"Die Oberklassemodelle sind schon ausverkauft"

"Die Oberklassemodelle sind schon ausverkauft"

Diese Autos strotzen nur so vor Pferdestärken, sind mit dem feinsten Leder und Wurzelholz ausgekleidet und können durchaus auch eine Million Euro kosten. Experten rechnen damit, dass der Markt für Ultra-Luxusautos in diesem Jahr deutlich wachsen wird, auch wenn es am breiten Fahrzeugmarkt trübe aussieht.

Beim Genfer Autosalon wurde das Hybrid-Geschoss von Ferrari vorgestellt, der LaFerrari, der eine Million Euro kostet.

Bentley präsentierte eine Neuversion des Viertürers Continental Flying Spur. Jaguar debütierte mit dem XFR-S, der schnellsten Limousine in der Geschichte des Autoherstellers. Rolls-Royce erweitere das Angebot um das Coupé Wraith, das 245.000 Euro kosten soll.

Der Oberklasse-Markt für Autos, die mehr als 100.000 Euro kosten, wird in diesem Jahr um 9,9 Prozent auf 446.550 Fahrzeuge wachsen, erwarten die Marktforscher von IHS. Selbst für den europäischen Markt, der insgesamt auf den sechsten Jahresrückgang in Folge zusteuert, sagt IHS im Ultra- Luxussegment 8,5 Prozent Zuwachs voraus.

“Die Ultra-Luxus-Autohersteller wollen einander mit neuen technischen Finessen ausstechen”, sagt Stefan Bratzel, der das Center of Automotive Management der Fachhochschulde der Wirtschaft in Bergisch Gladbach leitet. “Sie testen die Grenzen, wie weit sie gehen können.”

Luxus hat in Europa ein Problem

Auch wenn ihre Kunden über ausreichende Finanzpolster verfügen, um die Rezession zu überstehen, sind die Luxusauto-Hersteller nicht völlig gegen den Abschwung gefeit. Die Eurozone schrumpfte im vierten Quartal so stark wie seit vier Jahren nicht mehr. Die Absatzzahlen im Oberklassesegment sanken in Europa in 2012 um 3,5 Prozent auf 91.672 Fahrzeuge - sodass dieser Marktbereich weltweit nur noch um sechs Prozent zulegte. Im Jahr 2011 hatte das Wachstum noch 15 Prozent betragen.

“Rolls-Royce ist gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen nicht immun, absolut nicht”, sagt Torsten Müller-Ötvös, der die Luxustochter der Bayerische Motoren Werke AG leitet, im Interview mit Bloomberg News. “Wenn der Markt zusammenbricht, bekommen wir das auch zu spüren.”

Dennoch setzt Müller-Ötvös große Hoffnungen in den Wraith, der ab Ende Oktober angeboten werden soll. Das zweitürige Coupé verfügt über ein Getriebe, das mit dem Satelliten-Navigations- System des Autos verbunden ist und sich auf bevorstehende Anstiege, Talfahrten und Kurven einstellt. Das Interieur aus Holz und Leder kann mit mehr als 1000 Glasfaser-Lichtern, die in die Decke eingewoben werden, veredelt werden. So entsteht der Eindruck eines glitzernden Sternenhimmels. “Der Wraith richtet sich an jüngere, sportlichere Kunden, die die Marke mögen, sich aber vielleicht etwas zu jung für einen Rolls-Royce geführt haben”, sagt Müller-Ötvös.

Ferrari hat eigenen Angaben zufolge bereits mehr als 700 formelle Anfragen für den LaFerrari mit seinen 963 PS, auch wenn das Unternehmen lediglich 499 davon produzieren will. Jeder soll mit einem Sitz versehen werden, der perfekt an den Körper des Besitzers angepasst wurde. Das Geschoss verfügt über zwei Elektromotoren und einen 12-Zylinder-Verbrennungsmotor, die zusammen mehr Pferdestärken produzieren als bei jedem bisherigen Ferrari. Gleichzeitig wird der Benzinverbrauch um bis zu 40 Prozent reduziert.

Bentley hat mit dem überarbeiteten Continental Flying Spur ein 5,3 Meter langes Schlachtschiff mit Acht-Gang-Schaltung vorgestellt. Mit dem 200.000 Dollar teuren Gefährt will die Luxustochter der Volkswagen ihre Führungsposition vor Rolls- Royce im Ultra-Premium-Segment weiter ausbauen. Im vergangenen Jahr schnellte der Bentley-Absatz um 22 Prozent auf 8510 Fahrzeuge hoch, während es für Rolls um lediglich ein Prozent auf 3575 aufwärts ging. Bentley-Chef Wolfgang Schreiber rechnet damit, dass fast zwei Drittel der Flying Spurs nach China gehen werden.

Jaguar Land Rover will in diesem Jahr acht neue oder überarbeitete Modelle vorstellen. Dadurch sei das Unternehmen “vorsichtig optimistisch” was einen Absatzanstieg in 2013 angeht, sagt Ralf Speth, der die Tochtergesellschaft der indischen Tata Motors Ltd. leitet. In Genf wurde der Jaguar XFR- S präsentiert, eine Version der XF-Limousine, mit 550 PS. Der Flitzer mit 300 km/h Spitze sprintet in 4,6 Sekunden auf 100 km/h und soll 79.995 Pfund (rund 92.000 Euro) kosten.

“Der stärkste Gegenwind für den Absatz von Ultra-Luxus-Fahrzeugen kommt durch die Stimmung, nicht durch das wirtschaftliche Umfeld”, sagt Analyst Christoph Stürmer von IHS in Frankfurt. “Die Oberklassemodelle sind schon ausverkauft.”

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