Das Geschäft mit kugelsicheren Autos

Das Geschäft mit kugelsicheren Autos

Sicher ist sicher: Besonders in den Ländern des "Arabischen Frühlings" wächst die Nachfrage zahlungskräftiger Kunden nach kugelsicheren Limousinen und Geländewagen.

Grund für das steigende Sicherheitsbedürfnis sind die Umwälzungen und Massenproteste etwa in Tunesien oder Ägypten. Zudem gelten gepanzerte Wagen als Status-Symbol. So oder so: Für Auto-Hersteller und Sicherheitsfirmen ist das Geschäftsfeld lukrativ.

"Der Markt ist nicht transparent, es ist schwer exakte Zahlen zu bekommen", erklärt Jon Hawkes, Analyst für Militärfahrzeuge bei der Beratungsfirma IHS Jane's. "Firmen sprechen jedoch von einem Anstieg des Umsatzes um 30 bis 40 Prozent in den letzten vier bis fünf Jahren." Und das, obwohl der Markt für konventionelle Militärfahrzeuge aufgrund von Kürzungen in den Verteidigungshaushalten vieler Staaten jährlich um mehr als vier Prozent schrumpft, wie IHS Jane's vorrechnet. Die Nachfrage nach gepanzerten Wagen - äußerlich von Serien-Modellen kaum zu unterscheiden, aber mit Schutz vor Beschuss mit leichten Waffen und Granaten - steige jedoch stetig.

Kein Wunder also, dass auch deutsche Hersteller einige Varianten anbieten. Mercedes etwa hat kugelsichere Limousinen und Geländewagen im Angebot. Audi panzert auf Wunsch sein Flagschiff A8L und BMW schützt ebenfalls Käufer von Limousinen und SUVs bei Bedarf vor Kugeln und Granat-Splittern. Der Preis für solche Fahrzeuge liegt bei bis zu einer halben Million Euro. Wichtige Märkte seien neben Osteuropa, der Nahe Osten und Südostasien, berichtet Wilfredo Rohwedder, Leiter des BMW-Produktmanagements für "Sicherheitsfahrzeuge".

Nachträgliche Umrüstung

Der größte Teil des Marktes wird jedoch von Sicherheitsfirmen abgedeckt, die gebrauchte Fahrzeuge nachträglich umrüsten. Das ist häufig deutlich günstiger, allerdings immer noch ein lukratives Geschäft: So kostet ein nachträglich gepanzerter Toyota -Geländewagen mit umgerechnet rund 115.000 Euro etwa das Dreifache der gewöhnlichen Version. Außerdem unterliegen außerhalb von Europa und den USA umgerüstete Fahrzeuge nicht den selben, komplexen Exportbestimmungen.

Neu ist das Umrüsten von Serien-Fahrzeugen in Panzerschränke auf vier Rädern nicht. Auto-Hersteller wie Sicherheitsfirmen werben mit jahrzehntelanger Erfahrung bei Staatskarossen. Neu sei das Ausmaß der Nachfrage in den vergangenen Jahren, sagen Beobachter - besonders in Ländern des "Arabischen Frühlings".

"In den vergangenen fünf bis zehn Jahren war die Nachfrage nach Hochsicherheitsfahrzeugen in unseren wichtigsten Märkten besonders stark", bestätigt BMW-Manager Rohwedder den Trend. "Unsere Auftragsbücher sind voll", berichtet auch Marc Rouelle, ein belgischer Ingenieur und Chef der in Dubai ansässigen Sicherheitsfirma Ares. Viele solcher Sicherheitsfirmen haben sich im Nahen Osten angesiedelt. Die Nähe zu den Kriegsschauplätzen in Irak und Afghanistan sowie weiteren Krisengebieten bedeutet in diesem Industriezweig einen Standortvorteil.

Nicht immer jedoch steht das Überleben eines Anschlags für Kunden im Vordergrund. Manche wünschen sich etwa einen gepanzerten Ferrari. Ein solcher Wagen sei eher ein extravagantes Status-Symbol, erklärt IHS-Analyst Hawkes. "Diese Käufer sorgen sich nicht allzu sehr um die Kugelsicherheit ihres Wagens."

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