzylinder von Ferrari unter der Haube. In gutem Zustand kratzt der Thema 8.32 bereits an der 20.000- Euro-Marke. Bild: Goetz von Sternenfels / AUTO BILD

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