Fisker Karma - Die Zeitgeist-Maschine

Ist der Fisker Karma Vorbote einer grüneren Autozukunft oder technologischer Lückenfüller für kaufkräftige Eco-Nerds? In jedem Fall ist er ein Erlebnis.

Luxuslimousine mit Elektroantrieb und reichweitenverlängerer

Technik: zwei Elektromotoren hinten (2x 150 kW) mit einer Reichweite von ca. 80 km bei schonender Fahrweise • ein Zweiliter-Turbobenziner mit 260 PS als Reichweitenverlängerer (+400 km) • Drehmoment 1.300 Nm • Hinterradantrieb • Bereifung 255/35 R 22 vorn, 285/35 R 22 hinten • Länge / Breite / Höhe 4.998 / 1.986 / 1.330 mm • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 5,9 Sekunden • Topspeed 150 km/h (elektrisch), 200 km/h (mit zugeschaltetem Verbrennungsmotor) Preis: ab 103.000 Euro

Wo deutsche Premiumlimousinen gerne mit grimmig strenger Miene den Bad Boy raushängen lassen, trägt der Fisker Karma ein entspanntes Lächeln im automobilen Gesicht. Ampelstarts, Burnouts oder Straßenrennen - über solche oktangeschwängerten Muskelspiele ist das neue Posterchild grüner Mobilität erhaben. Der in Kalifornien gebaute Viersitzer will dennoch in der Liga PS-strotzender und meist deutschstämmiger Luxuslimousinen mitspielen - nur eben nicht nach deren Regeln.

Angesiedelt in der Region gerade sechsstelliger Preisschilder, steht dem Karma respekteinflößende Konkurrenz entgegen: Audi, BMW, Mercedes und Porsche haben dieses Marktsegment fest im Griff, den exotischeren Randbereich säumen Modelle von Lotus, Aston Martin und Maserati. Was sie alle gemeinsam haben: Viel Luxus und noch mehr Leistung - und keiner von ihnen wird es wohl jemals aufs Cover eines Greenpeace-Magazins schaffen.

Genau das ist dem Karma bereits geglückt. Fiskers automobiles Erstlingswerk ist - neben dem Tesla Roadster - zum Aushängeschild ökologischer Fahrzeugtechnik geworden. Und damit lässt sich im Zeitalter omnipräsenter CO2- und Spritpreisdiskussionen gut Geld verdienen.

Dabei ist das Konzept des Fisker Karma weniger revolutionär, als es ausschaut: Im Heck werken zwei 200-PS-Elektromotoren, die ihren Strom aus einem Akku im Fahrzeugboden beziehen - im Kofferraum ist daher viel Platz für Gepäck. Um dem Fahrer die Angst zu nehmen, mit leeren Akkus liegen zu bleiben, steckt unter der burlesken Motorhaube des Karma noch ein 2-Liter-Vierzylinder. Der treibt allerdings nicht direkt die Räder an, sondern versorgt die Elektromotoren über einen Generator mit Strom, wenn der Akku zur Neige geht. Der Karma ist damit ein Elektroauto, das seinen Strom im Bedarfsfall auch gleich selbst erzeugt - allerdings mit Benzin.

Hinter dem Steuer des Karma merkt man von der komplizierten Technik wenig. Wohl aber vom Öko-Flair: Frei von Tierprodukten und ausgeschlagen mit Holz, das von entwurzelten oder verbrannten Bäumen stammt, zeugt jedes kleine Detail vom veganen Zugang zu automobilem Luxus. Wo andere Hersteller ihre Limousinen mit halben Rinderherden tapezieren, setzt Fisker Hightech-Stoffe aus Recyclingmaterial ein. Selbst beim Stickmuster der Nähte scheint sich der Newcomer nicht an Konventionen halten zu wollen. Das Designaufbegehren im Interieur verfehlt seine Wirkung nicht: Schon nach wenigen Sekunden hat man den Eindruck, in ein neues Zeitalter automobiler Mobilitätskonzepte eingestiegen zu sein.

Nach einem Druck auf den zentral angebrachten Startknopf erwacht das Armaturenbrett des Karma zum Leben. Science-Fiction-Mäusekino verteilt sich über die zahlreichen LCD-Schirme im Cockpit - technikverliebte Fahreraugen fangen spätestens jetzt zu leuchten an.

Abfahrt

Voller Akku, voller Tank - im reinelektrischen "Stealth-Mode“ geht’s ab auf den Asphalt. Sci-Fi-Flair gibt’s dabei auch für Passanten: Über eine externe Soundanlage verschafft der Karma seinem ansonsten lautlosen Elektroantrieb Gehör - nur wenige dürften die künstliche Klangkulisse auf Anhieb mit Autogeräuschen verbinden. Der Mix aus sanftem Turbinensound und "Battlestar Galactica“ bricht klar mit Wahrnehmungskonventionen.

Beim Verlassen der Stadtgrenzen wird der Sport-Modus aktiviert. Flott, aber nicht wirklich beeindruckend schnell, manifestieren sich die etwas mehr als 400 PS des Karma an der Hinterachse. Schluss ist bei Tempo 150 - mit zugeschaltetem Verbrennungsmotor endet der Vortrieb bei 200 km/h. Für Österreich mehr als ausreichend - für Deutschland klar zu wenig.

Genau dort, wo deutsche Fabrikate brillieren, schwächelt der Karma: Fahrdynamik und Performance sind nicht seine Stärken. Zu schwer wiegt die Energiespartechnik - um genau zu sein: mehr als 2,5 Tonnen. Dieses Manko dürfte die Zielgruppe jedoch nicht wirklich stören.

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