Bonjour tristesse am Pariser Autosalon. Plus: Neue Trends

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer dämpft zum Start des Pariser Autosalon die Erwartungen. "Der Erholungsprozess in Europa wird mit dem Russland-Ukraine-Konflikt erneut gestoppt. Die Störungen wirken sich direkt auf den europäischen Automarkt aus", so der Professor. Er erwartet Kurzarbeit in Europa. Plus: Die neuesten Trends. Viele Neuheiten gelten als Schicksalsmodelle.

Bonjour tristesse am Pariser Autosalon. Plus: Neue Trends

Die wichtigsten Modelle in Paris:

Mercedes AMG, Audi TT Roadster, BMW X6, Ford S-Max, Ford SUV Edge, Honda Jazz , Hyundai i20, Hyundai i20, Luft Hybrid-Antriebe: Citroen C4 Cactus und Peugeot 208, Mazda 2, Nissan Pulsar (Golf-Segment), Renault Espace, Opel Corsa, Smart Fortwo und Smart ForFour, Suzuki Vitara, Volvo XC 90, Jaguar XE, VW Passat und VW Touran.

Ford, Volvo und BMW mit neuen SUV-Bullen

Im größten Wachstumssegment des europäischen Automarktes, den sportlichen Geländewagen (SUV), tritt Ford mit dem Modell Edge, einem zusätzlichen neuen SUV an. Volvo stellt seine erste eigenständige Neuentwicklung seit seiner Abtrennung von Ford, den SUV Volvo XC 90, vor. BMW präsentiert den erneuerten BMW X6 und Suzuki den neuen Vitara. Allein im deutschen Automarkt wurden laut dem CAR-Institut in den ersten acht Monaten dieses Jahres mehr als 362.000 SUV-Neuwagen zugelassen. Das entspricht einem Marktanteil von 17,9%. Mit dem Ford Edge kommt das 79-igste SUV-Modell in die Ausstellungsräume der Autohändler. Zu den Topsellern im SUV-Segment zählt vor allem der VW Tiguan, der Opel Mokka und der Audi Q3. Dudenhöffer: "Mit Paris geht damit der SUV-Trend weiter."

Viele kleine Modelle

Ein Großteil der anderen Neuvorstellungen sind Kompakt- und Kleinwagen, die traditionell in Paris eine wichtige Rolle spielen. Mit dem neuen AMG GT steht ein neuer Hochleistungssportwagen von Mercedes auf der Messe, der laut Dudenhöffer erstmals seit gut 40 Jahren das Zeug hat, ein ernsthafter Wettbewerber für den Porsche 911 zu werden. Dudenhöffer: "Die Verkaufszahlen von Hochleistungssportwagen spielen im europäischen Automarkt so gut wie keine Rolle, allerdings hat Porsche über lange Jahre hohe Gewinne mit dem 911 erzielt."

Große Hoffnung werden in den neuen Passat gesetzt

Für VW besitzt der neue Passat hohe Bedeutung, denn mit dem Passat soll die chronisch schlechte Marge des Geschäftsbereichs VWPkw verbessert werden. Der neue Opel Corsa ist so etwas wie ein Lackmus-Test für Opel- Chef Neumann. Alle Hoffnungen auf die Neuausrichtung von Opel lasten auf dem neuen Kleinwagen.Ähnliches gilt für den Smart Fortwo und den ForFour. Dudenhöffer: "Sie sind die Bewährungsprobe für die Marke."

Für Jaguar wiederum eröffnet der XE neue Geschäftsmöglichkeiten. Damit startet Jaguar mit vielen Innovationen im wichtigen Mittelklasse-Segment. "Interessant bei Peugeot-Citroen sind die Serienversionen des preisgünstigen Air Hybrid Systems", so Dudenhöffer. Sein Zwischenfazit: "Vieles was neu in Paris auf den Ständen steht kann als eine Art Schicksals-Fahrzeug interpretiert werden."

Wachstum nur in US, China und Indien

Trotz der Fülle von neuen Modellen verharrt der europäische Automarkt in einer Wachstumsfalle, konstatiert Professor Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg. Europa verharrt in Wachstumsfalle. Das wirtschaftliche Umfeld für die Produktneuerungen ist schwierig. Nordamerika, China und Indien sind die einzigen Wachstumszonen der Welt im nächsten Jahr. Südamerika und Brasilien bleiben genauso in der Rezession wie West-Europa und Ost-Europa mit seinem wichtigsten Markt Russland. Wie bereits in den beiden letzten Jahren konnte sich in Europa nur England aus der Wachstumsfalle in Europa „ausklinken“. Das Sozialprodukt-Wachstum ist eine wesentliche Stellgröße und zeigt, das Europa derzeit nicht vom Fleck kommt.

