Die Übernahme der Porsche Holding durch VW geht ins Finale

Die Übernahme der Salzburger Porsche Holding durch VW ist im Finale. Und sorgt für eine Machtverschiebung: Denn das Salzburger Autohaus wird die neue Nummer drei im Konzern, noch vor Skoda.

Derzeit wird bei VW mit Hochdruck an Vertragsvereinbarungen gefeilt. Denn die Fusion des deutschen Autoherstellers mit der Salzburger Porsche Holding steht laut Börseninsidern kurz bevor.

Die Übernahme der Salzburger Vertriebsgesellschaft ist selbst für einen Weltkonzern wie VW kein kleiner Brocken. Im Gegenteil: Denn mit einem Jahresumsatz von 12,7 Milliarden Euro wäre die Holding im Konzern nach den beiden Haupt-Töchtern VW und Audi bereits die Nummer drei im Unternehmen. So setzte Audi im Vorjahr zwar 25,9 Milliarden Euro um; Skoda, die aktuelle Nummer drei, liegt mit 6,3 Milliarden Euro aber deutlich hinter den Salzburgern.

Auch bei der Zahl der verkauften Autos begegnen sich die Salzburger und die großen VW-Töchter auf Augenhöhe. Zwar ist VW mit seinen volumensstarken Modellen und 2,8 Millionen verkauften Autos unangefochten auf Platz eins im internen Ranking. Audi brachte mit 968.000 Neuwagen im Vorjahr wesentlich weniger auf die Straße. Dann käme nach einer Fusion bereits die Porsche Holding, die zwar keine Fahrzeuge herstellt, aber mit 565.380 Autos eine beträchtliche Anzahl von Neu- und Gebrauchtwagen verkauft.

Salzburger für Fusion mit Porsche essenziell

Eigentlich müsste die Fusion erst bis Ende September 2011 vollzogen werden. Doch die Porsche Holding, im Besitz der Familienclans Porsche und Piëch, ist bei einer anderen Fusion das Zünglein an der Waage. Der Zusammenschluss mit der Vertriebsgesellschaft ist für VW ein essenzieller Baustein bei der geplanten Übernahme des Autoherstellers Porsche. Die ist nämlich nur dann möglich, wenn Porsche vorher seine Schulden in Höhe von sechs Milliarden Euro senkt. Einen Teil davon wollen die beiden Clan-Familien beisteuern. Das Geld dafür soll aus dem Verkauf des Salzburger Vertriebsunternehmens kommen, der rund 3,3 Milliarden Euro bringt. Die Zeit drängt, schon im Frühjahr wird eine Kapitaltranche von 2,5 Milliarden Euro fällig. Insgesamt soll die Kapitalerhöhung fünf Milliarden Euro in die Kassen von Porsche spülen.

Doch die Probleme der Megahochzeit sind mit der Geldspritze noch nicht aus der Welt. Der Sportwagenhersteller hat unter anderem in den USA eine Schadenersatzklage von 39 Investmentfonds wegen Kursmanipulation am Hals. Die Fonds beziffern ihren Schaden mit 1,5 Milliarden Euro. Die Klage wurde zwar als unzulässig abgewiesen, da die betroffenen Aktien nicht in den USA gehandelt wurden, allerdings haben die Kläger Berufung eingelegt. Ob die Vereinigung der beiden Hersteller angesichts der Kalamitäten wirklich über die Bühne geht, ist demnach nicht fix. VW-Chef Martin Winterkorn ist zuversichtlich: „Die Chancen stehen 70 zu 30, dass es dazu kommt.“ Um für die Fusion startklar zu sein, versucht VW zumindest den Zusammenschluss mit der Holding ehestmöglich unter Dach und Fach zu bringen.

Umsatzrekord in China und Österreich

Zudem bringt die Porsche Holding den Volkswagen-Konzern seinem Ziel, bis 2018 zum größten Autohersteller der Welt aufzusteigen, ein gutes Stück näher. Zumal der Vertriebsriese erstklassig dasteht und auch langfristig zu den Perlen des Konzerns zählen dürfte. Im Vorjahr verzeichnete das Unternehmen, das in 19 Ländern tätig ist, ein Umsatzplus von 4,5 Prozent, in einzelnen Ländern gab es sogar einen Rekord. So übertrafen die Erlöse in Österreich die Höchstmarke von 2009 um 0,8 Prozent und lagen bei 4,7 Milliarden Euro. Den stärksten Sprung machte China, wo der Umsatz um 130 Prozent auf eine halbe Milliarde Euro stieg. Selbst in den krisengebeutelten Märkten in Südosteuropa, die 2010 im Schnitt um 16 Prozent absackten, stieg der Umsatz um 8,2 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro.

VW-Chef Winterkorn will deshalb die Stellung der Salzburger nach der Fusion kräftig aufwerten. Um die Einzelheiten wird derzeit gerade gerungen.

– Anneliese Proissl

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