Erdgas-Autos – Sauberer Gas geben

Erdgas-Autos – Sauberer Gas geben

Autos mit Erdgasantrieb stoßen weniger Schadstoffe aus, sparen Geld an der Zapfsäule und sind nicht teurer als vergleichbare Dieselmodelle. Warum fahren wir dann immer noch mit dem herkömmlichen Sprit?

Sauberer als Diesel und Benzin, sicher in der Handhabung und noch dazu billiger als jeder andere Treibstoff: Erdgas ist die große Hoffnung der Autohersteller, den CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeugflotten zu senken - und eine wesentlich realistischere Variante als Elektro-Autos.

Noch kämpfen die Hersteller jedoch gegen viele Vorurteile, die in den Köpfen der Konsumenten verankert sind. Zu Unrecht, denn moderne Erdgas-Autos stehen ihren Benzin- und Diesel-schluckenden Kollegen bei Qualität, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit in nichts mehr nach.

Es ist meist das Kürzel CNG, das Automodelle als Erdgas-Version zu erkennen gibt: Mercedes, Opel, Fiat und allen voran der Volkswagen-Konzern bieten heute schon Erdgas-Varianten ihrer Volumsmodelle an. Werksseitig sind die nicht nur mit einem Gastank, sondern auch mit einem konventionellen Benzintank ausgerüstet. Wer mit Erdgas fährt, kann daher jederzeit auch auf Benzin umsteigen.

Benzin im Zusatztank benötigen die Fahrzeuge nicht nur, um eine eventuell längere Strecke bis zu einer - der immer noch nicht sehr dicht gesäten - Gastankstelle zu überbrücken, sondern auch aus technischen Gründen: Bei sehr niedrigen Temperaturen muss der Motor die ersten Kilometer mit Benzin fahren, bis die Einspritzdüsen der Erdgasanlage auf Temperatur gebracht wurden. Dann schaltet das Fahrzeug automatisch um. Durch diesen Trick schaffen Autohersteller nicht nur das Reichweitenproblem aus der Welt, sondern machen den Umgang mit Erdgasautos auch deutlich konsumentenfreundlicher. Vor allem VW-Boss Martin Winterkorn ist ein großer Fan dieser Antriebstechnik.

Um 20 Prozent umweltfreundlicher

Obwohl Erdgas genauso wie Benzin und Diesel ein fossiler Brennstoff ist, kommt die Natur bei den Emissionen deutlich besser davon: Verbrennt herkömmlicher Treibstoff aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung in erster Linie in Form des Treibhausgases Kohlendioxyd, wird bei Erdgas ein großer Teil als Wasserdampf an die Umwelt abgegeben. In Summe haben Erdgas-Autos damit um rund 20 Prozent geringere Treibhausemissionen wie Autos auf Benzin-Basis.

Nicht verwechseln sollte man Erdgas allerdings mit dem in Deutschland und anderen europäischen Ländern recht beliebten Autogas bzw. Flüssiggas, das mit der Abkürzung LPG gekennzeichnet wird. Dieses fossile Brennmaterial ist zwar auch etwas günstiger als Benzin, bietet aber keinen großen Schadstoff-Vorteil. Zudem gibt es hierzulande keine vom Hersteller auf LPG abgestimmten Fahrzeuge im Handel - Flüssiggas kommt daher nur nach dem Umbau eines konventionellen Fahrzeugs in Frage.

"Erdgas ist mit Sicherheit die sauberste fossile Ressource, die uns als Kraftstoff zur Verfügung steht“, weiß auch Steffan Kerbl, Leiter der ÖAMTC-Testabteilung. "Und die technischen Unzulänglichkeiten, die Erdgasfahrzeuge noch vor einigen Jahren hatten, sind heute so gut wie alle ausgemerzt.“

Problematisch war hier zum Beispiel die Haltbarkeit der Motoren. "Da Erdgas zum Teil auch in Form von Wasserdampf verbrennt, hatten Motoren, die nicht von Anfang an auf den Betrieb mit diesem Treibstoff ausgelegt waren, oft Korrosionsprobleme“, so Kerbl. "Die neue Generation von Modellen geben hier keinen Grund zur Beanstandung. Sie sind optimal auf Erdgas abgestimmt.“