Absatz in Europa um 1,6 Millionen Stück gesunken

Während etwa im Vergleichsjahr 2005 in Europa – einschließlich Ost-Europa mit Russland- 17,6 Millionen Pkw verkauft wurden, ist mittlerweile der Verlauf auf unter 16 Millionen gesunken. Früher wichtige Märkte wie etwa Frankreich, Italien oder Spanien kämpfen immer noch mit den Folgen der Euro-Schulden-Krise, während gleichzeitig Russland auf unter 3 Millionen Pkw-Verkäufe gefallen ist.

Russischer Automarkt hat sich halbiert, nur England hält sich in Europa gut

Vor der Euroschulden-Krise und dem Russland-Ukraine-Konflikt – also um Frühjahr 2012 - wurde der russische Pkw-Markt des Jahres 2015 auf knapp 3,5 Millionen Neuwagen prognostiziert. Derzeit ist man knapp 1,2 Millionen Verkäufe. Dudenhöffer: "Das zeigt, wie schwer sich der durch immer neue politische Krisen geschüttelte europäische Automobilmarkt gestaltet." Der einzige größere europäische Automarkt, der in etwa seine frühere Bedeutung aufrechterhalten konnte ist England. Dudenhöffer: "Die Eigenständigkeit von England, die Absage an den Euro hat dem englischen Automarkt jedenfalls geschadet."

Aussichten für 2015 mager

"Ost-Europa, erleidet nächstes Jahr einen weiteren Rückgang seiner Automobilnachfrage, die Südländer Frankreich, Italien, Spanien bleiben schwierig", prognostiziert Dudenhöffer. Die Nachfrage Spanien wird im Jahr 2014 durch eine staatliche Kaufprämie für Neuwagen getrieben, bei der Autobesitzer von alten Fahrzeugen bis zu 2.000 Euro Prämien bei Kauf von Neuwagen erhalten. "Diese Prämie wird nicht das gesamte Jahr 2015 aufrechterhalten bleiben können, daher muss man mit kleinerem Wachstum – auch in Spanien rechnen", so der CAR-Experte. In England wird, trotz guter wirtschaftlicher Entwicklung, eine Art „Verschnaufpause“ erwartet. Der Fahrzeugbestand ist mittlerweile jung, das durch Ersatzprozesse von älteren Fahrzeugen getriebene Wachstum wird in England schwächer.

Kurzarbeit in Europa erwartet

Der Druck auf die Branche steigt. Ford hat mittlerweile Kurzarbeit für Oktober und November 2014 bei der Fiesta-Produktion angekündigt. Bereits nach den Werksferien hatte Ford die Fiesta-Produktion von 1.850 Fahrzeuge pro Tag auf 1.500 verringert. Fiat läßt im Oktober für eine Woche die Produktion des Modells Panda ruhen. Die Autobauer stellen sich mit Produktionskürzungen auf die härtere Bedingungen in Europa ein. "Wie schwierig die Pkw-Märkte derzeit sind zeigt sich an den hohen Rabatte und Incentive in wichtigen Pkw-Märkten wie Deutschland", so der Autoprofessor.

40 Prozent der Verkäufe sind Verlustgeschäfte

Alleine in Deutschland sind in den ersten acht Monaten Kurzzulassungen entweder auf die Autobauer selbst erfolgte, auf die Autohändler oder die Vermieter. Ähnlich die Situation in Österreich. 40% der Neuzulassungen sind damit Verlustgeschäfte. Die Fahrzeuge kommen nach kurzer Zeit als Tageszulassungen und junge Gebrauchte mit hohen Abschlägen auf den Markt. Vor 10 Jahren war der Markt Deutschland für die Autobauer ein ertragsreicher Markt mit guten Gewinnen.

VW-Markenvorstand Herbert Diess stellt die Organisation des Herstellers neu auf die Beine.

Kulturwandel: VW krempelt die Fahrzeugentwicklung um

Bei VW bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Nun wird die …

Umfrage zu VW: Das Vertrauen ist massiv erschüttert

Eine neue Umfrage zeigt das Imagetief der Marke VW nach dem Auffliegen …

Slideshow
MercedesAMG

Die Schönheiten auf der Wiener Automesse

Träume in PS und Chrom: Die schönsten Modelle auf der Vienna Autoshow …

Der neue Tiguan als Plug-in-Hybrid.

Umweltminister Rupprechter will E-Mobilität forcieren

Umweltminister André Rupprechter will Schwung in den E-Automarkt bringen. …