Bei der Kfz-Versicherung kann man im Moment kräftig sparen

Autoversicherungen bieten derzeit bis zu 75 Prozent Rabatt auf die Prämie. FORMAT vergleicht die Tarife für Haftpflicht und Kasko und zeigt, worauf Sie bei Vertragsabschluss achten sollten.

Wem schon der Blick auf die Spritpreis-Anzeigetafel an den Tankstellen den Blutdruck in die Höhe treibt, der kann derzeit an anderer Stelle Linderung seiner Qualen erfahren. Autobesitzer können nämlich bei der Kfz-Versicherung kräftig sparen. Seit Jahren übertrumpfen sich die Autoversicherer Runde um Runde mit noch günstigeren Angeboten. Wie am türkischen Basar winken Prämienreduktionen um 20, 50 oder im Extremfall sogar um 75 Prozent. Wer etwa sieben Jahre ohne Blechschaden davongekommen ist, wird bei der deutschen Versicherung HDI mit der Sonder-Bonusstufe 7 belohnt.

Das Erfreuliche: „Jeder, der verhandelt, kriegt einen Rabatt“, weiß der Wiener Versicherungsmakler Werner Flandorfer von Flandorfer & Partner. Dennoch sollte man nicht unter jeden Diskonttarif ungeprüft seine Unterschrift setzen. FORMAT verrät Ihnen deshalb, worauf Sie achten sollten, wenn Sie ein Angebot unterbreitet bekommen. Um besser abschätzen zu können, wie weit Sie beim Prämiendrücken in etwa gehen können, haben wir die aktuellen Tarife von neun der größten Versicherer Österreichs für unterschiedliche Fahrzeugklassen verglichen. Dazu wurden die offiziellen Prämien für einen VW Golf, einen Audi A4, einen BMW X3 und einen Mercedes C 250 in den Bonus stufen 9 und 0 erhoben.

Prämienunterschiede bis zu 3.179 Euro im Jahr

Je größer das Auto, umso höher das Sparpotenzial. Wer etwa einen BMW X3 mit 135 kW in der Vollkasko versichert, zahlt bei der Donau Versicherung in der Bonusstufe 9 pro Jahr inklusive aller Steuern 6.386 Euro, bei der Zürich zahlt der Kunde für dasselbe Produkt um 3.179 Euro weniger. Auch bei einer klassischen Haftpflichtversicherung tun sich riesige Unterschiede auf. Ein Audi A4 mit 88 kW kostet unter den neun verglichenen Assekuranzen im ungünstigsten Fall und unverhandelt 910 Euro (Donau), im besten Fall 688 Euro (HDI).

Generell zählen laut Erfahrungen der Makler die HDI und die Zürich im Schnitt zu den günstigsten Anbietern. In der Bonusstufe 8 und 9 hat oft die Wüstenrot Versicherung die Nase vorn und bei Massenmodellen wie VW Golf, Passat, Opel Astra, Toyota Auris und Ford Mondeo die VAV. „Doch im Schadenfall ist die VAV nicht immer am leistungsstärksten“, verrät Flandorfer.

Ob der Abschluss einer günstigen Kfz-Versicherung wirklich eine sinnvolle Investition war, zeigt sich nämlich erst im Schadenfall. Die beste Dumpingprämie nützt nichts, wenn die Assekuranz im Schadenfall etwa aufgrund einer Ausschlussklausel keinen Schadenersatz zahlt oder sich in einem Kulanzfall querlegt. Ein böses Erwachen kann es auch durch Klauseln bei Billig-Kaskoversicherungen geben. „Schon bei einem Kleinschaden kann es passieren, dass man drei Bonusstufen hinaufgestuft wird“, so Franz Starritz vom Wiener Versicherungsmakler Nanke & Partner. Die vermeintlich niedrige Prämie wird so zum Bumerang. „Statt beispielsweise 700 Euro zahlt man dann für die Kasko 1.000 Euro im Jahr“, so Flandorfer.

Verbraucher sollten daher bei der Wahl ihrer Kfz-Versicherung nicht nur auf die Prämienhöhe, sondern auch auf das Kleingedruckte achten. Doch sich alleine durch Versicherungsverträge zu ackern und sie zu vergleichen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Die unkomplizierteste Lösung ist, sich an einen Makler zu wenden. Dieser bewahrt die Kunden nicht nur davor, zu hohe Prämien zu zahlen, sondern hilft ihnen auch, im Schadenfall möglichst gut auszusteigen.

Mit Muttis Bonusstufe zu Toptarifen

Die Einzigen, die sich bei Rabattverhandlungen auf aussichtslosem Posten befinden, sind Crashpiloten und Führerscheinneulinge. Wie das Beispiel des VW Golf (siehe > Tabelle ) zeigt, akzeptieren die Donau, die HDI und die VAV überhaupt keine Neulinge am Asphalt. Andere verlangen horrende Versicherungssummen. Ein Ausweg aus der Prämienfalle ist, dass ein Elternteil zu Beginn das Auto auf sich anmeldet und der Junglenker eine Fahrgenehmigung erhält. Makler Flandorfer: „Ab dem 23. Lebensjahr wird die Versicherung billiger, dann kann der Junior die Versicherung selber übernehmen. Oder der Junglenker erhält die Bonusstufe 0 eines Elternteils. Aber nur wenige Versicherungen steigen darauf ein.“

Newcomer und Autohäuser buhlen um Kunden

Generell wird es schwieriger, sich einen Überblick über Angebote zu verschaffen, da die großen Kfz-Versicherer immer mehr Konkurrenz bekommen. Um Marktanteile zu gewinnen, locken Newcomer wie die Bad Ischler Assekuranz muki mit Topkonditionen, die den Markt oft noch um fünf Prozent unterfahren. Aber noch raten Makler zur Vorsicht. „Wenn im Schadenfall große Summen ausgezahlt werden müssen, sind Kleinanbieter, die noch nicht lange im Geschäft sind, ein Risiko“, so Flandorfer.

Via Autohäuser versuchen große Assekuranzen, Marktanteile zurückzugewinnen. So handeln Importeure und große Autohäuser mit den Versicherungen massive Großabnehmer-Rabatte aus. „Die Angebote sind meist so gut, dass andere Offerte nicht mithalten können“, so Starritz. Doch die Sache hat nach Ansicht des Maklers einen entscheidenden Haken: „Im Versicherungsfall ist der Kunde auf sich alleine gestellt.“ Denn mit den Tücken der Schadenabwicklung kennen sich für gewöhnlich Autoverkäufer nicht wirklich aus. Und es kann im späteren Beschwerdefall haarig werden, denn dann hat der Kunde die eigene Versicherung als Gegner.

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– Anneliese Proissl

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