Technik gegen frühere Mängel

Neben korrosionsbeständigen Auslassventilen ist es vor allem die Turbo-Technik, die Erdgasmotoren zum Durchbruch verhilft: Ohne Turbolader kommen Erdgasfahrzeuge aus dem Stand oft nur sehr schwer in die Gänge. Fahrzeuge, wie VWs neuer Passat 1.4 TSI EcoFuel helfen hier mit Verdichtung nach: Neben einem Abgasturbolader, der für hohe Effizienz und viel Leistung im oberen Drehzahlband sorgt, ist der Motor des Passat auch mit einem Kompressor ausgestattet. Der sorgt im unteren Drehzahlbereich für einen höheren Ladedruck, was dem Wagen deutlich mehr Schmalz beim Anfahren gibt. Im Vergleich zum ähnlich motorisierten Benziner merkt man als Fahrer kaum einen Unterschied.

Trotz solider Technik, guten Umweltnoten und eindeutigem Kostenvorteil, stehen Erdgasfahrzeuge aber noch wie Blei in den Showrooms der Händler. Gerade einmal 8.000 Erdgasautos fahren derzeit auf Österreichs Straßen. Viel zu wenig, wenn es nach Bernhard Wiesinger geht. Der Leiter der ÖAMTC-Interessensvertretung sieht mangelnde Information als Grund: "Kunden werden nicht ausreichend über die Vorzüge der Technologie informiert.“ Als Hemmschwellen für den Kauf eines Erdgasautos seien bei einer Umfrage des ÖAMTC die vermeintlich geringe Tankstellendichte, die Sorge vor erhöhter Explosionsgefahr bei Unfällen und die Befürchtung, mit Erdgasautos nicht in Tiefgaragen fahren zu dürfen, zu Tage getreten. gibt. Allesamt Vorbehalte, die heute nicht mehr den Tatsachen entsprechen - sich als Vorurteile aber hartnäckig vielen potentiellen Käufern in den Weg stellen.

Gängige Vorurteile

Einen weiteren Grund für die ablehnende Haltung vieler Autofahrer will Steffan Kerbl an der Tankstelle entdeckt haben. Doch nicht mangelnde Flächendeckung sei das Hauptproblem - pro Bundesland gibt es immerhin bereits 25 Erdgastankstellen - sondern die Akustik: "Wir sind es gewohnt, beim Tanken den Zapfhahn ins Loch zu stecken und dann gluckert es. Bei Erdgas sieht so ein Tankvorgang anders aus: Da wird ein Bajonett-Verschluss angedockt und dann zischt lautstark das Gas durch den Tankschlauch. Beim ersten Tanken springt man da schon mal vor Schreck einen Meter zurück.“

Was die Sicherheit beim Tanken betrifft, bietet Erdgas jedoch sogar Vorteile gegenüber Benzin. "Es ist so gut wie ausgeschlossen, dass beim Tanken Erdgas ausströhmt,“ so Kerbl.

Will die Europäische Union ihr Ziel erreichen, die CO2-Emissionen aller Autos auf durchschnittlich 95 Gramm pro Kilometer zu senken, wird an Erdgas kein Weg vorbeiführen. Kein Wunder, dass Deutschlands größter Autokonzern, VW, gleich eine ganze Armada neuer Erdgas-Modelle ins Rennen schickt: Vom kleinen VW Up! über Golf und Passat bis hin zum Caddy und Multivan will VW-Boss Winterkorn praktisch die gesamte Produktpalette auch als Erdgasversionen im Programm haben.

Noch einen Schritt weiter geht Audi: Der Autohersteller betreibt seit kurzem eine eigene Windkraftanlage, wo E-Gas, synthetisches Methan, erzeugt wird. Immerhin reicht der Output der Anlage, um 1.500 Fahrzeuge mit Gas zu versorgen.

Für die Fahrzeughersteller ist außerdem interessant, dass Erdgas eine ideale Brückentechnologie hin zu emissionsfreien Wasserstoffantrieben ist.

So umweltfreundlich wie E-Autos sind Erdgas-Fahrzeuge zwar nicht. CO2 kommt auch hier aus dem Auspuff. Was Komfort und Mobilität betrifft, sind sie dem Elektroantrieb aber haushoch überlegen. Und: Für‘s gleiche Geld kommt man fast doppelt so weit wie mit einem konventionellen Auto. Ein Mercedes E 220 fährt für zehn Euro mit Erdgas über 200 Kilometer, mit Benzin nur 110 Kilometer.

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